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Landesvorschriften und Landesrechtsprechung


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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Natur und Umwelt
Aktenzeichen:XI 322 a - 5321.121-53
Erlassdatum:21.06.1994
Fassung vom:21.06.1994
Gültig ab:01.07.1994
Gültig bis:31.12.2023
Quelle:Wappen Schleswig-Holstein
Gliederungs-Nr:7911.1
Fundstelle:Amtsbl SH 1994, 271
 

Richtlinie für die Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen auf
Waldflächen in Naturschutzgebieten im Kreis Herzogtum Lauenburg
entlang der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern

Gl.-Nr.: 7911.1
Fundstelle: Amtsbl. Schl.-H. 1994 S. 271

Bekanntmachung der Ministerin für Natur und Umwelt vom 21. Juni 1994
- XI 322 a - 5321.121-53 -



Diese Richtlinie findet Anwendung auf Waldflächen im Kreis Herzogtum Lauenburg in Naturschutzgebieten entlang der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern, sofern in der jeweiligen Naturschutz-Verordnung auf diese Richtlinie Bezug genommen wird.

Maßnahmen sind auf den Schutz des Waldes und seiner natürlichen Strukturen sowie auf eine Förderung der natürlichen Entwicklung auszurichten. Zur Verbesserung der ökologischen Wertigkeit sind, soweit notwendig, folgende Grundsätze bei der Pflege und Entwicklung anzuwenden:



1. Waldverjüngung



Die Bestände sollen sich mit einheimischen und standortgerechten Baum- und Straucharten natürlich verjüngen. Nicht standortgerechte Bestände oder Bestände aus nicht heimischen Baumarten sind spätestens nach Hiebsreife oder Kalamitätsnutzung (Windwurf o.a.) in Bestände umzuwandeln, die der natürlichen Vegetation entsprechen.



Der natürlichen Besiedelung mit Baum- und Straucharten ist dabei, insbesondere in Bestandeslücken, Raum und Zeit zu lassen.



Pflanzungen erfolgen nur mit autochthonen Herkünften aus der Region.



Pflanzungen werden nur bei einem Baumartenwechsel vorgenommen oder wenn keine den Zielen gerecht werdende Naturverjüngung zu erwarten ist.



2. Bestandespflege



Bei der Jungwuchspflege und Durchforstung sind seltene heimische Baum- und Straucharten besonders zu fördern. In Beständen, deren Bestockung nicht der Zielvorgabe einer natürlichen Vegetation entspricht, sind heimische Laubbaumanteile unbeschadet ihrer Werterwartung zu begünstigen und zur Überführung in die nächste Waldgeneration vorzubereiten.



In älteren Beständen sind gezielt Einzelbäume oder Gruppen auszusuchen und auf einen längeren Freistand vorzubereiten.



3. Bodenschutz



Standortmeliorationen werden nicht durchgeführt. Kulturvorbereitungen beschränken sich beim Umbau auf das Herrichten von Pflanzplätzen. Kleinflächige Vorbereitungsmaßnahmen für die Naturverjüngung sind nur dort zulässig, wo aufgrund von Randeinwirkungen und Immissionen eine Naturverjüngung ausbleibt. Bei der Holzbringung sind die bodenschonendsten Verfahren anzuwenden. Alle für Pferdearbeit geeigneten Sortimente werden mit Pferden gerückt.



Es werden keine neuen Wege gebaut und keine vorhandenen Wege weiter ausgebaut. Die Wegeunterhaltung erfolgt mit natürlichem Material.



4. Waldschutz



Insektizide, Fungizide oder Herbizide werden nicht verwendet. Mäusebekämpfungen sind nur in besonderen Ausnahmefällen bei verdeckter Ausbringung in geschlossenen Systemen zulässig. Forstschutzmaßnahmen sind grundsätzlich mit biologischen Mitteln durchzufahren.



Bei notwendiger Kulturpflege ist ein hohes Maß von natürlich ankommenden Baum- und Straucharten zu belassen. Die Krautvegetation ist zu schonen. Düngungen werden nicht durchgeführt.



5. Wasserhaushalt



Wasserläufe sind in ihrer Natürlichkeit zu belassen, ggf. in ihrer Natürlichkeit wieder herzustellen.



Entwässerungen werden nicht vorgenommen. Bestehende Entwässerungssysteme sind daraufhin zu überprüfen, ob sie aufgegeben werden können. Plötzliche flächenwirksame Veränderungen des Wasserhaushaltes sind jedoch zu vermeiden, um stehende Waldbestände nicht zu gefährden.



Sofern durch unterlassenes Unterhalten von Gräben eine flächige Bestandesgefährdung zu erwarten ist, soll das Entwässerungssystem erst im Zuge des Bestandesumbaus aufgegeben werden. Bis dahin kann eine extensive Handräumung erfolgen.



6. Altbäume und Totholz



Einzelne absterbende oder abgestorbene Bäume werden nicht ausgearbeitet es, sei denn aus Gründen der Verkehrssicherung. Einzelne Windwürfe unter 10 Festmeter je Hektar werden nicht aufgearbeitet, soweit von ihnen keine Gefahr für angrenzende Bestände ausgeht.



In verjüngten Beständen werden mindestens 15 Altbäume je Hektar einzeln oder in Gruppen, das entspricht etwa 100 Vorratsfestmetern je Hektar, von der Nutzung ausgeschlossen (vgl. auch Ziffer 2).

Sie bleiben bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten. In besonderen Fällen werden geeignete Bestände, die keiner weiteren Pflege bedürfen, ganz von der Nutzung freigestellt. Eine besondere Unfallgefahr auf Waldwegen soll hiervon nicht ausgehen. Die Allgemeinen Grundsätze der Verkehrssicherungspflicht sind deswegen zu beachten.



7. Wild



Für eine mit den Zielen einer natürlichen Waldentwicklung vereinbare Wilddichte ist zu sorgen. Es wird nicht gefüttert, Wildäcker werden nicht angelegt.



8. Natur- und Kulturdenkmale



Denkmale und landschaftlich bedeutsam Naturobjekte sind besonders zu pflegen.



Im übrigen gelten die Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft.



9. Inkrafttreten



Diese Richtlinie tritt mit Wirkung vom 1. Juli 1994 in Kraft.





 


Abkürzung Fundstelle Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie immer auf die gültige Fassung der Vorschrift verlinken möchten:
http://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/jportal/?quelle=jlink&query=vvsh-7911.1-0001&psml=bsshoprod.psml&max=true