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Landesvorschriften und Landesrechtsprechung


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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung
Aktenzeichen:V 546 - 37975/2017
Erlassdatum:27.11.2017
Fassung vom:27.11.2017
Gültig ab:01.01.2018
Gültig bis:31.12.2022
Quelle:Wappen Schleswig-Holstein
Gliederungs-Nr:792.2
Fundstelle:Amtsbl SH 2017, 1579
Richtlinie für die Hege und Bejagung des Rehwildes in Schleswig-Holstein

Richtlinie für die Hege und Bejagung des Rehwildes in Schleswig-Holstein



Gl.Nr. 792.2



Fundstelle: Amtsbl. Schl.-H. 2017 Nr. 51, S. 1579



Erlass des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung
vom 27. November 2017 – V 546 – 37975/2017 -





Das Rehwild ist eine Wildart, die trotz des geringen Waldanteils in Schleswig-Holstein nahezu flächendeckend verbreitet ist. Entsprechend groß ist die jagdliche Bedeutung.



1


Ziel der Rehwildhege ist die Erhaltung und Entwicklung ökologisch und wildbiologisch vertretbarer sowie jagdlich nachhaltig nutzbarer Bestände. Bei der Hege und Bejagung des Rehwildes sind gesicherte Erkenntnisse der Ökosystem- und Wildtierforschung zu berücksichtigen.


Der geringe Waldanteil in Schleswig-Holstein führt im Winter zu einer Konzentration des Rehwildes in den Wäldern. Dem kann durch die Schaffung von Äsungs-, Deckungs- und Ruhebereichen in der freien Landschaft entgegengewirkt werden. Im Wald wirkt sich die Verbesserung der natürlichen Äsungs- und Deckungsverhältnisse durch einen naturnahen Waldbau vorteilhaft für das Rehwild und die Vegetation aus. Ziel der Hege und Bejagung des Rehwildes soll es auch sein, die Verjüngung der Hauptbaumarten in größeren Wäldern in der Regel ohne Zäunung o.ä. zu ermöglichen sowie die Erhaltung der Knicks sicherzustellen.


2


Mit der Änderung des Landesjagdgesetzes vom 27. Mai 2016 wurde der behördliche Abschussplan für Rehwild abgeschafft. Dadurch entfallen die Vorlage bei der unteren Jagdbehörde sowie die Einbindung des Jagdbeirates. Eine Abstimmung der revierinternen Planung mit dem Jagdvorstand bzw. Eigenjagdbesitzer ist im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit zu empfehlen. Das Rehwild soll weiterhin nach den hier im Erlass geregelten Vorgaben, insbesondere den Vorgaben zu den Altersklassen, bejagt werden.


Die Festsetzung einer Zielwilddichte für Rehwild ist schwierig und von vielen Faktoren, wie Äsungsangebot, weiteren Schalenwildarten u.a., abhängig. Als Weiser für die Bestandeshöhe und den Abschuss sollen herangezogen werden:


a)
getätigte Abschüsse der Vorjahre als Zeitreihe


b)
Anteil von Fallwild


c)
Zustand des Wildes


Körpergewichte


Krankheiten und Parasiten


Knopfböcke


d)
Zustand der Vegetation, insbesondere im Wald


e)
Schätzungen der Bestandeshöhe


Es kann in Schleswig-Holstein von einem jagdlich nutzbaren Zuwachs von 100 bis 150 Prozent der im Frühjahr vorhandenen Ricken und Schmalrehe ausgegangen werden. Es ist ein Geschlechterverhältnis von 1 : 1 für den Gesamtbestand anzustreben. Sofern ein Überhang an weiblichem Rehwild vorhanden ist, muss dieser zur Verringerung der Zuwachsrate gezielt abgebaut werden.


3


Bei einem angenommenen Geschlechterverhältnis von 1 : 1 soll der Abschuss wie folgt aufgeteilt werden:


a)
Männliches Rehwild


Bockkitze und Jährlinge (Jugendklasse)

ca. 50 Prozent



zweijährige und ältere Rehböcke (Altersklasse)

ca. 50 Prozent


100 Prozent



b)
Weibliches Rehwild


Rickenkitze und Schmalrehe (Jugendklasse)

ca. 60 Prozent



Ricken (Altersklasse)

ca. 40 Prozent


100 Prozent



Durch diese Abschussverteilung wird ein ausgewogener Altersaufbau gefördert.


4


Die Bejagung ist für das Wild so störungsarm wie möglich zu gestalten. Für die Abschussdurchführung sollen intervallartig die Zeiträume genutzt werden, in denen das Rehwild besonders aktiv ist. Neben den Einzelansitz bieten sich alle Arten der Gemeinschaftsjagd an.


Mit Eröffnung der Jagdzeit im September sollte mit der Bejagung des weiblichen Rehwildes einschließlich der Kitze beiderlei Geschlechts begonnen werden. Der Muttertierschutz ist während der gesamten Jagdzeit zu beachten, es ist grundsätzlich das Kitz vor der Ricke zu erlegen.


Der Wegfall des behördlichen Abschussplans befreit nicht von der Pflicht zur notwendigen Bestandsregulierung. Die Erhaltung eines landschaftsökologisch und landeskulturell angepassten Rehwildbestandes wurde durch die Änderung des Landesjagdgesetzes stärker in die Eigenverantwortung der Jagdausübungsberechtigten gegeben.


5


Eine vollzählige und richtige Erfassung der Jahresstrecke einschließlich des Fallwildes (Allgemein- und Verkehrsfallwild) nach Geschlecht und Altersstufen ist Voraussetzung für die Überwachung der Bestandesentwicklung und bildet eine wichtige Grundlage für die Abschussplanung der Reviere in den Folgejahren.


6


Eine gesetzliche Pflicht zur Durchführung von Trophäen- und Hegeschauen besteht nicht. Durch die Verlängerung der Jagdzeit für Rehböcke bis Ende Januar fällt die Jagd teilweise in Zeiten, in der der Rehbock bereits sein Gehörn abgeworfen hat. Dennoch bieten Hegeschauen einen ungefähren Überblick über den Gesundheitszustand und der Vitalität des Rehwildbestandes und sollten hierfür genutzt werden.


7


Diese Richtlinie tritt am 1. Januar 2018 in Kraft. Sie tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2022 außer Kraft. Die „Richtlinie über die Abschussregelung beim Rehwild in Schleswig Holstein“ (Erlass des Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten vom 15. August 1996) (n.v.) verliert zu diesem Zeitpunkt ihre Gültigkeit.




 


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http://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/jportal/?quelle=jlink&query=VVSH-792.2-MELUND-20171124-SF&psml=bsshoprod.psml&max=true