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Landesvorschriften und Landesrechtsprechung


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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten
Aktenzeichen:X 310a - 5327.8852
Erlassdatum:14.10.1997
Fassung vom:14.10.1997
Gültig ab:14.10.1997
Gültig bis:31.12.2018
Quelle:Wappen Schleswig-Holstein
Gliederungs-Nr:7921.2
Normen:BJagdG, BNatSchG, § 22a BJagdG, § 20f BNatSchG, § 20g BNatSchG
Fundstelle:Amtsbl SH 1997, 500
 

Richtlinie zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen
aufgefundenen Robben

Gl.-Nr.: 7921.2
Fundstelle: Amtsbl. Schl.-H. 1997 S. 500

Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Natur und Forsten vom 14. Oktober 1997 - X 310a - 5327.8852 -


Präambel

Unter Beachtung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG), des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), des Tierschutzgesetzes und des "Trilateralen Abkommens zum Schutz der Seehunde im Wattenmeer" vom 13.11.1991, des am 15.03.1996 in Kraft getretenen "Schutz- und Managementplans für die Seehundpopulation im Wattenmeer 1996-2000", der Entscheidungen der 7. Regierungskonferenz vom 30.11.1994 in Leeuwarden sowie ihrer jeweiligen Landesjagd-, Naturschutz- und Nationalparkgesetze bzw. -verordnungen, vereinbaren die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen die nachstehenden Richtlinien zur Behandlung von erkrankt, geschwächt oder verlassen aufgefundenen Robben.

Für die Behörden und Dienststellen der genannten Länder sind die Richtlinien maßgebend. Auf geeignete Weise tragen die Länder auch dafür Sorge, insbesondere durch Information und ggf. Aus- und Weiterbildung, daß diese Richtlinien auch bei staatlich bestellten Personen (Wattenjagdaufsehern, Seehundjägern) und Institutionen und Verbänden, die sich um Robben kümmern, Anwendung finden.

1. Grundsätze

1.1 Ziel ist es, die Pflege und Wiederauswilderung zu regeln, und dadurch die Entnahme von erkrankten, geschwächten oder verlassenen Robben so gering wie möglich zu halten. Zum Erhalt der Population sind diese Maßnahmen nicht erforderlich. Sie sind zudem mit Risiken verbunden. Hierzu zählen die mögliche Einschleppung von Krankheitserregern sowie im Hinblick auf eine gegen die natürliche Selektion gerichtete Wirkung/Verschlechterung des Allgemeinzustandes und der Widerstandskraft der Populationen.

1.2 Grundsätzlich sind erkrankte, geschwächte oder verlassene Robben am Fundort zu belassen und den zuständigen staatlich bestellten Personen oder Institutionen oder der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Dieses ist durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen.

1.3 Die zuständigen Personen entscheiden im Einzelfall, ggf. nach Beratung durch andere fachkundige Personen (z. B. Veterinäre) über das weitere Vorgehen. Neben tierschutz-, naturschutz- und jagdrechtlichen Aspekten ist hierbei die Sicherung möglichst ungestörter Abläufe der Naturvorgänge zu beachten.

1.4 Sowohl Alt- als auch Jungtiere dürfen nur dann in Pflege und ggf. Aufzucht aufgenommen werden, wenn ihr Gesundheitszustand erwarten läßt, daß sie nach angemessener Zeit, ohne Gefährdung der Wildpopulation, wieder ausgesetzt werden können.

Das gleiche gilt für Tiere, die im Wattenmeer Irrgäste sind, wobei strengste Maßstäbe für die Aufnahme anzulegen sind. Auf die Ziffern 1.5 und 1.9 wird hingewiesen.

1.5 Gesundgepflegte Seehunde und Kegelrobben sollten nur dann mit behördlicher Zustimmung wieder in die Natur zurückgebracht werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

•Sie müssen ausreichend konditioniert und frei von für die Wildpopulation erkennbar fremden Krankheitserregern sein;

•sie dürfen nicht mit bestimmten Arten von Medikamenten und Impfstoffen behandelt worden sein, die auszuführen sind;

•sie dürfen in einer Aufzuchtstation nicht Kontakt mit wattenmeerfremden Tierarten oder Meeressäugetieren von außerhalb des Wattenmeerraumes gehalten worden sein.

1.6 Seehunde und Kegelrobben werden sobald wie möglich freigelassen, möglichst nicht später als ein halbes Jahr nach Pflegebeginn.

1.7 Seehunde und Kegelrobben sollten nur in die Wattenmeerbereiche wieder freigelassen werden, in denen sie aufgefunden wurden.

1.8 Seehunde und Kegelrobben sind nicht von einem Gebiet des Wattenmeerbereichs in ein anderes zu verbringen.

1.9 Andere Robbenarten dürfen nicht wieder im Wattenmeer ausgesetzt werden.

1.10 Deutlich länger als ein halbes Jahr unter Obhut des Menschen gehaltene Robben sind prinzipiell nicht wieder auszuwildern.

1.11 In Gefangenschaft geborene Robben sind nicht auszuwildern. Ausnahmen sollten nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde möglich sein.

2. Vorgehensweise

Bei der Entscheidung, was bei erkrankten, geschwächten oder mutterlos aufgefundenen Robben veranlaßt werden soll, sind Besonderheiten des Fundortes wie z. B. die Nähe zu einer typischen "Ruhebank" oder mögliche Störungen angemessen zu berücksichtigen.

2.1 Adulte Tiere

Schwerkranke Seehunde werden, sofern sie nicht überlebensfähig sind, entsprechend § 22a, Abs. 1 Satz 2 BJagdG tierschutzgerecht getötet. Andere schwerkranke Robben können tierschutzgerecht getötet werden, wozu es einer Ausnahmegenehmigung vom Tötungsverbot des § 20 f, Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG gem. § 20 g Abs. 6 Nr. 2 BNatSchG bedarf. Sterbende Tiere können in ungestörten Wattenmeerbereichen, insbesondere in Nationalparks, sich selbst überlassen werden.

2.2 Verlassene Jungtiere von Seehunden und Kegelrobben

Überlebensfähige junge Seehunde sollten an ihrem Fundort belassen werden. Ungünstig liegende Seehund-Heuler können, sofern sie fit sind, auf eine nahe gelegene Mutterbank verbracht werden, wenn angenommen werden kann, daß sie nicht gestört werden und zum Muttertier zurückfinden. Die am Fundort belassenen Tiere sollten von staatlich bestellten oder eingewiesenen Personen (Seehundjäger, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gebietsbetreuender Naturschutzverbände) nach Möglichkeit vor Störungen geschützt werden. Dazu sollten vorübergehend flexible Ruhezonen eingerichtet werden. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, sollten sie in die zuständige Seehundaufzuchtstation eingeliefert werden.

Bei jungen Kegelrobben wird entsprechend verfahren.

Nicht transport- und überlebensfähige junge Seehunde können entsprechend § 22 a, Abs. 1 Satz 2 BjagdG tierschutzgerecht getötet werden.

Eine Aufnahme verlassener junger Seehunde sollte dann erfolgen, wenn folgende Anforderungen, die als Entscheidungshilfe dienen sollen, erfüllt werden:

•Gewicht über 7,5 kg,

•reduzierte Gesamtlänge über 45 cm,

•keine deutlichen krankhaften Abweichungen von normaler Atmung sowie Kreislauf und Reflexen.

Tiere mit offensichtlichen Mißbildungen sind von der Aufzucht auszuschließen.

Ab Anfang August ist die Aufnahme verlassener junger Seehunde besonders restriktiv zu handhaben, da viele Jungtiere zu dieser Zeit abgestillt werden. Junge Seehunde, die im August ein Gewicht von weniger als 10 kg oder eine Länge von unter 50 cm aufweisen, sind als Kümmerer einzustufen.

3. Schwerwiegende Störfälle

Wenn schwere Störfälle (z. B. Öl- und Chemieunfälle, Massensterben) eintreten, sind unverzüglich erforderliche Schutz- bzw. Rettungs- und sonstige Maßnahmen unter möglichst breiter fachlicher sowie technischer Beteiligung einzuleiten, um Hilfe, Untersuchungen, ggf. auch die tierschutzgerechte Tötung und Beseitigung betroffener Tiere zu gewährleisten.

4. Meldepflicht

Die Erfassung aller tot aufgefundenen, getöteten, aufgenommenen und freigelassenen Robben durch die zuständigen Stellen und die Erstellung zusammenfassender Berichte ist sicherzustellen.

5. Inkrafttreten

Diese Richtlinie tritt am Tage nach der Veröffentlichung im Amtsblatt Schleswig-Holstein in Kraft. Gleichzeitig tritt die Richtlinie vom 01. Juli 1996 IX 310a-5327.8852 außer Kraft.

 


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http://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/jportal/?quelle=jlink&query=vvsh-7921.2-0001&psml=bsshoprod.psml&max=true