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Gericht:LG Kiel 10. Große Strafkammer
Entscheidungsdatum:30.11.2018
Aktenzeichen:10 KLs 7/18
Dokumenttyp:Urteil
Quelle:juris Logo
Norm:§ 250 Abs 2 Nr 1 Buchst a StGB
 

Tenor

Der Angeklagte A A A wird wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerem Raub und wegen Verabredung zu einem besonders schweren Raub zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von

acht Jahren und drei Monaten

verurteilt.

Der Angeklagte B B B wird wegen Beihilfe zu einem in Tateinheit mit einem schweren Raub begangenen erpresserischen Menschenraub und wegen Verabredung zu einem besonders schweren Raub zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von

drei Jahren und neun Monaten

verurteilt.

In Höhe von 60.000,00 € wird die Einziehung des Wertes des Erlangten gegen die Angeklagten als Gesamtschuldner angeordnet.

A

Die Angeklagten haben die Kosten des Verfahrens zu tragen, soweit sie verurteilt worden sind. Soweit die Angeklagten durch das Urteil der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17.01.2017 (1 KLs 20/16) freigesprochen worden sind, fallen die Kosten des Verfahrens der Staatskasse und die notwendigen Auslagen der Angeklagten der Staatskasse zur Last. Die Angeklagten haben die Kosten der Revision zu tragen. Ferner fallen ihnen die notwendigen Auslagen des Nebenklägers, auch diejenigen im Revisionsverfahren, zur Last.

Die Adhäsionsentscheidung sowie die Kosten- und Auslagenentscheidung im Adhäsionsverfahren und die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit aus dem Urteil der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17.01.2017 (1 KLs 20/16) bleiben aufrechterhalten.

Angewendete Vorschriften:

§§ 239a, 249, 250 Abs. 1 Nr. 1b, 250 Abs. 2 Nr. 1, 25 Abs. 2, 27, 30, 49, 52, 53, 54, 73, 73c und 73 d StGB

Gründe

I.

1

Im Jahr 2015 ereignete sich im Raum Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen eine Vielzahl von Raubüberfällen auf Supermärkte der Firma Edeka. Zur Aufklärung wurde in der Kriminalinspektion Bad Oldesloe eine Sonderkommission eingerichtet. Aufgrund der Aussage einer Vertrauensperson kamen die Ermittlungsbehörden auf die Spur des Angeklagten AAA. Nach längerfristiger Observation unter Einsatz technischer Mittel wurden die beiden Angeklagten im Zusammenhang mit einem geplanten Überfall auf den Edeka-Markt in Wrist am 25.02.2016 festgenommen.

2

Mit Anklage vom 14.06.2016 hat die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Kiel den beiden Angeklagten vorgeworfen, am 19.12.2015 (Fall 1 der Anklage: Edeka-Markt in Stelle) und am 26.12.2015 (Fall 2 der Anklage: Nebenkläger und Edeka-Markt in Schwarzenbek) jeweils einen erpresserischen Menschenraub in Tateinheit mit besonders schwerem Raub und am 25.02.2016 (Fall 3 der Anklage: Edeka-Markt in Wrist) eine Verabredung zu einem besonders schweren Raub begangen zu haben. Darüber hinaus ist dem Angeklagten AAA im Zusammenhang mit der Flucht nach Fall 3 vorgeworfen worden, einen vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (Fall 4 der Anklage) begangen zu haben.

3

Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kiel hat am 17. Januar 2017 unter dem Aktenzeichen 1 KLs 20/16 den Angeklagten AAA unter Freispruch im Übrigen (Fall 1 der Anklage: Edeka-Markt in Stelle) wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit besonders schwerem Raub (Fall 2 der Anklage: Nebenkläger und Edeka-Markt in Schwarzenbek - Freiheitsstrafe von 7 Jahren als Einzelstrafe), Verabredung zu einem besonders schweren Raub (Fall 3 der Anklage: Edeka-Markt in Wrist - Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten als Einzelstrafe) sowie wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs (Fall 4 der Anklage - Freiheitsstrafe von 8 Monaten als Einzelstrafe) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten sowie den Angeklagten BBB unter Freispruch im Übrigen (Fall 1 der Anklage: Edeka-Markt in Stelle) wegen Beihilfe zu einem in Tateinheit mit einem besonders schweren Raub begangenen erpresserischen Menschenraub (Fall 2 der Anklage: Nebenkläger und Edeka-Markt in Schwarzenbek - Freiheitsstrafe von 3 Jahren als Einzelstrafe) und wegen Verabredung zu einem besonders schweren Raub (Fall 3 der Anklage: Edeka-Markt in Wrist; Freiheitsstrafe von 2 Jahren als Einzelstrafe) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Des Weiteren hat sie im Hinblick auf die Verurteilung zu Fall 4 der Anklage dem Angeklagten AAA die Fahrerlaubnis entzogen und ein Kraftfahrzeug Audi A 8 eingezogen. Im Übrigen hat sie eine Adhäsionsentscheidung dahingehend getroffen, dass die Angeklagten mit Kostentragungspflicht und vorläufiger Vollstreckbarkeit als Gesamtschuldner verurteilt worden sind, an den Nebenkläger als Adhäsionskläger 640 Euro nebst Zinsen als Schadensersatz und weitere7.500 Euro als Schmerzensgeld zu zahlen.

4

Auf die Revisionen der Angeklagten hat der Bundesgerichtshof das genannte Urteil der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel durch Beschluss vom 07. Februar 2018 unter dem Aktenzeichen 4 StR 376/17 mit den dazugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit die Angeklagten in Fall II. 1 der Urteilgründe (Fall 2 der Anklage) wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit besonders schwerem Raub verurteilt worden sind mit Ausnahme der dortigen Adhäsionsentscheidung, die von der Aufhebung nicht betroffen ist. Die Aufhebung erfolgte des Weiteren hinsichtlich der Verurteilung des Angeklagten AAA im Fall II. 3 der Urteilsgründe (Fall 4 der Anklage) wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, im Maßregelausspruch gegen den Angeklagten AAA und in den Gesamtstrafenaussprüchen.

5

Im Übrigen (Fall 3 der Anklage) hat der Bundesgerichtshof die Revision als unbegründet verworfen und die Sache im Umfang der Aufhebung zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts Kiel zurückverwiesen, so dass die Verurteilung der Angeklagten wegen Verabredung zu einem besonders schweren Raub (Fall II. 2 der Urteilgrunde; Fall 3 der Anklage) und die Einziehung des Kraftfahrzeuges rechtskräftig geworden sind. Da lediglich die Angeklagten Revision eingelegt hatten, ist auch der Freispruch der Angeklagten bezüglich des Falles 1 der Anklage (Edeka-Markt in Stelle) rechtskräftig geworden. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 07. Februar 2018 Bezug genommen.

6

Das Verfahren ist hinsichtlich des Falles 4 der Anklage im Laufe des hiesigen Verfahrens auf Antrag der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Kiel auch unter Auswirkung auf den Maßregelausspruch gemäß § 154 Abs. 2 StPO vorläufig eingestellt worden. Im vorliegenden Verfahren ging es dementsprechend insbesondere noch um Fall 2 der Anklage (Tat vom 26.12.2015 zum Nachteil des Nebenklägers und des Edeka-Markts in Schwarzenbek). Dem Urteil liegt keine Verständigung zugrunde.

II.

7

Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kiel hat in ihrem Urteil hinsichtlich des

8

Falles 3 (Edeka-Markt in Wrist - rechtskräftig) u.a. folgende Feststellungen getroffen:

9

„II.

10

(…) 2. (Fall 3. der Anklage)

11

Etwas mehr als eine Woche vor dem 25.02.2016 entschlossen sich die Angeklagten, den auf dem Grundstück Eken 2 in Wrist belegenen Edeka – Markt in der Weise zu überfallen, dass die Angeklagten mit Hilfe einer ungeladenen Schreckschusspistole sowie von CS - Gas – Spray und von Kabelbindern zum Zwecke der Fesselung von Händen und Füßen einen oder mehrere Mitarbeiter des Edeka – Marktes überwältigen und diesen bzw. diese anschließend mindestens unter Androhung von Gewalt und/oder auch des Einsatzes des CS-Gases gegen den oder die Mitarbeiter dazu zwingen wollten, den Angeklagten Zugang zu werthaltigen Gegenständen, insbesondere zu Geld im Edeka – Markt zu verschaffen, um dieses an sich zu nehmen und für sich zu verwenden. Zu diesem Zwecke kundschafteten die Angeklagten den Edeka – Markt in der Folgezeit im Interesse der Ermittlung des am besten geeigneten Zeitpunktes für den Überfall aus. In der Folgezeit begaben sie sich dann 3 oder 4 Mal gemeinsam zu jenem Edeka Markt, um Beobachtungen dahingehend anzustellen, ob dieser Markt tatsächlich ein geeignetes Tatobjekt sei und die und wann die geplante Tat am besten umzusetzen sei. Im Rahmen eines dieses Aufsuchens des Edeka Marktes kamen sie eine Woche vor Tatbegehung zu dem Schluss, dass wegen der Anwesenheit nur weniger Mitarbeiter in den Abendstunden an jenem Tag der geplante Überfall genau eine Woche später stattfinden sollte. Entweder schon kurz zuvor oder aber spätestens nach diesem konkreten Entschluss zum in Aussicht genommenen Tattag konkretisierten die Angeklagten ihre Planung dahin, dass sie den Edeka – Markt unter Verwendung einer schwarzen ungeladenen Schreckschusspistole des Modells Walter P22 und einer mit funktionsfähigem und einsatzbereiten CS – Gas – Spray gefüllten Dose sowie mit Sturmhauben maskiert den oder die abends die Filiale nach Geschäftsschluss verlassenden Mitarbeiter des Edeka – Marktes in Wrist unter Drohung für Leib oder Leben für den Fall der Zuwiderhandlung zu zwingen, in den Markt zurückzukehren und den Angeklagten das in dem Tresor liegende Bargeld und sonstige Wertgegenstände auszuhändigen. Einige Tage vor dem 25.02.2016 stahlen die Angeklagten in Itzehoe die amtl. Kz. IZ – MW 533, um diese zu dem von ihnen in Aussicht genommenen Tatzeitpunkt an dem für die Fahrt zum Tatort und zur Flucht von diesem zu verwendenden Audi A8 anzubringen. Am frühen Morgen des 25.02.2016 fuhr der Angeklagte AAA erneut mit dem o.g. Mercedes 320 CDI von Bad Segeberg nach Wrist, um sich noch einen näheren Eindruck vom geplanten Tatort zu verschaffen und so jedes weitere bislang vielleicht noch nicht entdeckte oder zwischenzeitlich neu eingetretene Risiko auszuschließen. Sie packten am 25.02.2016 gegen 19:30 Uhr eine Tasche, in der sie u. a. eine schwarze ungeladene Schreckschusspistole des Modells Walther P 22, 2 x 2 weiße Kabelbinder, zur Fesselung von Händen und Füßen zuvor von beiden vorbereitet, eine mit funktionsfähigem und einsatzbereitem CS-Gas-Spray gefüllte Dose, zwei schwarze Sturmhauben sowie drei weiße Einweghandschuhe verstauten. Um 19:39 Uhr verließ der Angeklagte AAA mit dem Mercedes SE – E 2512 den rückwärtigen Parkplatz der Pizzeria an der Trave 34 in Bad Segeberg, wobei ihm der Angeklagte BBB mit dem Audi A8 ESW – UK 33 in den Lohmühlenweg bis vor die Hausnummer 6 folgte. Dort verließ der Angeklagte AAA den Mercedes und begab sich auf den Beifahrersitz des Audi A8. Sodann befuhren sie nach Betankung des Fahrzeugs um 20:45 Uhr an einer Tankstelle in der Hamburger Straße mit dem Audi A8 die B6 in Richtung Westen. Um 20:13 Uhr lenkte der Angeklagte BBB das Fahrzeug kurz vor der Gemeinde Föhrden-Barl in eine kleine Seitenstraße, wo die Fahrt unterbrochen wurde, um an dem Fahrzeug die amtlichen Kennzeichen IZ-MW 533 anzubringen. Nach Fortsetzung der Fahrt um 20:17 Uhr, lenkte der Angeklagte BBB den Wagen um 20:20 Uhr in den Bokeler Weg, wendete dort in Höhe der Straße Op de Wisch, um sodann wenige Meter weiter rechts am Fahrbahnrand zu halten. Gegen 20:26 Uhr verließen die Angeklagten das Fahrzeug und bewegten sich mit der zuvor von ihnen gepackten Tasche über einen schmalen Weg zur rückwärtigen Bereich des Edeka Marktes im Eken 2 in Wrist, welchen sie von dort aus ca. 50 m Entfernung beobachteten (III, 310 f). Dort besprachen sie das weitere Vorgehen wie folgt:

12

„Hier ist gut.

13

Dahinten siehst Du? Da ist der Eingang!

14

Ja, ich sehe.

15

Was meinst du?

16

Das passt“.

17

Nachdem sich die beiden Angeklagten entschlossen hatten, unverzüglich ihren Plan umzusetzen, bemerkte der Angeklagte AAA einen durch eine Decke geschützten auf dem Boden liegenden Beamten der Landespolizei Schleswig–Holstein, der sich dort schon zuvor im Zuge der Observation der Angeklagten verborgen hatte und bei dem es sich um den Zeugen mit der Kennziffer 157 handelte. Der Angeklagte AAA informierte sofort den Angeklagten BBB und beide entschlossen sich, unverzüglich zu flüchten. Auf die Aufforderung des sie verfolgenden und sich als Polizeibeamten ausgebenden Beamten, dem Zeugen mit der Kennziffer 157, stehen zu bleiben, reagierten die Angeklagten nicht. Daran änderte sich auch nichts nach dem Abschuss einer Signalrakete sowie Wurf eines Irritationskörpers durch die Polizei. Vielmehr liefen die Angeklagten zügig zu dem Audi A8, mit dem sie auch nach Wrist gefahren waren. (…)

III.

1.

18

Der Angeklagte AAA kam 1993 zusammen mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland. Er hat neben zwei älteren Schwestern drei jüngere Geschwister, die - jeweils bezogen auf Ende November 2018 - 27 Jahre alte Zeugin W AAA, den 25 Jahre alten X AAA sowie den 23 Jahre alten Y AAA. Er besuchte die Grundschule in Bad Segeberg und schloss sodann die Hauptschule erfolgreich ab. 2008 wurde er in den Kosovo abgeschoben. Ende 2009/2010 begab er sich nach Deutschland zurück und hielt sich dort illegal auf. Er versteckte sich, begab sich dann nach Frankreich, lebte dort ohne nennenswerte finanzielle Mittel und ohne Kontakt zu seiner Familie bei einer noch offenen Restfreiheitsstrafe von 10 Monaten. Im Zusammenhang mit der Begehung neuer Straftaten wurde er etwa 2010 nach seiner Rückkehr nach Deutschland festgenommen. In der sich sodann anschließenden Strafhaft begann er eine Berufsausbildung zum QQQ, die er nach seiner Freilassung außerhalb der Justizvollzugsanstalt fortsetzte und im November 2015 erfolgreich abschloss.

19

Im Dezember 2013 lernte er seine jetzige Lebensgefährtin kennen, die er im Sommer 2014 im Kosovo nach albanischen Recht heiratete. Im Februar 2017 lief seine Aufenthaltserlaubnis aus. Seit Dezember 2014 sind er und seine Freundin Eltern eines gemeinsamen Kindes.

20

Vor seiner Inhaftierung betätigte sich der Angeklagte AAA in der von seinem Vater betriebenen Pizzeria in Bad Segeberg sowohl in der Küche als auch bei den Auslieferungen helfend.

21

In Bezug auf den Angeklagten AAA bestehen folgende jugendgerichtliche Vorerkenntnisse:

22

Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Kiel sah am 03.05.2004 - 563 Js 45622/03 in einem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung geführten Verfahren von der Verfolgung nach § 45 Abs. 2 JGG ab.

23

Am 17.06.2004 verhängte das Amtsgericht Bad Segeberg - 11 Ds Jug. 563 Js 67369/03 (19/04) gegen den Angeklagten AAA wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls in drei Fällen, davon in einem Fall versucht und in einem weiteren Fall in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis und einem weiteren gemeinschaftlichen Diebstahl eine Woche Jugendarrest.

24

Am 28.06.2004 sah die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Kiel - 563 Js 29420/04 in einem wegen des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis geführten Verfahren erneut von der Verfolgung nach § 45 Abs. 2 JGG ab.

25

Wiederum das Amtsgericht Bad Segeberg sprach den Angeklagten AAA am 26.05.2005 - 11 Ls jug. 563 Js 34461/04 (19/04) wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und gemeinschaftlichen Diebstahl, begangen am 15.04.2004, nach § 27 JGG mit Festsetzung einer Bewährungszeit von einem Jahr schuldig.

26

Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Kiel sah am 08.08.2005 - 563 Js 27837/05 in einem wegen des Verdachts eines Vergehens nach dem Waffengesetz nach § 45 Abs 1 JGG geführten Verfahren von der Verfolgung ab, wie sie dies auch am 11.08.2005 - 563 Js 37168/05 in einem Verfahren wegen des Verdachts einer Nötigung getan hat.

27

Am 27.07.2006 verurteilte das Amtsgericht Bad Segeberg - 11 Ls Jug. 563 Js 26850/06 (21/06) den Verurteilten wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in zwei Fällen und der Verabredung eines Verbrechens, letzte Tat begangen am 10.05.2006 unter Einbeziehung der Entscheidung des Amtsgerichts Bad Segeberg vom 26.05.2005 zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren und 11 Monaten. Gegenstand der Taten waren entsprechend des im Selbstleseverfahrens eingeführten Urteils jeweils der Überfall mehrerer Täter einschließlich des AAA auf eine Tankstelle unter Verwendung – durch AAA eigenhändig - von Schreckschusspistolen und übergezogenen Sturmhauben bzw. Wollmützen mit Sehschlitzen. Die Strafvollstreckung war am 12.01.2011 erledigt.

28

Zuletzt wurde er vom Landgericht Lübeck vom 10.03.2011 - 7 KLs 779 Js 17547/10 (38/10) zusammen mit dem Zeugen DDD, der eine Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Jahren und 9 Monaten erhielt, wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Gegenstand der Taten waren entsprechend des im Selbstleseverfahrens eingeführten Urteils der Überfall auf eine Spielhalle und zwei Überfälle auf Tankstellen - jeweils gemeinschaftlich, unter Verwendung - durch AAA in 2 Fällen eigenhändig - von Schreckschusspistolen und von Gesichtsmasken. Nachdem die Vollstreckung eines Strafrestes zur Bewährung ausgesetzt worden war, wurde dem Angeklagten AAA dieser Strafrest mit Wirkung vom 24.09.2015 erlassen.

29

Der Angeklagte AAA befand sich vom 25.02. bis 26.02.2016 und befindet sich seit dem 18.03.2016 in Untersuchungshaft. Für die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht München ist aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgericht München Überhaft notiert.

2.

30

Der Angeklagte BBB, der eine 19 Jahre alte Schwester hat, wuchs in Deutschland auf und erlangte den Realschulabschluss. Er hat eine Berufsausbildung als Elektrotechniker und arbeitete von September 2015 bis Februar 2016 im Bereich Elektroinstallation. Dieser Arbeit gab er auf zugunsten der Verwirklichung seines Vorhabens, bei seinem Vater, der ein Restaurant betreibt, arbeiten zu wollen, auf. Parallel hat er sich für den Besuch einer Fachhochschule beworben, weil er sich fortbilden wollte. Auch er half gelegentlich im Pizzabetrieb des Vaters des Angeklagten AAA. Seine Eltern leben schon seit mehreren Jahren getrennt. Die Mutter des Angeklagten BBB ist psychisch erkrankt. Sie steht seit mehreren Jahren unter Betreuung und der Angeklagte BBB verwaltet für sie ihr Geld.

31

Der Angeklagte BBB befand sich vom 25.02. bis 26.02.2016 und vom 18.03.2016 bis zur Verkündung des Urteils der 1. großen Strafkammer am 17.01.2017 in Untersuchungshaft.

32

Nachdem der Angeklagte BBB aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, nahm er eine Anstellung als Maschinenführer an, sein Nettolohn beträgt etwa 1.800,00 €. Der Angeklagte BBB spielt mit dem Gedanke seine schulische Ausbildung weiterzuführen.

33

In Bezug auf den Angeklagten BBB liegen keine strafrechtlichen Vorkenntnisse vor.

34

Beide Angeklagte kennen sich seit über 10 Jahren, der Kontakt kam über den Bruder des Angeklagten AAA, X AAA, zustande, mit dem der Angeklagte BBB zusammen Fußball spielte. Der Angeklagte BBB wusste, dass der Angeklagte AAA wegen Einbrüchen oder Raubüberfällen verurteilt worden und im Gefängnis war. Seit etwa Ende 2013 hatten beide Angeklagten hauptsächlich über die Brüder des Angeklagten AAA, Y AAA und X AAA wieder Kontakt zu einander.

IV.

35

(Fall 2. der Anklage)

36

Zu einem nicht näher feststellbaren Zeitpunkt vor dem 25.12.2015 entschlossen sich der Angeklagte AAA und weitere bislang unbekannt gebliebenen Mittäter, unter Verwendung einer Waffe, die einer echten Schusswaffe jedenfalls sehr ähnlich sieht, den stellvertretenden Leiter des am Hans-QQQ-Ring 6 in Schwarzenbek belegenen und vom Zeugen EEE betriebenen Edeka - Marktes, den Zeugen CCC, an dessen privater Wohnanschrift Dorfstraße 46 in Schwarzenbek nachts zu überfallen, um diesen anschließend unter Drohung gegen seine körperliche Integrität unter Vorhalt der vorgenannten Waffe dazu zu veranlassen, mit ihnen zum Edeka - Markt nach Schwarzenbek zu fahren und dem Tätern vor Ort Zugang zu den Inhalten der Tresore zu verschaffen, damit diese sich aus diesen werthaltige fremde Sachen zueignen können. Ob der Angeklagte BBB schon zu jenem Zeitpunkt an den Tatplanungen beteiligt war, hat die Kammer nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen können.

37

Im Vorfeld der Tat fuhren die beiden Angeklagten sowie ein jüngerer Bruder des Angeklagten AAA, der X AAA, am 17.12.2015 in dem von der Familie des Angeklagten AAA genutzten schwarzen Fahrzeug Mercedes Benz C 320 CDI mit dem amtl. Kz. SE - E 2512, dessen Halter der Vater des Angeklagten AAA ist, nach Bremen. Dort erwarben sie von einem FFF einen zuvor von diesem über das Internet angebotenen schwarzen Audi A8 4.2 mit dem amtl. Kz. ESW-UK 33 mit einer Motorleistung von 300 PS für 2.250,00 €. Dabei verwendeten sie einen zuvor vor Ort vom Angeklagten BBB aus dem Internet von der Autohandelsplattform „mobile.de“ heruntergeladenen Formularkaufvertrag über eine „Gebrauchtkraftfahrzeug von privat“. Als Käufer wurde in dem Kaufvertrag der Angeklagte BBB benannt, welcher als solcher auch unterschrieb und die Übergabe des Fahrzeugs bestätigte. Dass der Angeklagte BBB tatsächlich auch über das Fahrzeug hatte verfügen sollen, ist nicht festgestellt worden. Als Sondervereinbarung enthält der Kaufvertrag, dass das Auto umgehend abgemeldet werde, was aber bis jedenfalls zum 02.03.2016 nicht erfolgte. Nach Abschluss des Kaufes wurde der Audi A 8 ESW - UK 33 von dem Angeklagten AAA nach Hause gefahren, während der Angeklagte BBB den Mercedes Benz C 320 CDI mit dem X AAA als Beifahrer nach Hause fuhr.

38

Spätestens kurze Zeit nach dem Kauf des Audi, jedenfalls aber vor dem 25.12.2015 fassten entweder der Angeklagte AAA sowie jedenfalls ein weiterer unbekannt gebliebene Mittäter und der Angeklagte BBB oder der Angeklagte AAA und zwei weitere unbekannt gebliebene Mittäter den Entschluss, den Markleiter des vom Zeugen EEE in Schwarzenbek betriebenen Edeka-Marktes in der Nacht vom 25. auf den 26.12.2015 in dessen Haus in Grabau zu überfallen, sich seiner unter Bedrohung mit einer echten Schusswaffe zumindest ähnlich sehenden Waffe zu bemächtigen, um ihn sodann in der Nacht zum Gebäude des Edeka-Marktes nach Schwarzenbek zu verbringen und ihn zu veranlassen, den Tätern Zugang zum Markt und zum werthaltigen Inhalt der sich in jenem befindlichen Tresore zu verschaffen, um diese Inhalte an sich zu nehmen und für sich zu verwenden.

39

Dabei war des Weiteren möglicherweise entweder für den Fall, dass der Angeklagte BBB als Mittäter mitwirken sollte, ein unbekannt gebliebener vierter Beteiligter in die Tatplanung eingeweiht und hatte die Aufgabe, den nachts den Edeka-Markt kontrollierenden Wachmann zu beobachten und durch fernmündliche Kommunikation den Haupttätern mitzuteilen, wann diese Kontrolle erfolgt ist oder aber für den Fall, dass der Angeklagte BBB nicht als Mittäter mitwirken sollte, war eben der Angeklagte BBB der als Beobachter des Wachmannes eingesetzte Vierte. Da der Kammer letztlich Zweifel daran verblieben sind, dass der Angeklagte BBB unmittelbar am Haupttatgeschehen beteiligt war, hat sie zu seinen Gunsten das Vorliegen nur der letztgenannten Fallvariante angenommen, wobei der Angeklagte BBB - bis auf die Verwendung eines etwaig aus dem Haus des Nebenklägers stammenden Messers - umfassend in die Planung des Ablaufes des nachfolgend festgestellten Tatgeschehens eingeweiht und mit diesem einverstanden war.

40

Am Abend des 25.12.2016 klopfte gegen 17:30 Uhr bzw. 17:40 Uhr des auf dem Grundstück Dorfstraße 46 in Grabau belegenen Wohnhauses des Zeugen CCC, der stellvertretender Marktleiter des vom Zeugen EEE betriebenen Einkaufsmarktes Edeka im Hans-QQQ-Ring 6 in Schwarzenbek ist, jemand gegen die Tür, wobei der Zeuge CCC erkennen konnte, dass der Anklopfende ein T-Shirt und eine Weihnachtsmannmütze trug. Der Zeuge CCC öffnete die Tür nicht. Der Anklopfende erbat eine Spende, die der Zeuge jedoch nicht gab. Ob dieser Vorfall im Zusammenhang mit der späteren Tat stand, hat die Kammer nicht feststellen können.

41

Im weiteren Verlaufe des Abends befuhren zwei der später an der Tat beteiligten Täter oder Teilnehmer, ohne dass mit ausreichender Sicherheit hat festgestellt werden können, dass es sich auch nur bei einem von ihnen um einen der Angeklagten gehandelt hat, wenige 100 Meter vom Grundstücks des Zeugen CCC zwischen 20.30 Uhr und 22:00 Uhr mit dem zuvor am 17.12.2015 vom Angeklagten AAA oder vom Angeklagten BBB in Bremen gekauften Audi A 8 mit dem Kennzeichen ESW- UK 33 die Dorfstraße in Grabau in Richtung der Ortschaft Sahms, fuhren sodann von dort wieder die Dorfstraße zurück in Richtung Schwarzenbek und drehten nochmals um, sodann wieder die Dorfstraße in Richtung Sahms – in Richtung des Wohnhauses des Nebenklägers - befahrend.

42

Im weiteren Verlauf der Nacht begaben sich spätestens am 26.12.2015 gegen 01.30 Uhr der Angeklagte AAA entweder mit dem Angeklagten BBB und einer weiteren bislang unbekannt gebliebenen Person oder mit zwei weiteren bislang unbekannt gebliebenen Personen mit einem ebenfalls unbekannt gebliebenen Fahrzeug zum vorgenannten Grundstück des Zeugen CCC. Sie hatten dunkle Kleidung und Handschuhe an und hatten bereits zu einer Acht vorbereitete Kabelbinder bei sich. Diese Kabelbinder entsprachen den Kabelbindern, die die beiden Angeklagten bei der Tat vom 25.02.2016 in Wrist (Fall 3 der Anklage) bei sich hatten. Die Täter zogen Sturmhauben über das Gesicht. Mindestens einer der Täter hatte eine Pistole bei sich, bei der es sich um eine ungeladene Schreckschusswaffe gehandelt haben kann und die einer klassischen Schusswaffe jedenfalls sehr ähnlich sah. Der Zeuge CCC hatte am späten Abend des ersten Weihnachtstages noch im Fernsehen eine Folge der Serie „Büttenwarder“ gesehen und war dann auf der Couch im Wohnzimmer bei laufendem Fernseher eingeschlafen, wobei die Lampen im Haus ausgeschaltet waren. Die Täter drückten ein rückwärtig gelegenes Fenster des Einfamilienhauses auf, in dem der Zeuge CCC nach kurz zuvor erfolgtem Versterben seiner Mutter allein lebte. Nachdem sie durch dieses Fenster in das Einfamilienhaus gelangt waren, durchwühlten sie zunächst die Sachen aus dem Schlafzimmer und stahlen 450 €. Einer der Täter hatte entweder einer Messer, das aussah wie ein Steakmesser an sich oder nahm aus dem Haushalt des Zeugen CCC ein Steakmesser an sich. Hiernach traten sie im Wohnzimmer maskiert zu dem auf der Couch schlafenden Zeugen CCC heran und weckten ihn. Hierbei hielt einer der Täter die genannte Pistole in der Hand. Der zweite Täter hielt das Messer in der Hand. Der dritte Täter hielt einen Gegenstand in der Hand, den der Zeuge nicht identifizieren konnte. Mittels der von den Tätern mitgeführten und bereits als Acht vorbereiteten Kabelbindern wurde der Zeuge CCC von einem der Mittäter an den Händen gefesselt. Dem Zeugen wurde gesagt, dass sie kein Problem damit hätten, ihn zu erschießen, wenn er nicht mitmache. Er wurde aufgefordert, nach unten zu gucken. Der Zeuge CCC war völlig verängstigt und fürchtete um sein Leben. Untereinander kommunizierten die Täter in einer dem Zeugen CCC fremden Sprache, mit ihm sprach nur einer von ihnen, dies in akzentfreiem Deutsch. Jener Täter fragte den Zeugen CCC nach Geld, welcher daraufhin 40 € aus seiner Geldbörse an die Täter herausgab, wobei einer der Täter ihm ein Messer vorhielt, ein anderer die Pistole sowie der dritte den vom Zeugen nicht näher identifizierten Gegenstand. Hiernach wurde er gefragt, wo der Schlüssel des Edeka-Marktes sei. Er musste weiterhin nach unten gucken und beschrieb den Tätern den Ort des Schlüssels in einer Hose im Wohnzimmer. Nach Erhalt wurde der Zeuge CCC aufgefordert, vorzugehen und das Haus mit den Tätern zu verlassen, wobei er ermahnt wurde, ihre Anweisungen zu befolgen. Die Bitte des Zeugen, sich Schuhe anziehen zu dürfen, verwehrten die Täter. Sodann veranlassten sie den um sein Leben fürchtenden Zeugen CCC, dem ein Stoffbeutel vor sein Gesicht gehalten wurde, auf Strümpfen das Haus zu verlassen und in ein bereit stehendes Fahrzeug zu steigen und dort hinter dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Er wurde nach unten gedrückt, während ihm die Pistole ihm die Seite gehalten wurde.

43

Ob es sich bei diesem Fahrzeug um den o.g. Mercedes Benz CDI 320 handelte, hat die Kammer nicht feststellen können.

44

Der Edeka-Markt in Schwarzenbek wurde kurz vor 2:00 Uhr vom Zeugen GGG, einem Angestellten eines Hamburger Wachdienstes, von außen kontrolliert. Dieser stellte keine Unregelmäßigkeiten fest und fuhr vom Markt weg. Da er seine Tätigkeit erst seit kurzer Zeit aufgenommen hatte, war er seitdem in jeder Nacht zur gleichen Zeit bei dem betreffenden Markt, um diesen zu kontrollieren.

45

Nach Verlassen des Hauses fuhren die drei Täter in jenem Fahrzeug mit dem Zeugen CCC zu dem etwa 3 Kilometer von seinem Wohnort Grabau entfernten Edeka-Einkaufsmarkt nach Schwarzenbek, wobei die Fahrt kurz unterbrochen wurde. Der Fahrer stieg aus und kommunizierte gegebenenfalls fernmündlich mit dem o.g. etwaigen vierten Beteiligten, der die Aufgabe hatte, zu beobachten, wann der Wachmann den Edeka-Markt kontrolliert, erhielt gegebenenfalls von diesem die Nachricht, dass der Wachmann seine Kontrolle abgeschlossen und sich vom Markt entfernt habe und kam nach einer Weile zurück und sagte: „Dann ist ja gut, klappt ja alles“. Die Täter trafen mit dem Zeugen CCC sodann gegen 02:11 Uhr am Markt ein. Dem Zeuge CCC gelang es nervositätsbedingt, erst nach mehreren Versuchen gegen 02:12 Uhr die Tür zum Markt im Bereich des Seiteneinganges zu öffnen. Ihm wurde hierbei gesagt, dass sie ihn erschießen würden, falls der Alarm losgehe. Im Markt öffnete der Zeuge CCC auf Veranlassung der Täter, die ihn weiterhin damit bedrohten, ihn zu erschießen, falls er ihren Aufforderungen, ihnen Zugang zu den Tresorinhalten zu verschaffen, nicht Folge leisten würde, was zu weiter anhaltender Angst des Zeugen CCC um sein Leben führte, im „Chefbüro“ den Tresor. Ob die Täter das Messer, welches einer von ihnen im Haus des Zeugen CCC bei sich führte, auch im Markt noch dabei hatten oder ob dieses bereits im Haus des Zeugen CCC bzw. im Fahrzeug verblieben war, konnte durch die Kammer mangels entsprechender Wahrnehmung durch den Zeugen CCC nicht festgestellt werden. Die Täter räumten zunächst diesen Tresor leer. Einer der Täter sagte dann zum Zeugen CCC, da müsse noch mehr sein, er habe einen Tipp bekommen. Der Zeuge CCC musste dementsprechend den Schlüssel für einen weiteren Tresor heraussuchen und wurde angehalten, sich auch dabei zu beeilen. Dieser Tresor befand sich im Kassenbüro, also dort, wo die Kasseneinsätze aufbewahrt wurden neben dem Lottotresen. Der Zeuge CCC öffnete die Tür zum Kassenbüro und dann den Tresor.

46

Nachfolgend veranlassten die Täter den Zeugen CCC dazu, sich hinter dem Tresen auf den Bauch zu legen und fesselten ihm sodann mit Kabelbindern nunmehr auch die Beine. Nach dem Leerräumen auch des weiteren Tresors verließen sie das Edeka-Gebäude und im Anschluss daran um etwa 02:23 Uhr auch das Gelände mit dem Auto und einer Beute von mindestens 60.000 €, um letztere für sich zu verwenden. Der Geldbetrag in diesen Tresoren war in dieser Nacht besonders hoch, da in ihnen noch das Geld vom Heiligabendgeschäft und die bevorstehende Barentlohnung einer Vielzahl von geringfügig Beschäftigen lagerte.

47

Nach Abfahrt der Täter gelang es dem Zeugen CCC, ein herumliegendes Handy zu entsperren und die Polizei zu alarmieren. Der Zeuge EEE, Betreiber des überfallenen Edeka-Marktes, wurde vom mit der wachdienstlichen Betreuung beauftragten Hamburger Wachdienst GmbH & Co. KG, bei der in der Zwischenzeit der Alarm einer unplanmäßigen Unscharfschaltung aufgelaufen war, wegen eben dieser unplanmäßigen Unscharfschaltung angerufen. Als er bei dem Markt eintraf, befand sich die vom Zeugen CCC informierte Polizei bereits dort.

48

Der Zeuge CCC vermochte infolge des von ihm bei der Tat Erlebten für etwa sieben Monate nicht wieder zu Hause zu schlafen, sondern nächtigte stattdessen zunächst bei Freunden und dann in einer Pension. Er begab sich wegen der Folgen des Überfalls in psychologische Behandlung. Während des gesamten Monats Januar 2016 war er wegen der psychischen Belastung arbeitsunfähig krankgeschrieben. Als besonders schlimm empfand er, dass man sich seiner in seinem Zuhause bemächtigt hatte, da sein Zuhause für ihn immer sein Rückzugsort gewesen sei. Ihm wurde wegen seiner infolge des Überfalls bedingten Arbeitsunfähigkeit im Januar eine Zulage nicht ausbezahlt, die er erhalten hätte, wenn er gearbeitet hätte.

49

Noch heute leidet der Zeuge CCC unter dem Vorfall. Es ist für diesen „nichts mehr wie vorher“, er igelt sich zuhause ein, hat überall Bewegungsmelder angebracht, die ihm einerseits das Gefühl von Sicherheit verschaffen, ihn andererseits aber auch beunruhigen, wenn sie, beispielweise durch die Bewegung von Pflanzen im Wind oder Tieren auf seinem Grundstück ausgelöst werden. Der Zeuge CCC versteckt sein KFZ auf dem Grundstück und sich selber im Haus, damit niemand sieht, dass er zuhause ist. Beruflich ist er nach eigenen Einschätzungen überwiegend wieder hergestellt, im Privatleben kann man ihn nach eigenen Angaben hingegen „total vergessen“. Die Weihnachtsfeiertage verbringt er seitdem wegen des Geschehens nicht mehr in seinem Haus sondern in einem Hotel. Seine Freizeitaktivitäten hat der Zeuge weitgehend eingestellt. Überdies denkt er weiterhin über einen Verkauf des Hauses nach, was ihm allerdings, da es sich um sein Elternhaus handelt, schwer fällt. Besonders belastet den Zeugen zudem bis zum heutigen Tage, dass nicht alle Täter gefasst worden sind und er daher damit leben muss, dass mindestens einer von denjenigen, die in sein Haus eingedrungen waren, noch nicht ermittelt werden konnte und gegebenenfalls auf freiem Fuß ist.

50

Die Feststellungen der Kammer zu den jeweiligen persönlichen Verhältnissen der Angeklagten sowie die weiteren Feststellungen zu dem Verhältnis der Angeklagten zu einander beruhen auf den durch Verlesung in die Hauptverhandlung eingeführten Feststellungen der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel im Urteil vom 17.01.2017 (1 KLs 20/16), deren Richtigkeit die Angeklagten bestätigt haben sowie ferner auf den ergänzenden Angaben des Angeklagten BBB.

51

Die Feststellungen zu den jeweiligen jugendgerichtlichen bzw. strafrechtlichen Vorerkenntnissen auf den erörterten Auskünften aus dem Bundeszentralregister vom 31.08.2018 hinsichtlich des Angeklagten AAA bzw. vom 28.08.2018 hinsichtlich des Angeklagten BBB und hinsichtlich des Angeklagten AAA des Weiteren auf den im Selbstleseverfahren eingeführten Urteilen des Amtsgerichts Bad Segeberg vom 27.07.2006 und des Landgerichts Lübeck vom 10.03.2011.

52

Beide Angeklagte haben sich im hiesigen Verfahren nicht zur Sache eingelassen.

53

Im Verfahren vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel haben sich die Angeklagten hingegen eingelassen. Diese Angaben sind durch das im Rahmen der Hauptverhandlung durchgeführte Selbstleseverfahren eingeführt worden.

54

Hinsichtlich der vorgeworfenen Taten vom 19.12.2015 (Fall 1 der Anklage: Edeka-Markt in Stelle) und vom 26.12.2015 (Fall 2 der Anklage: Nebenkläger und Edeka-Markt in Schwarzenbek) haben die Beteiligten eine Tatbeteiligung bestritten. Bezüglich der Tat vom 25.02.2016 (Fall 3 der Anklage: Edeka-Markt in Wrist) haben sie ein Geständnis abgelegt. Hinsichtlich der vorgeworfenen Tat im Zusammenhang mit der Fahrt nach der vorstehenden Tat (Fall 4 der Anklage) hat der Angeklagte AAA die Tat mangels Fahrereigenschaft bestritten.

55

Im Übrigen haben sich die Angeklagten vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel wie nachfolgend wiedergegeben eingelassen:

56

Der Angeklagte BBB hat von seinem Verteidiger schon vor Beginn der Hauptverhandlung zu den Akten gereichte schriftliche Ausführungen in der Hauptverhandlung verlesen lassen. Danach sei irgendwann im Jahr 2015, den genauen Zeitpunkt wisse er nicht mehr, es müsse zu Beginn des Frühjahrs gewesen sein, der Angeklagte AAA zu ihm nach Hause gekommen und habe 2 Packungen schwarze Kabelbinder mitgebracht, die er ihm zum Tausch angeboten habe. Seine seien ihm zu dünn und zu kurz, er habe längere und stärkere haben wollen und wohl gewusst, dass er, der Angeklagte BBB als Elektrotechniker einen kleinen Vorrat an Kabelbindern habe. Im Tausch gegen die beiden Packungen mit schwarzen Kabelbindern habe er ihm etwa die Hälfte seiner stärksten Kabelbinder abgegeben. Seine Packung sei noch fast voll gewesen, die habe er aus einem Bauhaus-Baumarkt in Lübeck gehabt. Kabelbinder dieses Formats benötige man als Elektrotechniker eher selten, er habe damit aber den Beifahrersitz seines VW Golf, den er damals gefahren sei, befestigen wollen. Sein Golf sei ein Zweitürer und die Arretierung des Beifahrersitzes habe nicht mehr richtig funktioniert, da der Sitz auch während der Fahrt nach vorne geklappt sei. Das habe er mit den langen Kabelbindern provisorisch repariert. Möglicherweise habe er einige der Kabelbinder bei Arbeiten für Freunde und Bekannte verwendet, die ihn bei Elektroinstallationen um Hilfe gebeten hätten, da sei er sich aber nicht sicher. Jedenfalls habe er eine noch fast volle Packung der Kabelbinder übrig gehabt, als der Angeklagte AAA ihn gefragt habe. Den Golf habe er im Jahre 2015 an einen Herrn aus Kiel verkauft, weil sein Vater sich einen anderen Wagen zugelegt habe und er dessen gebrauchten Opel Vectra erhalten habe. Den Kaufvertrag für den Audi A8 habe er zwar unterschrieben, richtig gekauft habe er den Wagen aber nicht. Es sei so gewesen, dass der AMG-Mercedes des Angeklagten AAA irgendwann weg gewesen sei und die einen anderen Wagen hätten kaufen wollen. Sie seien ganz aufgeregt gewesen, weil sie in Bremen einen Audi A8 in Vollausstattung für relativ wenig Geld gesehen hätten. Zusammen seien dann er, der Angeklagte AAA und dessen Bruder X AAA nach Bremen gefahren und irgendwann sei man nachmittags beim Verkäufer gewesen. Sie hätten sich an einer Tankstelle getroffen. Dann hätten sie eine recht lange Probefahrt mit dem Wagen gemacht, auch auf der Autobahn, wobei der Verkäufer mit den genannten drei Personen im Auto gewesen sei. X AAA und der Angeklagte AAA hätten dann den Wagen kaufen wollen und während die beiden noch mit dem Verkäufer über den Wagen und den Preis gesprochen hätten, habe er, der Angeklagte BBB, einen schriftlichen Kaufvertrag ausdrucken sollen. Dazu sei er in eine nahe bei der Tankstelle gelegene Spielhalle gegangen und habe das Vertragsformular bei „mobile.de“ heruntergeladen und ausgedruckt. Er habe dafür 1 € bezahlt. Für den schriftlichen Kaufvertrag hätten sie die Nummer eines Personalausweises benötigt. Er habe als einziger von den dreien einen Ausweis mit gehabt, also habe er sich bereit erklärt, als Käufer aufzutreten, auch um die anderen nicht zu enttäuschen. Sie hätten dann noch mit dem Audi A8 zu dem Verkäufer nach Hause fahren müssen, weil auch der seinen Ausweis nicht dabei gehabt habe. Der Mercedes sei derweil an der Tankstelle stehen geblieben. Bei dem Verkäufer zu Hause seien seine Mutter und noch eine junge Frau gewesen. Dort seien die Verträge unterschrieben worden. Bezahlt habe den Wagen der Angeklagte AAA. Der Verkäufer habe ihm, dem Angeklagten BBB, Papiere und Schlüssel ausgehändigt und noch seine Sachen aus dem Audi geholt. Danach seien die beiden Angeklagten und X AAA noch einen Döner essen gewesen und zurück zur Tankstelle gefahren zum Mercedes. In getrennten Fahrzeugen seien sie nach Hause gefahren, der Angeklagte AAA im Audi und er, der Angeklagte BBB, mit X AAA im Mercedes, wobei er sich noch deswegen besonders gut daran erinnern könne, da ihm die Fahrt in jenem große Freude bereitet habe. Zu dem Audi habe es 3 Schlüssel gegeben, je einen Funkschlüssel hätten er und der Angeklagte AAA gehabt, einen Drittschlüssel ohne Funkvorrichtung habe er, der Angeklagte BBB, zu Hause aufbewahrt, ebenso den Kaufvertrag und Fahrzeugbrief. Der Angeklagte AAA habe ihn, den Angeklagten BBB, nie nach Kaufvertrag oder Fahrzeugbrief gefragt und habe wohl den Wagen noch nicht auf sich anmelden wollen.

57

Anfang des Jahres 2016, den genauen Tag wisse er nicht mehr, habe der Angeklagte AAA ihm gegenüber Andeutungen gemacht, dass er knapp bei Kasse sei, er müsse mal wieder „einkaufen“ gehen. Der Angeklagte AAA habe ihm gesagt, dass sie sich schon so lange kennen würden, er, der Angeklagte BBB, auch einiges über ihn wisse, und er, der Angeklagte AAA, mal von ihm, dem Angeklagten BBB, wissen wolle, ob er eine Person sei, die schweigen könne. Er, der Angeklagte BBB habe sich schon gedacht, dass der Angeklagte AAA für seine Geschäfte habe gewinnen wollen und sich darauf eingelassen. Ziemlich direkt habe der Angeklagte AAA ihm dann mitgeteilt, dass seine Kollegen „satt und ängstlich“ geworden seien und ihn im Stich gelassen hätten, er suche jetzt jemanden, mit dem er Geld machen könne, alleine würde er das nicht so gut schaffen. Er kenne sich sehr gut aus, aber es müsse noch jemand mit dabei sein, damit es sicher klappe, es wäre ohne große Mühen eine Menge Geld für ihn, den Angeklagten BBB, drin. Ihm, dem Angeklagten BBB sei klar gewesen, worum es gegangen sei, er habe nach anfänglichem Zögern aber dabei sein wollen. Der Angeklagte AAA habe ihm dann mitgeteilt, dass sie einen Supermarkt „kassieren gehen“ würden. Er habe zwar schon anderes gemacht, aber in Edeka Märkten seien die Tresore für die Tageseinnahmen nicht mit Zeitschlössern versehen. Günstiger Zeitpunkt eines Überfalls sei entweder vor Ladenöffnung, dann seien nur wenige Mitarbeiter und keine Kunden zugegen oder aber nach Ladenschluss, dann könnte man die Tageseinnahmen abgreifen und es sei immer ein Mitarbeiter mit Schlüssel zum Tresor da. Zu zweit könnten sie das einfach erledigen, einer könnte die Leute in Schach halten, der andere dann Fesseln anlegen und den Tresor leeren. Es kommt nur darauf an, mit einer echt aussehenden Waffe selbstbewusst aufzutreten und er, der Angeklagte AAA, habe eine Schreckschusswaffe. Er, der Angeklagte BBB, müsse sich um nichts kümmern, er, der Angeklagte AAA, habe bereits alles Notwendige besorgt, schließlich sei er Profi, er, der Angeklagte BBB, können noch viel von ihm lernen. So würde auch nie etwas am Telefon besprochen werden, weil alle Gespräche aufgezeichnet werden würden. Der Angeklagte AAA habe ihm dann gesagt, dass er sich vor einem Überfall Zugangs- und Fluchtwege immer erst genau über Google Maps ansehe, und nur bei günstig gelegenen Objekten sei er noch einmal vor Ort gewesen, um sich zu vergewissern. Google Maps hätten die beiden Angeklagten sodann bei ihm, dem Angeklagten BBB zu Hause ausprobiert. Er, der Angeklagte BBB, habe den Eindruck gehabt, der Angeklagte AAA habe das schon ein paar Mal gemacht, denn dieser habe genau gewusst, wie man einen Supermarkt überfalle. Im Nachhinein denke er, dass sich der Angeklagte AAA auch selbst als großen Kriminellen habe darstellen wollen. Die Auswahl des Tatortes in Wrist habe der Angeklagte AAA getroffen, wie dieser auf jenen Markt gekommen sei, wisse er, der Angeklagte BBB, nicht. Vielleicht eine Woche vorher seien sie gemeinsam in dem Audi zu dem Supermarkt gefahren und hätten sich die Örtlichkeiten angesehen. Während der Fahrt hätten sie den Audi mit geklauten Kennzeichen aus Itzehoe versehen, weil sie der Meinung seien, ein Auto mit Kennzeichen Eschwege würde zu sehr auffallen. Auch habe der Audi so nicht erkannt werden können. Während der Fahrt hätten sie sich über den Überfall unterhalten. Der Angeklagte AAA habe Masken gehabt und ihm, dem Angeklagten BBB, zu lockerer, dunkler Kleidung geraten, auf keinen Fall auffällige Markenklamotten oder -schuhe. Die Personen im Supermarkt hätten sie fesseln wollen, wobei der Angeklagte AAA geschätzt habe, dass er immer seine, des Angeklagten BBB, Kabelbinder verwendet habe und das wohl lustig gemeint habe. Er selber, der Angeklagte BBB, habe gar nicht komisch gefunden, dass die Kabelbinder bei Straftaten benutzt worden seien. Als sie dann wieder zu Hause gewesen seien, habe er, der Angeklagte BBB, die beiden Packungen des Angeklagten AAA, auf dem Dachboden hinter der Glaswolle der Dachisolierung versteckt.

58

In Wrist hätten sie von dem Holzverschlag aus, hinter dem er später bei der Tatbegehung ein Observationsbeamter gelegen habe, in der Zeit vor dem geplanten Überfall den Supermarkt beobachtet. Sie hätten festgestellt, dass der Marktleiter am frühen Abend den Supermarkt verlasse und wohl nach Hause fahre. Dann würden Mitarbeiter den Laden verlassen, und etwa eine halbe Stunde später sei auch noch eine Frau herausgekommen, die dort wohl geputzt habe. Sie hätten sich gewundert, dass diese Frau die Alarmanlage nicht scharf geschaltet habe und auch nicht abschließe. Der Angeklagte AAA habe dann gesagt, da müsse noch jemand im Markt sein, weil noch Licht drinnen an gewesen sei. Sie hätten dann weiter gewartet. Irgendwann vielleicht gegen 22:00 Uhr sei der Marktleiter auf dem Fahrrad angefahren und habe die Mülltonnen draußen kontrolliert. Er sei in den Laden gegangen und nach ein paar Minuten wieder herausgekommen. Diese Gelegenheit hätten sie ausnutzen wollen. Bei C&A in Lübeck hätten sie sich Klamotten für den Überfall besorgt und Schuhe bei einer Filialkette, seiner Erinnerung nach bei Deichmann. Wegen der Beobachtungen des Marktleiters sei der eigentliche Überfall für einen Donnerstagabend geplant gewesen. Am Tag der Tatumsetzung habe der Angeklagte AAA ihn, den Angeklagten BBB, von Zuhause abgeholt und eine Tasche mit Masken, einer Schreckschusswaffe, eine Sprühflasche Tränengas, Einweghandschuhe und Fesseln aus den Kabelbindern mitgebracht. Sie seien losgefahren und hätten die Kennzeichen ausgetauscht, auf dem Hinweg habe er, der Angeklagte BBB, den Audi gesteuert. In Wrist seien sie ausgestiegen und in Richtung des Holzvorschlages gegangen. Die Handschuhe hätten sie bereits angezogen gehabt. Der Angeklagte AAA habe die Tasche getragen. Plötzlich habe der Angeklagte AAA auf Albanisch gesagt, dass da jemand sei. Sie sei dann zügig zurück zum Audi gegangen und hätten losfahren wollen, der Angeklagte AAA als Fahrer, er, der Angeklagte BBB als Beifahrer. Als sie gerade die Tür zugeschlagen hätten, seien zwei Personen aus der Einfahrt eines Hauses herausgelaufen gekommen und hätten gerufen „Stehen bleiben!“. Der Angeklagte AAA sei schnell angefahren, an jenen Personen vorbei, sie habe dann einen Schuss gegeben. Während der rasanten Flucht habe er, der Angeklagte BBB, die Handschuhe des Angeklagten AAA und seinen eigenen Pullover in die Tasche gestopft, die sie unterwegs los werden wollten. Irgendwann hätten sie gedacht, die Verfolger abgehängt zu haben und deswegen angehalten. Er, der Angeklagte BBB, sei ausgestiegen und habe die Tasche im Gebüsch versteckt. Kurze Zeit später sei die Polizei vor Ort gewesen, sie sei zu Fuß geflohen, aber dann gefasst worden.

59

Auf Befragen der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel im Anschluss an die Verlesung hat der Angeklagte BBB die vorstehenden Ausführungen als „größtenteils richtig“ bezeichnet und sich wie folgt in Bezug auf jene Ausführungen ergänzend am 26.09.2016 in der Hauptverhandlung weiter eingelassen:

60

Soweit es in der von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung heiße, dass „AAA Andeutungen gemacht hat“, beziehe sich dies nur auf die Tat in Wrist. Als sie geflohen seien, habe er die Tasche ins Gebüsch geschmissen, sie seien dann noch ein bisschen weiter gefahren, weil sie nicht in der Nähe der Tasche hätten sein wollen. Das mit den Kabelbindern sei etwa Anfang 2015 gewesen. Der Angeklagte AAA habe größere haben wollen, da er habe selber lediglich kleinere, schwarze gehabt habe. Er, der Angeklagte BBB, habe ihm seine gezeigt und ihm sodann 30 oder 40 Stück aus einer mit insgesamt 80 oder 100 Stück geführten Packung gegeben. Er meine, dass er sie ihm in eine Tüte gepackt habe, wisse das aber nicht mehr so genau. Der Angeklagte AAA habe ihm dafür zwei geschlossene Packungen von seinen schwarzen Kabelbindern gegeben. Seine weißen Kabelbinder habe er, der Angeklagte BBB, in Lübeck gekauft, dies für seinen Golf zur Befestigung seines Beifahrersitzes. Er hätte gerne weniger gekauft, es habe die Kabelbinder aber nur in einer größeren Packung gegeben. Er habe die Kabelbinder auch für seine Arbeit als Elektrotechniker verwenden wollen. Soweit es den Ankauf des Audi betreffe, habe der Angeklagte AAA ihn gefragt, ob er mit nach Bremen kommen, dort gebe es einen günstigen Audi. Er, der Angeklagte BBB, habe auch etwas technisches Wissen über Autos. Der Audi hätte für den Angeklagten AAA bzw. für dessen Familie sein sollen. Sie hätten sich in Bremen den Audi angesehen und eine Probefahrt gemacht, bei der er sowie X AAA und der kleine Bruder des Verkäufers hinten gesessen hätten sowie der Verkäufer als Fahrer und der Angeklagte AAA als Beifahrer vorne. Der Verkäufer sei Pole gewesen. Der Kaufpreis habe etwa 2.000 € betragen sollen, er, der Angeklagte BBB, habe unterschreiben sollen, weil allein er einen Personalausweis gehabt habe. Er, der Angeklagte BBB, habe auch den Kaufvertrag besorgt, den der Verkäufer nicht vorbereitet gehabt habe. Als er, der Angeklagte BBB, den Kaufvertrag halb ausgefüllt habe, habe der Angeklagte AAA gesagt, „komm, lass“, es sei dann unterschrieben worden. Er meine, dass der Angeklagte AAA bezahlt habe. Sie seien dann noch Döner essen gewesen. Auf der Rückfahrt sei der Angeklagte AAA mit dem Audi vorweg gefahren, er habe den Mercedes fahren dürfen, weil der X AAA dazu keine Lust gehabt habe. Von den drei Schlüsseln habe er einen sowie einen Ersatzschlüssel bekommen. Der Angeklagte AAA habe gesagt, dass kein Zeitdruck beim ummelden bestehe, vielleicht könnten sie den Audi weiter verkaufen. Im Januar habe er den Audi dann bei „mobile.de“ für knapp 3.000 € angeboten. Er selber sei während der gesamten Zeit nicht mit dem Audi gefahren und wisse nicht, warum er den Schlüssel behalten habe. Es habe ihn dann der Angeklagte AAA angesprochen und gesagt, das sei jetzt eine heikle Sache, er, der Angeklagte BBB, dürfe mit niemandem darüber reden, er, der Angeklagte AAA, hätte gerade keinen, mit dem er das machen könne. Nachdem ihm der Angeklagte AAA das Überfallvorhaben geschildert habe, sei er zunächst etwas skeptisch gewesen, da er so etwas noch nie gemacht habe. Er sei auch zunächst verstummt. Dies habe der Angeklagte AAA bemerkt und gefragt, ob er, der Angeklagte BBB, es machen wolle. Sie hätten dann bei Google bei dem Angeklagten BBB Zuhause geschaut, wobei der Angeklagte AAA Edeka eingegeben habe, was man dann habe „ranzoomen“ können. Der Markt habe etwas größer aber auch etwas abgelegen sein sollen. Ein Fluchtweg habe in der Nähe sein sollen. Da sie die Tat ursprünglich hätten morgens begehen wollen, habe der Angeklagte AAA bei ihm geschlafen. Sie seien dann zum Edeka Markt nach Wrist gefahren, hätten dann aber festgestellt, dass zu viele Leute da gewesen seien, so dass der Angeklagte AAA gesagt habe, das gehe nicht, insbesondere da er, der Angeklagte BBB, Anfänger sei. Sie seien dann einige Tage später abends wieder zu dem Edeka Markt nach Wrist gefahren und hätten genau eine Woche, bevor sie die Tat tatsächlich begehen wollten, den Filialleiter beobachtet. Bei diesen Fahrten seien sie einmal mit dem Mercedes, sonst mit dem Audi gefahren. Sie hätten dann unauffällige Klamotten in Lübeck gekauft, ebenso schwarze Masken und Sturmhauben. Der Angeklagte AAA habe ihm dann gegenüber angedeutet, dass seine langen Kabelbinder für solche Sachen ziemlich gut seien. Sie hätten zu Hause bei dem Angeklagten BBB von dem Rest der Kabelbinder, den er noch gehabt habe, sogenannte Achten zusammengefügt. Der Angeklagte AAA habe ihn dann von zu Hause abgeholt. In der Nähe des Zuhauses des Angeklagten BBB habe er den Mercedes abgestellt. Sie seien dann zusammen mit dem Audi noch einmal tanken gefahren und hätten in Föhrden-Barl die zuvor von ihnen in Itzehoe gestohlenen Kennzeichen an dem Audi angebracht. Er, der Angeklagte BBB, sei die ganze Zeit auf der Hinfahrt gefahren. Die Handschuhe hätten sie angehabt. Im Bereich des Holzvorschlages hätten sie, wie er glaube, auch schon die Maske rausgeholt. Sie hätten auf Albanisch miteinander gesprochen. Der Angeklagte AAA habe dann zu ihm gesagt, dass da jemand sei. Er, der Angeklagte BBB, habe zunächst gedacht, dass der Angeklagte AAA ihn testen wolle. Sie hätten sich dann aber schnell zum Auto begeben, wobei der Angeklagte AAA gefahren sei. Es habe einen Schuss und einen Lichtblitz gegeben. Während der sehr schnellen Fahrt habe er, der Angeklagte BBB, alles in die Tasche gepackt. Der Angeklagte AAA sagte, dass seien Polizisten gewesen. Diese hätten aber nicht aufschließen können, sie seien nicht schnell genug gewesen. So schnell sei er noch nie gefahren. Auf den Tacho habe er nicht gesehen. Der Angeklagte AAA habe ihm dann gesagt, er solle gleich die Tasche nehmen und weglaufen. Er habe aber Angst gehabt, dort alleine zurück zu bleiben, weswegen er die Tasche dann in ein Gebüsch geworfen habe und wieder in den Audi eingestiegen sei, worauf hin sie mit diesem noch etwas weiter gefahren seien. Die Tasche hätten sie deswegen weggeschmissen, damit man nichts bei ihnen finde. Der Audi sei zuvor bei der Pizzeria des Vaters des Angeklagten AAA in Bad Segeberg abgestellt gewesen. Die Fahrzeugpapiere habe er von dem Angeklagten AAA erhalten, weil der Wagen erst mal nicht habe umgemeldet werden sollen. Bezüglich der Kabelbinder habe der Angeklagte AAA nicht gesagt, wofür er diese haben wolle. Wenn er nach seiner Tatmotivation gefragt werde, sei es deswegen gewesen, weil das Geld gelockt habe. Er habe gezittert, als er den Edeka Markt gesehen habe. Der Angeklagte AAA habe ihm gesagt, dass er sich hinter ihm halten solle, er müsse nur die Waffe sicher halten, der Angeklagte AAA hätte das Geld an sich nehmen wollen. Der Angeklagte AAA habe auch gesagt, dass sich das Opfer nicht wehren werde. Für den unerwarteten Fall, dass es dies doch tun würde, hätten sie das Pfefferspray dabei gehabt. Sie hofften auf eine Beute von 20.000 €, auch 5.000 € wären aber schon viel Geld gewesen. Während der Fluchtfahrt habe er, der Angeklagte BBB, versucht, über das Handy einen Fluchtweg zu finden, die Internetverbindung sei aber viel zu langsam gewesen. Der Angeklagte AAA habe ihm später gesagt, so etwas habe er auch noch nie erlebt. Dieser habe ferner gesagt, dass sie jetzt erst einmal nichts mehr machen würden, sie würden bestimmt beobachtet werden. Er, der Angeklagte BBB, sei zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass mit dem gekauften Audi einmal hätten Straftaten begangen werden sollen.

61

Auf erneutes Nachfragen in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel hin hat der Angeklagte BBB angegeben, dass er vor der Tat in Wrist den Audi ein oder zweimal gefahren sei. Nachdem sie in Wrist angekommen seien, habe er den Fahrzeugschlüssel im Audi stecken lassen. Wegen der Flucht hätte der Wagen abfahrbereit da stehen sollen. Er selber sei 187 cm groß, als er gefahren sei, habe er den Sitz des Audi nach hinten stellen müssen. Der Angeklagte AAA habe ihn dann wieder in die für seine geringere Körpergröße passende Stellung während der Fahrt aus Wrist zurück gestellt.

62

Der Verteidiger des Angeklagten AAA hat in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 29.09.2016 für den Angeklagten AAA eine schriftliche Erklärung mit im Wesentlichen dem folgenden Inhalt verlesen:

63

Der Vorwurf zu Nummer 3 der Anklage treffe zu, der Vorwurf zu Nummer 4 der Anklage treffe, soweit er gegen ihn erhoben werde, nicht zu.

64

Es sei richtig, dass der Angeklagte BBB und er sich seit über 10 Jahren kennen würden. Er habe ihn seinerzeit über seine, des Angeklagten AAA, Brüder, mit denen er vor ihm befreundet gewesen sei, kennengelernt. Darüber hätten sich beide dann sehr schnell miteinander angefreundet. Der Angeklagte BBB sei es als bestem Freund seiner beiden Brüder und als seinem, des Angeklagten AAA, Freund selbstverständlich bestens bekannt, dass und aufgrund der Begehung welcher Straftaten er, der Angeklagte AAA, in der Vergangenheit im Gefängnis gewesen sei.

65

Es sei zutreffend – wie vom Angeklagten BBB behauptet –, dass sie sich etwa zu Beginn des Jahres 2016, das genaue Datum könne auch er nicht mehr erinnern, erstmals über die gemeinsame Begehung einer Straftat unterhalten hätten. Allerdings sei die Initiative zu diesem Gespräch nicht von ihm, dem Angeklagten, sondern vom Angeklagten BBB ausgegangen. Dieser habe ihn, den Angeklagten AAA, darauf angesprochen, ob der Angeklagte AAA Interesse habe, mit ihm ein Ding zu drehen. Es sei dabei eine Menge Geld für beide zu holen und die Sache sei sehr einfach und sicher. Der Angeklagte BBB habe ihm erläutert, dass es um einen Überfall auf einen Edeka-Markt gehen solle. Dabei solle entweder vor oder nach Geschäftsschluss der erste bzw. letzte Mitarbeiter im Markt überwältigt werden und zum Öffnen des Tresors gezwungen werden. In den meisten Edeka-Märkten verbliebe nach Kenntnis des Angeklagten BBB über Nacht immer eine recht große Bargeldsumme im Tresor. Der Mitarbeiter des Marktes, der den Laden morgens als Erster aufschließe und abends als Letzter verlassen würde, sei stets im Besitz des Tresorschlüssels, sodass sie sich durch diesen Zugang zum Inhalt des Tresors verschaffen könnten.

66

Welcher Edeka-Markt hätte Zielobjekt sein sollen, habe offensichtlich noch nicht festgestanden. Der Angeklagte BBB habe ihm jedenfalls in diesem „Erstgespräch“ gegenüber angegeben, dies mittels Recherchen noch in Erfahrung bringen zu wollen und ihm, dem Angeklagten AAA, nachfolgend mitzuteilen.

67

Der Angeklagte BBB habe ihm überdies berichtet, dass er bereits im Besitz einer Schreckschusswaffe und von Kabelbindern sei, die sie zur Bedrohung des Angestellten und zu dessen Fesselung bei der Ausführung der Tat verwenden könnten. Der vom Angeklagten BBB behauptete Tausch von Kabelbindern zwischen ihnen beiden habe dagegen nie stattgefunden.

68

Nach einigem Zögern habe er dem Angeklagten BBB seine grundsätzliche Bereitschaft zu seiner Beteiligung an der vom Angeklagten BBB beabsichtigten Tat zugesagt, dies soweit ihm in der weiteren Planung der Tat der vom Angeklagten BBB in Aussicht gestellte Erfolg der Tat ohne große Entdeckungsrisiko plausibel erschienen sei.

69

Einige Zeit habe der Angeklagte BBB ihn erneut angesprochen und ihm berichtet, dass er den Edeka-Markt in Wrist für ein taugliches Tatobjekt halte. Er habe entsprechende Recherchen durchgeführt. Dieser Markt sei unter anderem als Fluchtweg verkehrsgünstig gelegen. Allerdings müssten sie sich vor Ort gemeinsam noch ein genaueres Bild über den Tatort und vor allem den geeigneten Tatzeitpunkt machen. In der Folgezeit hätten sie sich dazu dann drei- oder viermal gemeinsam zu dem Edeka-Markt in Wrist begeben, um Beobachtungen dahingehend anzustellen, ob es sich bei diesem Edeka-Markt tatsächlich um ein geeignetes Tatobjekt handele und für diesen Fall, wie und wann die geplante Tat am besten umzusetzen sei. Im Rahmen einer dieser Besuche beim Edeka-Markt in Wrist hätten sie dann in den Abendstunden genau eine Woche vor der Tat die vom Angeklagten BBB bereits zutreffend ausgeführten gemachten Beobachtungen, gemacht, die sie schließlich dazu bewogen hätten, sich zur Tatausführung auf diesen Edeka-Markt festzulegen und als Tatzeit den Abend des gleichen Werktags in der Folgewoche auszuwählen. Zutreffend sei vom Angeklagten BBB geschildert worden, dass sie sich danach gemeinsam in Lübeck Bekleidung für den Überfall gekauft hätten.

70

Am Tatmorgen sei er mit dem Mercedes seines Vaters noch einmal alleine zum Edeka-Markt nach Wrist gefahren, um sich noch einmal ein Bild vom geplanten Tatort zu machen und so jedes weitere bislang vielleicht noch nicht entdeckte oder zwischenzeitlich neu eingetretene Risiko auszuschließen. Neue Erkenntnisse habe er bei diesem Besuch allerdings nicht in Erfahrung bringen können.

71

Am Tatabend habe er den Angeklagten BBB mit dem Mercedes seines Vaters bei sich zu Hause abgeholt. Der Angeklagte BBB sei dann mit einer Tasche, in der sich unter anderem die von ihm bereitgestellten Sturmhauben, Tränengas, eine Schreckschusswaffe und Kabelbinder befunden hätten, zu ihm ins Auto gestiegen und sie seien zu dem in der Nähe der Pizzeria der Eltern des Angeklagten AAA dort von dem Angeklagten BBB abgestellten Audi, der auch seiner sei, gefahren. Mit dem Audi sei der Angeklagte BBB als Fahrer und er, der Angeklagte AAA, als Beifahrer in Richtung Wrist gefahren. Unterwegs hätten sie kurz angehalten und die Kfz-Kennzeichen getauscht. Auch nach dem Kennzeichentausch habe der Angeklagte BBB den Audi bis in Tatortnähe gelenkt, wo sie das Fahrzeug schließlich abgestellt hätten. Selbstverständlich habe der Angeklagte BBB dort den Fahrzeugschlüssel abgezogen und das Fahrzeug verriegelt. Einem Steckenlassen des Schlüssels und ein unverschlossenes Zurücklassen des Fahrzeugs hätte er, der Angeklagte AAA, mit Sicherheit energisch widersprochen bzw. nicht zugelassen. Den Kfz-Schlüssel habe der Angeklagte BBB bei sich behalten. Er selber habe keinen Schlüssel für den Audi gehabt.

72

Sie hätten sich zu dem Holzverschlag begeben, von dem aus sie genau eine Woche zuvor die Beobachtungen gemacht hätten. Die Handschuhe hätten sie bereits angezogen gehabt. Er, der Angeklagte AAA, habe dann relativ schnell eine Person in der Nähe des Holzverschlages entdeckt, dies sofort dem Angeklagten BBB auf Albanisch mitgeteilt und sie seien sodann eilig in Richtung des Audi geflüchtet. Der Angeklagte BBB, der wie gesagt im Besitz des Fahrzeugschlüssels gewesen sei, habe sich eilig ans Steuer gesetzt, er, der Angeklagte AAA, habe ebenso eilig auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Es habe sodann eine mehr als rasante Fluchtfahrt begonnen, in der sie schließlich geglaubt hätten, ihre Verfolger abgehängt zu haben. Der Angeklagte BBB habe dann angehalten, damit sie sich der Tasche mit den Tatwerkzeugen, der Maskierung und den Handschuhen hätten entledigen können. Der Angeklagte BBB sei dazu ausgestiegen, ein Stück weit ins Gebüsch gegangen und habe dort die Tasche versteckt. In dieser Zeit habe er, der Angeklagte AAA, sich ans Steuer des Audis gesetzt und fortan als Fahrer die Weiterfahrt übernommen. Der Angeklagte BBB habe nunmehr auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Als Fahrer habe er sich über den gesamten Zeitraum, in dem er das Fahrzeug gelenkt habe, an die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung gehalten. Schließlich seien sie angehalten, um zu Fuß zu flüchten, kurze Zeit später aber festgenommen worden.

73

Der Audi habe dem Angeklagten BBB gehört. Er habe das Fahrzeug im Beisein von ihm, dem Angeklagten AAA, und seinem Bruder X AAA für sich selbst gekauft und aus eigenen Mitteln bezahlt. Er und sein Bruder hätten den Angeklagten BBB als seine Freunde auf seine Bitte hin lediglich zum Ankauf des Fahrzeugs zum Verkäufer begleitet. Für den Fall des Kaufes des Fahrzeugs sei ein zweiter Fahrer benötigt worden, einer für die Rückführung des Fahrzeuges, mit dem sie zur Fahrzeugbesichtigung angereist seien und ein zweiter zur Überführung des gekauften Fahrzeugs. Zudem habe sich der Angeklagte BBB größeres Verhandlungsgeschick durch ihn, den Angeklagten AAA, und seinen Bruder versprochen. Sie hätten ihn daher auch tatkräftig bei den Verkaufsgesprächen unterstützen sollen, was sie auch getan hätten.

74

Wenn er, wie vom Angeklagten BBB behauptet, der eigentliche Käufer des Audi gewesen sein solle, wieso hätte er dann dem Angeklagten BBB die Fahrzeugpapiere und -schlüssel überlassen sollen? Er sei durchaus selbst bestens dazu in der Lage, ein Fahrzeug über das Internet zu veräußern oder zu erwerben. Der Angeklagte BBB jedenfalls verfüge nach seiner sicheren Wahrnehmung über die vielen Jahre der Freundschaft weder über nennenswerte Kenntnisse über Auto selbst, die ihn zum brauchbaren Experten im Rahmen des Ankaufs eines Auto noch über solche, die ihn zu einem besseren Verkäufer als ihn, den Angeklagten AAA, qualifizierten.

75

Etwa im Frühjahr/Sommer 2015 habe sein Schwager HHH seinen Mercedes verkaufen wollen. Unter anderem habe sich der Angeklagte BBB für einen Ankauf dieses Pkw von seinem Schwager interessiert. Letztlich seien die Verkaufsverhandlungen zwischen beiden nach seiner, des Angeklagten AAA, Kenntnis daran gescheitert, dass der Angeklagte BBB nicht bereit gewesen sei, den von seinem Schwager „aufgerufenen“ Mindestkaufpreis zu zahlen.

76

Der Angeklagte BBB habe den Audi deshalb auf einem in der Nähe der Pizzeria seiner Eltern gelegenen Parkplatz abgestellt, weil der Angeklagte BBB entgegen seiner an den Verkäufer gemachten Zusage das Fahrzeug nicht fristgerecht ab- bzw. umgemeldet habe. Da der Abstellort in der Nähe der Pizzeria sehr versteckt gelegen sei, habe er sich auch erhofft, dass das Fahrzeug dort weniger leicht entdeckt werden würde. Die Örtlichkeiten kenne er ja bestens durch seine häufigen Besuche der Pizzeria. Zudem wohne er selbst nicht allzu weit entfernt von dem Abstellort. Der Audi sei nach Ankauf durch den Angeklagten BBB seines, des Angeklagten AAA, Wissens zufolge im Übrigen nahezu ausschließlich vom Angeklagten BBB selbst gefahren worden.

77

Wenn er, der Angeklagte AAA, ein Fahrzeug benötigt habe, habe er den Mercedes seines Vaters genutzt. Der Mercedes seines Vaters sei im Übrigen in der Vergangenheit neben ihm auch von seinen Brüdern, seiner Schwester und seinem Vater selbst genutzt worden.

78

An den zu den Nummern 1 und 2 der Anklage auch ihm vorgeworfenen Taten vom 19.12.2015 und 26.12.2015 sei er nicht beteiligt gewesen.

79

Der in der Pizzeria seiner Eltern beschlagnahmte und ausgewertete Laptop, von dem aus unter anderem Googleanfragen zu Edeka-Märkten getätigt worden sein sollen, gehöre ihm. Es sei ihm - das müsste im Jahr 2013 gewesen sein - von seiner Schwester und ihrem Mann, Herrn HHH, geschenkt worden. Zunächst habe er diesen Laptop ausschließlich allein an seiner seinerzeitigen Wohnanschrift genutzt. Er meine, dass dann ca. im Dezember 2014 seine Eltern dann eine Pizzeria eröffnet hätten. Es müsse nach seiner Erinnerung etwa ein bis zwei Monate nach der Eröffnung der Pizzeria gewesen, als er diesen Laptop in die Pizzeria verbracht habe, wo es fortan bis zu seiner Beschlagnahme verblieben sei. Die Verbringung des Laptops in die Pizzeria sei dazu bestimmt gewesen, dass dort von jedem, der dort tätig bzw. aufhältig gewesen sei, über das Internet Musik abgespielt und auf das Internet zugegriffen werden könne. Genutzt worden sei der Laptop fortan von allen sich in der Pizzeria aufhältigen Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten der Familie - unter anderem auch vom Angeklagten BBB, der als sein, des Angeklagten AAA, Freund und Freund seiner Brüder recht regelmäßig Gast und teilweise auch als Aushilfe in der Pizzeria seiner Eltern tätig gewesen sei. Die Nutzung des Laptops habe unabhängig davon stattgefunden, ob er, der Angeklagte AAA, selbst in der Pizzeria aufhältig gewesen sei. Mit anderen Worten habe er sein Laptop der Pizzeria bzw. den Personen, die sich dort aufgehalten hätten, zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt.

80

Die von den Ermittlungsbehörden festgestellten, angeblich von jenem Laptop aus getätigten Suchanfragen nach Edeka-Märkten, habe er, der Angeklagte AAA, nicht getätigt. Auch habe er zu keinem Zeitpunkt - weder alleine noch zusammen mit dem Angeklagten BBB - solche Anfragen von dem PC des Angeklagten BBB aus getätigt.

81

Das Mobilfunktelefon mit der SIM-Kartenrufnummer 01525/0000000 habe über einen langen Zeitraum und auch noch am 26.12.2015 in der Pizzeria seiner Eltern gelegen. Auch über Nacht sei dieses Handy in dieser Zeit in der Regel in der Pizzeria verblieben. Es hätte daher in diesem Zeitraum jeder, der sich in der Pizzeria aufgehalten habe, und damit neben ihm und seiner Familie auch der Angeklagte BBB, ungehinderte Zugriffsmöglichkeiten auf dieses Handy gehabt. Erst später, es müsse so ab Mitte/Ende Januar 2016 gewesen sein, habe er dieses Mobilfunktelefon aus der Pizzeria sehr oft an sich genommen und es fortan hauptsächlich alleine genutzt.

82

Der in dem seinerzeit sichergestellten und seinem Vater gehörenden Mercedes aufgefundene Zettel, auf welchem handschriftlich Anschriften von Edeka-Märkten notiert sein sollen, stamme nicht von ihm, dem Angeklagten AAA. Er rege an, dies gerichtlicherseits mittels Einholung eines graphologischen Sachverständigengutachtens zu überprüfen und sei gerne bereit, handschriftliche Vergleichsproben abzugeben. Er, der Angeklagte AAA, habe keine Kenntnis darüber, wer diesen Zettel angefertigt und/oder in das Auto gelegt habe.

83

Der Angeklagte AAA hat die vorstehend wiedergegebene von seinem Verteidiger im Termin zur Hauptverhandlung am 29.09.2016 vorgelesene Einlassung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel als die seine im vorbenannten Termin bestätigt.

84

Auf ergänzende Befragung des Angeklagten durch die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kiel hat sich dieser weiter wie folgt in der Hauptverhandlung eingelassen:

85

Er habe vom Angeklagten BBB, der des Öfteren in der Pizzeria seines Vaters ausgeholfen habe, Anfang des Jahres 2016 das Angebot erhalten, an dem Überfall auf einen Edeka-Markt mitzuwirken. Der Angeklagte BBB habe gewusst, dass er, der Angeklagte AAA, im Gefängnis gesessen habe. Das Angebot des BBB sei für ihn überraschend gewesen. Der Zeuge BBB habe den Überfall auf den Edeka-Markt machen wollen, weil Bekannte von ihm solche Überfälle gemacht hätten. BBB habe ihm, dem Angeklagten AAA, gesagt, da sei viel Geld drin, mehrere zehntausend Euro. BBB habe ihm erklärt, wie das seine Bekannten gemacht hätten. Wer diese Bekannten gewesen seien, habe ihn nicht interessiert. Er habe ihm, dem Angeklagten AAA, erzählt, wer morgens aufmache und abends zumache, wer den Schlüssel habe und dass es keinen Zeittresor gebe. Über das Internet würde man Märkte herausfinden können, er würde mal rumschauen. Er habe des Weiteren mitgeteilt, dass er bei den vorherigen Taten nicht dabei gewesen sei. Weiter habe er ihm, dem Angeklagten AAA, gesagt, dass sie mit Waffen vorgehen sollten, allerdings nicht mit einer echten Waffe, er habe vielmehr eine Schreckschusspistole. Ihm selber, dem Angeklagten AAA, sei es wichtig gewesen, dass es keine echte Waffe sei. Am Tattag habe der Angeklagte BBB seine Waffe mitgebracht. Des Weiteren habe der Angeklagte BBB erklärt, dass sie mit Masken, Handschuhen, Kabelbindern und Pfefferspray zum Tatort fahren sollten.

86

Der Angeklagte BBB habe ihm gesagt, dass sie den Markt in Wrist nehmen würden, um den zu beobachten. Er selber, der Angeklagte AAA, sei am Tattag morgens alleine bei diesem Markt gewesen. Er sei zuvor auch mehrfach alleine dort gewesen. Zusammen mit dem Angeklagten BBB sei er etwa drei bis vier Male dorthin gefahren. Sie hätten genau beobachtet, wann dort Mitarbeiter aus dem Markt herauskommen würden. Seiner Erinnerung nach schließe der Markt um 20:00 oder 21:00 Uhr, das wisse er jetzt nicht. Vor der Fahrt zum konkreten Überfall habe der Angeklagte BBB eine Tasche mitgebracht, in der sich auch die Klamotten für ihn, den Angeklagten AAA, befunden hätten. Er habe sich dann im Audi umgezogen.

87

Soweit es den Ankauf des Audi A 8 betreffe, sei es so gewesen, dass dem Angeklagten BBB der Wagen gefallen habe und er ihn gekauft habe. Der Angeklagte BBB sei es auch gewesen, der den Audi A 8 nach dem Ankauf nach Hause gefahren habe. Er selber sei zusammen mit seinem Bruder in dem Mercedes-Benz, mit welchen sie auch nach Bremen gefahren seien, von Bremen aus zurück gefahren. Warum der BBB den Audi habe haben wollen, wisse er nicht, darüber hätten sie nicht gesprochen.

88

Ferner sei es der Angeklagte BBB gewesen, der im Internet nach Edeka-Märkten recherchiert und ihm, dem Angeklagten AAA, sodann mitgeteilt habe, dass er einen in Wrist gefunden habe. Er selber habe nicht danach gesucht.

89

Soweit es die Fluchtfahrt mit dem Audi A8 nach dem Entdecken der Polizeibeamten in Wrist betreffe, sei der Angeklagte BBB gefahren. Anfangs seien sie nicht so schnell gewesen. Wie schnell der Angeklagte BBB gefahren sei, wisse er nicht, da er nicht auf den Tacho geschaut habe. Nachdem sie eine Ampel bei „orange“ überfahren hätten, hätten die sie verfolgenden Polizeibeamten das Blaulicht angemacht. BBB habe dann „auf`s Gas gedrückt“. Es habe dann eine wilde Verfolgungsfahrt „wie im Film“ begonnen. In der Stadt seien Autos überholt worden, der Gegenverkehr habe teilweise bremsen müssen. An einer Stelle habe der Angeklagte BBB angehalten und die Tasche ins Gebüsch gesteckt, während dessen er, der Angeklagte AAA, an das Steuer gewollt habe, um das Auto zu parken. Zu diesem Zwecke sei er über die Mittelkonsole hinüber gerutscht.

90

Das Smartphone Apple iPhone 6 sei von vielen genutzt worden. Er habe es 2015 gekauft, wobei er anfangs nicht mit diesem klar gekommen wäre, es sei Neuland für ihn gewesen. Seine Familie habe jenes iPhone wie auch den von der Polizei sicher gestellten Laptop ebenfalls benutzt. Beispielsweise seien mit dem iPhone 6 auch viele Einkäufe gemacht worden. Ferner sei es als Navigationsgerät benutzt worden. Jeder habe es genutzt, er und auch sein Bruder. Anfang 2016 habe er, der Angeklagte AAA, das iPhone 6 ganz übernommen.

91

Zu JJJ sowie zu KKK habe er Kontakt gehabt. Der JJJ sei im Jahr 2015 einige Male zum „Rumchillen“ da gewesen. KKK sei sein Cousin, dessen Vater sei der Bruder seiner Mutter. Auch KKK habe beispielsweise auf den Laptop zugreifen können, dessen Sperrcode würde jeder kennen. Über den Laptop sei auch die Musik im Pizzaladen gesteuert worden.

92

Die Kammer ist in Anbetracht des Ergebnisses der Beweisaufnahme - wie noch im Einzelnen auszuführen sein wird - indes davon überzeugt, dass die Angeklagten an dem in Fall 2 der Anklage vorgeworfenen Geschehen wie unter IV. festgestellt beteiligt waren.

93

Soweit die in die hiesige Hauptverhandlung eingeführten Einlassungen der Angeklagten vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel in Widerspruch zu den Feststellungen der Kammer stehen, sind sie durch das Ergebnis der Beweisaufnahme widerlegt worden. Hierbei hat sich die Kammer ihre Überzeugung aus einer Vielzahl unterschiedlich stark zu gewichtender Indizien gebildet, die für eine entsprechende Beteiligung der Angeklagten sprachen und in ihrer Gesamtheit ausreichten, sämtliche vernünftigen Zweifel der Kammer zu zerstreuen, dass sich die Geschehnisse nicht wie festgestellt ereignet haben.

94

Die Feststellungen zu Datum und Ort des Ankaufs des Audi A 8 sowie zum Namen des Verkäufers und auch dem Umstand, dass der Angeklagte BBB als Käufer in dem Vertrag aufgeführt wird, beruhen auf der Einführung des vom Angeklagten BBB und dem Verkäufer FFF - wie die Angeklagten in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel übereinstimmend angegeben haben - unterschriebenen und teilausgefüllten Formularkaufvertrag im Selbstleseverfahren, auf welchem entsprechende Angaben vermerkt waren. Die Kammer hat nicht festzustellen vermocht, wer von den beiden Angeklagten den Audi A 8 tatsächlich im wirtschaftlichen Sinne gekauft hat bzw. dessen Eigentümer geworden ist. Einander widerstreitend haben sich beide vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel - wie ausgeführt - dahin eingelassen, der jeweils andere habe den Audi kaufen wollen. Soweit für den Angeklagten BBB für den Fall der Verurteilung hilfsweise der Antrag gestellt worden ist, den Zeugen FFF zum Beweis der Tatsache zu vernehmen, dass BBB nur formell als Käufer eingetragen worden sei und AAA die Kaufverhandlungen geführt habe, ist dies dementsprechend bedeutungslos.

95

Dass der betreffende Audi A 8 wenige Stunden vor dem Überfall auf den Zeugen CCC in dessen Wohnhaus zwischen 20:30 Uhr und 22:00 Uhr in der festgestellten Weise in der Dorfstraße in Grabau auf- und abgefahren wurde, hat die Kammer aufgrund entsprechender Bekundungen der Zeugen Eheleute LLL festgestellt.

96

Die Zeugin A LLL hat dazu bekundet, dass sie sich daran erinnere, am Abend des 1. Weihnachtstages 2015 ein Fahrzeug, eine große schwarze Limousine, von welcher ihr Ehemann, der Zeuge LLL gesagt habe, es sei ein Audi, mit „ESW“-Kennzeichen die Dorfstraße in Höhe Schulweg mehrfach auf- und abgefahren gesehen zu haben. Sie hat erklärt, sich deswegen daran erinnern zu können, weil es sich um einen ungewöhnliches Kennzeichen, welches ihr sonst nicht mehr aufgefallen sei, gehandelt habe. Nachdem der Wagen das dritte Mal vorbei gekommen sei, hätte ihr Mann das Kennzeichen in seinem Handy notiert. Dass sie sich überhaupt längere Zeit, ihre Erinnerung nach etwa 20 Minuten lang mit ihrem Ehemann und ihrem kleinen Sohn im Bereich der Dorfstraße aufgehalten hätten, hat die Zeugin damit erklärt, dass sich ihr kleiner Sohn gerne Autos anschaue. Daher hätten sie auch explizit auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge geachtet.

97

Nach dem Aussehen der Insassen des Fahrzeugs befragt hat sie bekundet, dass vorne zwei Personen in dem Fahrzeug gesessen hätten und beide zurückgegelte Haare gehabt hätten. Der Fahrer sei etwas kleiner gewesen, habe schwarze Harre und eine hakige Nase gehabt. Der Beifahrer hätte grau melierte Schläfen gehabt. Genaueres habe sie aber nicht sehen können.

98

Der Ehemann der Zeugin LLL, der Zeuge B LLL, hat in Übereinstimmung mit seiner Ehefrau sowie konkretisierend bekundet, dass sie sich am Abend des 25.12.2015 im Bereich der Dorfstraße gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn, der gerne Autos schaue, aufgehalten hätten. Gegen 20:30 bis 22:00 Uhr sei dann ein großer dunkler Audi mit „ESW“-Kennzeichen in der von der Kammer festgestellten Weise die Dorfstraße auf- und abgefahren, so dass sie, die Eheleute LLL, misstrauisch geworden seien. Er sei sich wegen des Tages und der Uhrzeit sicher, da sie zuvor bei der Familie zu Besuch gewesen seien. Wegen des auffälligen Fahrverhaltens und deswegen, weil es in der Vergangenheit Einbrüche im Dorf gegeben habe, habe er das Kennzeichen im Handy gespeichert und dies später der Polizei mitgeteilt.

99

Die Feststellungen zum äußeren Ablaufs des Tatgeschehens in Grabau bzw. Schwarzenbek, zum Empfinden des Nebenklägers und zu den Folgen der Tat für diesen beruhen auf den entsprechenden Bekundungen des Zeugen CCC, an dessen Richtigkeit Zweifel - abgesehen von seinen Angaben zu den Körpergrößen der Täter - nicht hervorgetreten sind. Der Zeuge CCC hat das Geschehen, seine Empfindungen und die Folgen der Tat für ihn so bekundet wie festgestellt.

100

Ergänzend hat er Folgendes angegeben: Es seien insgesamt drei Täter gewesen, wobei nur einer mit ihm in akzentfreiem Deutsch gesprochen habe. Alle seien nach seinem Eindruck schlanker und kleiner als er gewesen, er sei 1,84 m groß. Keiner sei stämmig gewesen, also nicht in seiner, des Zeugen CCCs, Statur. Hierbei sei angemerkt, dass der Zeuge eher korpulent ist. Eine Person sei beinahe ein bisschen zierlich gewesen. Sie hätten alle dunkle Kleidung getragen, die Lichtverhältnisse seien aber schlecht gewesen, da nur der Schein des noch laufenden Fernsehers vorhanden gewesen sei. Nach seinem Eindruck seien das Steakmesser und der Stoffbeutel aus seinem Haushalt gewesen. Im Übrigen sei nach seinem Eindruck die anschließende Fahrt zu dem Edeka-Markt über Umwege erfolgt, da sie so lange gedauert habe.

101

Die Kammer hat diese Bekundungen des Zeugen ihren Feststellungen zugrunde legen können, da Zweifel an deren Richtigkeit nicht hervorgetreten sind. Der Zeuge hat detailreich nur das bekundet, an was er sich auch sicher erinnern konnte. Hierbei hat er Erinnerungslücken, welche aufgrund des zeitlichen Abstands zum Geschehen auch zu erwarten waren, unumwunden eingeräumt und sich bei seiner Schilderung auf das beschränkt, was ihm tatsächlich in Erinnerung geblieben ist. Zeitliche und logische Sprünge innerhalb der Erzählung sowie im Rahmen von Nachfragen durch die Kammer und die Verfahrensbeteiligten wurden durch den Zeugen mühelos und in einer konstanten Erzählstruktur vollzogen, was die Kammer ebenfalls als Zeichen des tatsächlichen Erlebens wertet.

102

Auch decken sich seine Angaben insbesondere in Bezug auf das Geschehen im Markt mit den in der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen 18 Lichtbildern (Bl. 139 - 149 des Hauptbandes Ia), welche Bildschirmaufnahmen verschiedener im Markt installierter Überwachungskameras zeigen, auf denen die Ankunft des Zeugen CCC sowie drei weiterer Personen am Edeka-Markt in Schwarzenbek zu sowie Teile des Geschehens im Laden, insbesondere im Kassenbereich und im Bereich des Lotto-/Tabaktresens zu sehen sind. Hierbei ist, wie von dem Zeugen CCC beschrieben, zu erkennen, dass sich vier Personen Zugang zum Markt verschaffen, sodann zumindest teilweise in ein Büro mit Tresor gehen, um sich anschließend durch den Kassenbereich hinter bzw. neben den Tabaktresen zu begeben, woraufhin mehrere Taschen weggetragen werden und einige der Personen mit diesen schließlich den Markt verlassen.

103

Auf dem ersten Lichtbild sind vier Personen am Seiten-/Hintereingang des Marktes zu sehen. Eine Person steht leicht vorgebeugt vor der Tür, eine zweite dicht dahinter. Zwei weitere Personen stehen ein wenig abseits. Wegen der Einzelheiten wird gemäß § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO - diese Norm gilt auch für die nachfolgenden Verweisungen - auf das Lichtbild auf Bl. 139 des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf dem zweiten Lichtbild ist Büroraum mit geöffnetem Tresor zu sehen, im Raum befinden sich mehrere Personen. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02:06:04. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 140 (Bild Nr. 02) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Das dritte Lichtbild zeigt den Kassenbereich des Marktes sowie drei Personen, die hintereinander den Bereich von rechts nach links durchqueren, wobei die Person in der Mitte die Person ganz vorn vor sich her zu treiben scheint. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 140 (Bild Nr. 03) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Die Lichtbilder 4 und 5 zeigen den weiteren Gang der drei Personen durch den Kassenbereich. Auf Lichtbild 5 ist zudem eine Vergrößerung der drei Personen zu sehen. Wegen der Einzelheiten wird auf die Lichtbilder auf Bl. 141 (Bild Nr. 04 und 05) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Das sechste Lichtbild zeigt den Tabaktresen des Marktes sowie die drei Personen, die diesen rechts passieren. Hierbei ist deutlich zu erkennen, dass die vordere Person von einer anderen (zumindest) mit der Hand im Rücken geführt wird. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02.08.01. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 142 (Bild Nr. 06) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf Lichtbild 7 ist eine der Personen rechts neben dem Tabaktresen zu sehen, dieser Ausschnitt ist zudem vergrößert. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02:08:15. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 142 (Bild Nr. 07) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf Lichtbild 9 ist zu sehen, wie eine Person mit einer Tasche hinter dem Tabaktresen hervorkommt. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02:10:54. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 143 (Bild Nr. 09) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Das zehnte Lichtbild zeigt zwei Personen, die den Kassenbereich von links nach rechts durchqueren. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 144 (Bild Nr. 10) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf dem elften Lichtbild durchquert eine Person den Kassenbereich von rechts nach links. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 145 (Bild Nr. 11) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf Lichtbild zwölf verlässt eine Person mit einer Tasche den Markt durch die Seiten-/Hintertür. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02:11.58. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 145 (Bild Nr. 12) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Auf Lichtbild 13 ist zu erkennen, wie zwei Personen gemeinsam mit einer Tasche neben dem Tabaktresen hervorkommen. Der Zeitstempel der Kamera zeigt 02:12:27. Wegen der Einzelheiten wird auf das Lichtbild auf Bl. 146 (Bild Nr. 13) des Hauptbandes Ia Bezug genommen. Die Bilder 17 und 18 zeigen schließlich Personen beim Verlassen des Marktes durch die Seiten-/Hintertür. Die Zeitstempel der Kamera zeigen hierbei 02:14:39 (Bild 17) sowie 02:14:42 (Bild 18). Wegen der Einzelheiten wird auf die Lichtbilder auf Bl. 148 (Bild Nr. 17) und 149 (Bild 18) des Hauptbandes Ia Bezug genommen.

104

Eine konkrete Tätergrößenbestimmung war entsprechend einer Auskunft des Landeskriminalamts Hamburg vom Oktober 2016, das bereits im Verfahren vor der 1. großen Strafkammer mit der Prüfung betraut worden war, aufgrund der insoweit nicht ausreichenden Bildqualität wegen der geringen Auflösung nicht möglich.

105

Die Angaben des Zeugen CCC stimmen zudem überein mit den Angaben in dem durch das Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführten polizeilichen Auswertebericht bezüglich der Filmsequenzen verschiedener in dem Markt installierter Überwachungskameras vom 26.01.2016. Soweit auf den Filmsequenzen der Videoüberwachung bzw. in dem vorgenannten Bericht Zeiten angegeben sind, die um etwa 9 Minuten hinter den festgestellten Zeiten liegen, hat dies seinen Grund darin, dass die Systemzeit der Videoüberwachung um etwa eben diese 9 Minuten der tatsächlichen Zeit nachgeht, wie aus dem ebenfalls im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten polizeilichen Bericht vom 25.01.2016 folgt.

106

Eine Abweichung des auf den Lichtbildern Sichtbaren zu der Bekundung des Zeugen CCC besteht allerdings in Bezug auf die Größe der Täter. Denn es ist auf den Lichtbildern auf Bl. 140 und 141 (Bilder 03 und 04) des Hauptbandes Ia, auf die nochmals Bezug genommen wird, zumindest ersichtlich, dass einer der Täter recht signifikant größer ist als die übrigen Täter. Dass der Zeuge CCC in Bezug auf die Körpergrößen der Täter eine andere Wahrnehmung gehabt hat, berührt jedoch nicht den Wahrheitsgehalt seiner Bekundungen im Übrigen, sondern kann insbesondere dadurch bedingt sein, dass sich jener größere Täter im Unterschied zu den beiden anderen eher im Hintergrund gehalten haben kann, so dass es insoweit, bedingt auch durch die hohe Anspannung, unter der der Zeuge CCC während des Tatgeschehens gestanden hat, zu einer Fehlwahrnehmung des Zeugen gekommen sein kann, die zusätzlich durch die schlechten Lichtverhältnisse im Wohnzimmer - nur der laufende Fernseher gab einen Lichtschein - begünstigt wurde. Eine solche Fehlwahrnehmung kann zudem auf die Perspektive des Zeugen CCC zurückzuführen sein, aus welcher dieser die Täter wahrnahm. Die Täter standen nämlich vor bzw. über dem Zeugen, während sich dieser auf der Couch befand. In der folgenden Zeit, namentlich auf dem Weg zum Fahrzeug, zum Markt sowie innerhalb des Marktes befanden sich die Täter indes meist hinter dem Zeugen CCC, wobei zumindest auf dem Weg zum Auto erschwerend hinzukam, dass dem Zeugen ein Stoffbeutel vor das Gesicht gehalten wurde. Letztlich ist es ohne Weiteres möglich, dass sich der Zeuge bezüglich der exakten Größe der einzelnen Täter sowie des Verhältnisses der Größen zueinander bzw. zu seiner eigenen Körpergröße irrt. Der Zeuge hat zwar viele Details des Vorfalls noch korrekt erinnern können, hierbei handelt es sich jedoch überwiegend um einprägsame Geschehensabläufe, Äußerungen, Wahrnehmungen und Handlungen. Die subjektive Bestimmung verschiedener Körpergrößen ist hingegen weit weniger prägnant und schon grundsätzlich sowie insbesondere innerhalb einer Stresssituation wie jener, welcher der Zeuge CCC in seinem Haus, auf dem Weg zum Markt und innerhalb desselben ausgesetzt gewesen ist, wesentlich anfälliger für Fehlwahrnehmungen. Des Weiteren sei angemerkt, dass auch die Beschreibung der Statur der Täter nicht den Angeklagten AAA als Täter ausschließt. Dieser ist zwar von einer etwas untersetzten und kräftigen Statur. Jedoch gelten zum einen die Ausführungen zur eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit des Zeugen CCC in dieser Stresssituation auch hier. Zum anderen hat der eher korpulente Zeuge CCC seine Angaben dahingehend präzisiert, dass jedenfalls keiner der Täter seine Statur gehabt habe. Der Angeklagte AAA ist nicht entsprechend korpulent und war es zum damaligen Zeitpunkt nicht. Dies folgt aus der entsprechenden Wahrnehmung aus der Hauptverhandlung und der Inaugenscheinnahme der Lichtbilder, die vom Angeklagten AAA im Rahmen seiner Festnahme am 18.03.2016 gefertigt worden sind. Auf dem ersten Bild ist der Angeklagten AAA in einem dunklen ADIDAS-Pullover am Fahrbahnrand stehend frontal von vorne zu sehen, so dass aus dieser Perspektive die Statur zu sehen ist. Wegen der Einzelheiten dieses Bildes wird auf Bl. 968 (Bild 01) des Hauptbandes VI Bezug genommen. Das andere Lichtbild zeigt den Angeklagten AAA stehend von der linken Seite, so dass auch hier die Statur zu sehen ist. Wegen der Einzelheiten dieses Bildes wird auf Bl. 968 (Bild 02) des Hauptbandes VI Bezug genommen.

107

Welches Fahrzeug der Angeklagte AAA und seine Mittäter beim Transport des Zeugen CCC verwendet haben, hat die Kammer nicht festzustellen vermocht. Zwar hat der Zeuge CCC in der Haupthandlung gemeint, dass es sich um einen Mercedes gehandelt habe. Begründet hat er dies damit, an der Felge des Fahrzeuges einen Mercedes-Stern gesehen zu haben. Das Fahrzeug habe „einen kurzen Kofferraum sowie ein Stufenheck, nicht zu groß“ gehabt. Ihm seien zwei Fahrzeuge vorgeführt worden: Ein Audi A8, da habe er auf den ersten Blick schon gesehen, dass es nicht das richtige Fahrzeug gewesen sei. Am selben Abend sei ihm ein zweites Fahrzeug, ein Mercedes vorgeführt worden, hier habe er gedacht „Treffer und versenkt“. Sicher sei er sich letztlich jedoch nicht gewesen. Zweifel daran, dass es sich tatsächlich um den vom Angeklagten AAA benutzten und o. a. Mercedes gehandelt hat, sind der Kammer auch vor dem Hintergrund der erstmalig von ihm in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel gemachten Bekundung, an den Felgen des Fahrzeugs, mit dem er transportiert worden sei, eine Art roten Ring gesehen zu haben, gekommen. Diese Angaben hat der Zeuge CCC auf Vorhalt in der hiesigen Hauptverhandlung wiederholt. Das Fahrzeug, mit dem er transportiert worden sein, habe einen roten Ring gehabt, „wie ein Formel 1 Auto“. Auch das im Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführte Gutachten des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein vom 13.06.2016 hat zum Ergebnis, dass sich in dem Mercedes C-Klasse 320 CDI der Familie AAA keine Fasern, die von der zum Tatzeitpunkt vom Zeugen CCC getragenen Kleidung stammten, feststellen ließen.

108

Ebenso wenig hat die Kammer festzustellen vermocht, dass der o.g. Audi A8 jenes Transportfahrzeug gewesen wäre. Insoweit hat der Zeuge CCC bekundet, sich ziemlich sicher zu sein, dass es sich bei jenem Fahrzeug nicht um einen Audi gehandelt habe, was er sowohl aus seiner Erinnerung an die Fahrt zur Tatzeit wie auch mit seinem Eindruck von der mit dem Kriminalbeamten Klever nach der Tat mit dem Audi durchgeführten Fahrt begründet hat. Zu einem anderen Ergebnis führt auch nicht der Umstand, dass nach dem Ergebnis des ebenfalls im Wege des Selbstleseverfahrens in die Haupthandlung eingeführten Gutachtens des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein vom 18.04.2016 nach der Vornahme von Abrieben aus dem Audi A8 in einem solchen von der Rückbank der mittleren Sitzfläche vorn sich eine Mischspur befand, in der die DNA-Merkmale sowohl des Zeugen CCC wie auch des Angeklagten BBB vollständig nachgewiesen wurden, wobei zu dieser Spur mindestens noch ein weitere Person beigetragen hat. Denn wie die biochemische Sachverständige Frau Dr. MMM in dem von ihr angefertigten und ebenfalls im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten Gutachtens des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein vom 24.05.2016 ausgeführt hat, kann es zu einer indirekten Übertragung von DNA-Material des Zeugen CCC, der nach eigenen Angaben an einer Schuppenflechte leidet, gekommen sein, dieser muss also nicht in dem Audi gesessen haben.

109

Die Höhe der von den Tätern gemachten Beute von mindestens 60.000 € wurde von dem Inhaber des Marktes, dem Zeugen EEE bekundet, der dazu glaubhaft erklärt hat, dass sich ein erheblicher Teil des erbeuteten Geldes deswegen in den Tresoren befand, weil die von ihm beschäftigte 450 € - Kräften nach den Weihnachtsfeiertagen hätten ausbezahlt werden sollen und der Tresorbestand aufgrund des Heiligabendgeschäfts erhöht gewesen sei. Erstattet habe seine Versicherung nur die Versicherungssumme in Höhe von 50.000,00 €.

110

Dass die bei der Tat in Schwarzenbek verwendeten Kabelbinder von der gleichen Art hinsichtlich Länge, Breite, Farbe und äußeren Gestaltung - die ersten 11 cm inklusive Kopf ohne Befestigungsrillen, die letzten 3 cm der Lasche ohne Befestigungsrillen, unmittelbar nach dem Kopf kommend eine Kreisapplikation, eine Ziffer zwischen 10 und 20, danach folgend ein „E“ und Kreisapplikationen auf der glatten Seite in unregelmäßigen Abständen - sind wie die, welche die Angeklagten bei der Tat in Wrist (= II. 3. der Feststellungen in der insoweit rechtskräftig gewordenen Entscheidung der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17. Januar 2017) verwenden wollten, folgt aus dem im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten polizeilichen Bericht zum Vergleich der Kabelbinder vom 02.03.2016.

111

Die Umstände der Kontrolle des Edeka-Marktes durch den Zeugen GGG und der Alarmierung des Hamburger Wachdienstes folgt aus den entsprechenden Aussagen der Zeugen EEE und GGG, die das Geschehen so bekundet haben wie festgestellt.

112

Angesichts der erst kurz vor der Unscharfschaltung der Alarmanlage am Edeka Markt erfolgten Kontrolle und des Umstandes der Unterbrechung der Fahrt von seinem Wohnhaus zu dem Edeka Markt, des Verlassens des Autos durch einen der Mittäter und dessen Wiederkehr entsprechend der Aussage des Zeugen CCC mit den Worten: „Dann ist ja gut, klappt ja alles“, führt zu der Möglichkeit, dass mindestens eine vierte Person insoweit in die Planung und die Tat eingebunden war, als diese hatte beobachten sollen, wann die Kontrolle des Edeka-Markt von dem Wachdienst beendet sein würde, um nach der Kontrolle diesen Umstand den Tätern, die mit dem Zeugen CCC zum Markt fuhren, mitzuteilen.

113

Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte AAA einer der drei Haupttäter des zu IV. festgestellten Geschehens war. Die ergibt sich aus den folgenden Umständen.

114

Zunächst folgt diese Überzeugung aus der vor der Kammer erfolgten glaubhaften Aussage des Zeugen DDD.

115

Im Einzelnen hat der Zeuge DDD Folgendes berichtet:

116

Der Angeklagte AAA sei ein Cousin mütterlicherseits von ihm. Er, DDD, sei im Jahr 2016 wegen eines Strafverfahrens vor dem Landgericht Hamburg in Untersuchungshaft gewesen und sei im Mai 2016 aus der Justizvollzugsanstalt Billwerder in die Justizvollzugsanstalt Lübeck verbracht worden. Dort habe er gehört, dass sein Cousin - ebenfalls mütterlicherseits -, der Zeuge KKK, auch in der Justizvollzugsanstalt Lübeck untergebracht sei. Er habe einen Beamten der Justizvollzugsanstalt Lübeck gefragt, ob es möglich sei, seinen Cousin KKK zu besuchen und mit diesem einen Kaffee zu trinken. Dies habe der Beamte auch erlaubt und habe ihn dann in die Zelle von KKK gebracht. Dieser habe sich gefreut, ihn zu sehen, beide hätten ein gutes Verhältnis zueinander gehabt. Insgesamt habe das Gespräch etwa eineinhalb Stunden gedauert. KKK habe ihn gefragt, wie seine Verhandlung in Hamburg laufen würde, wobei er entgegnet habe, dass das alles noch in der Findung sei. KKK habe ihm auf seine Frage, warum er inhaftiert sei, von einem Blitzerfoto erzählt und dass dort in der Nähe ein Überfall stattgefunden habe. Beide hätten dann auch über die gesamte Familie gesprochen, beispielsweise über den Vater des KKK, welcher nach einem Unfall Probleme mit dem Rücken gehabt habe. Hierbei habe er den KKK auch gefragt, was mit ihrem Cousin, dem AAA, sei. KKK habe ihm entgegnet, dass AAA aktuell eine Gerichtsverhandlung am Laufen habe und wegen einer Sache in Schwarzenbek „am Arsch“ sei. Weiter habe KKK auf seine Frage, ob KKK es genauer wisse, berichtet, AAA selbst habe ihn, KKK, im Dezember 2015 angerufen und um ein Gespräch gebeten. Dieses Gespräch habe dann in Bad Oldesloe in irgendeiner Wohnung von einem Mädchen, das KKK gekannt habe, stattgefunden und es sei darum gegangen, den KKK als Partner für die Begehung neuer Straftaten zu gewinnen. AAA habe gefragt, ob er, KKK, wieder einsteigen wolle. Es sei um Raubüberfälle gegangen. Der AAA habe ihm erklärt, dass es auch gut laufe. In diesem Gespräch habe er, AAA, ihm, dem KKK, berichtet, er habe einen Mann entführt, und zwar hätten sie einen Filialleiter von Edeka von zu Hause abgefangen und dann zum Laden gebracht. Den hätten sie vorher eine Woche observiert, dann hätten sie gewusst, wer im Markt etwas zu sagen habe und hätten ihn dann überfallen. Den Marktleiter hätten sie von seinem Zuhause ins Auto verfrachtet, um mit ihm zum Edeka-Markt nach Schwarzenbek zu fahren. Im Laden hätten sie ihn dazu gebracht, den Tresor aufzumachen, sodass sie an „die Kohle“ - etwa 40.000,00 € bis 45.000,00 € - herangekommen seien. Sie hätten den Marktleiter dann noch gefesselt und seien dann abgehauen. Die Tat in Schwarzenbek habe er, AAA, zusammen mit einem BBB, einem jungen Albaner von etwa 21 oder 22 Jahren, begangen. Dieser junge Albaner sei nach Angaben des KKK auch der Grund für das von AAA mit diesem geführte Gespräch gewesen. KKK habe ihm, DDD, hierzu Folgendes erzählt: AAA habe ihm, KKK, gesagt, dass es Probleme mit BBB gebe, sodass er gerne einen „neuen Mann“ haben würde und ihn, KKK, als neuen Partner für neue Straftaten gewinnen wolle. AAA habe KKK in dem Gespräch locken wollen und den Mund „richtig wässrig machen“ wollen. Er, AAA, habe eine neue Masche von Straftaten, nämlich die Angestellten morgens vor Ankunft der ersten Kunden abzufangen, um dann an die Tresore ranzukommen und das Geld herauszuholen. Mit solchen Dingen könne man viel Geld verdienen. So habe er, AAA, zusammen mit JJJ auch erfolgreich einen Baumarkt in der Nähe von München „gemacht“. Er, AAA, habe zusammen mit JJJ dessen Bruder, der in der Nähe von München wohne, für ungefähr einen Monat besucht. Dort habe er, AAA, die Idee gehabt, „mal was zu machen“, sodass sie, AAA und JJJ letztlich einen Baumarkt in der Nähe von München überfallen hätten und dort etwa 50.000,00 € erbeutet hätten. AAA habe gesagt, dass er auch JJJ loswerden wolle, da dieser zu viele Drogen nehme, sodass er eben KKK gewinnen wolle. Obwohl AAA gegenüber KKK richtig die „Werbetrommel gerührt“ habe, habe KKK nach seinen Angaben aber das Angebot des AAA dankend abgelehnt. KKK habe des Weiteren hinsichtlich der Frage, warum AAA mit BBB unzufrieden sei, mitgeteilt, AAA habe ihm dazu gesagt, dass BBB sich darüber beschwert habe, dass er zu wenig Geld von den gemeinsamen Straftaten erhalten habe. So hätten sie ein „Ding gemacht“, wo sie 30.000,00 € rausgeholt hätten, von denen BBB nur 3.000,00 € oder 4.000,00 € bekommen habe, während AAA das restliche Geld erhalten habe. AAA, der nach der im bewussten Zellengespräch geäußerten Einschätzung von DDD und KKK ziemlich gierig sei, habe sich gegenüber KKK über diese Beschwerde aufgeregt und habe gesagt, das sei seine Idee gewesen, er wisse, wie das funktioniere und wolle deswegen auch mehr Geld haben. Er wolle BBB deshalb einfach loswerden und habe „keinen Bock mehr auf diese Herumgenöle“ von BBB. Wie die Fesselung des Marktleiters vorgenommen worden sei, wer bei der Tat außer BBB noch dabei gewesen sei und welcher Wagen benutzt worden sei, habe KKK ihm nicht erzählt.

117

Nach seiner, DDDs, Einschätzung von AAA habe dieser KKK angesprochen, weil AAA gewusst habe, dass KKK in der Vergangenheit auch Raubüberfälle begangen habe und AAA einfach nicht aufhöre, Raubüberfälle zu begehen. AAA kenne keine Skrupel und würde versuchen, jeden Menschen zu manipulieren, um einen Raubüberfall zu begehen. Genau deshalb habe KKK ihm auch in dem Gespräch gesagt, er würde niemals mit AAA so eine Sache machen, weil er auch Angst davor habe, dass AAA ihn nur „verarschen“ würde.

118

Allgemein hat der Zeuge DDD hinsichtlich des mit KKK geführten Gesprächs noch berichtet, dies sei ein gutes und lockeres Gespräch gewesen, bei dem sie sich beide gefreut hätten, einander wiederzusehen. Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass KKK etwas Falsches erzählt habe. Für ihn habe alles wirklich glaubhaft geklungen, zumal er zuvor immer mit KKK ein gutes und sehr offenes Verhältnis gehabt habe. Er glaube nicht, dass KKK ihn - bis zu seiner, DDDs, Aussage bei der Polizei - anlügen würde.

119

Mit AAA selbst habe er, DDD, seit dem gemeinsamen Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Lübeck im Jahr 2011 keinen Kontakt mehr gehabt.

120

Auf entsprechendes Befragen hin hat der Zeuge DDD bekundet, dass es zutreffe, dass er und AAA damals verhaftet worden seien wegen eines gemeinschaftlich begangenen Raubes und dann gemeinsam im Jahr 2011 vor dem Landgericht Lübeck eine Strafverhandlung gehabt hätten. Er, der Zeuge DDD, habe die Tatbegehung damals abgestritten und sei zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 9 Monaten verurteilt worden, der AAA habe die Tat eingeräumt und auch gegen ihn, den Zeugen DDD, ausgesagt. AAA sei zu einer Freiheitsstrafe etwa 3 Jahren verurteilt und in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden. Er, der Zeuge DDD, habe „sein Leben heute im Griff“ und könne verstehen, dass AAA damals ausgesagt habe. Deswegen handele es sich bei seiner heutigen Aussage nicht um eine Retourkutsche, vielmehr stehe er erheblich wegen seiner Aussage familiär unter Druck. Er habe reinen Tisch gemacht, nichts dazu gedichtet oder ausgelassen, sondern nur das ausgesagt, an was er sich erinnere. Seine Aussage habe er „frei und ohne Hintergedanken“ gemacht. Dafür habe er auch in seinem 2016 laufenden Strafverfahren in Hamburg, in welchem er rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt worden sei, „keine Zusage einer Strafe“ erhalten. Seine Aussage, in welcher er andere belastet habe, sei jedoch in der Strafzumessung berücksichtigt worden. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt NNN, habe ihm ebenfalls dazu geraten, dort die Wahrheit zu sagen. Er sei daher weniger bestraft worden, als seine Mittäter, welche zu Freiheitsstrafen im Bereich von 10 Jahren verurteilt worden seien.

121

Er stehe zu seiner Aussage, die er gemacht habe, nachdem Polizeibeamte Ende Oktober 2016 auf ihn zugekommen seien. Sein Motiv sei, reinen Tisch zu machen. Er habe keinen Grund, für AAA zu lügen. Er gehe jetzt den Weg, den er eingeschlagen habe. Er, der Zeuge DDD, sei nicht mehr im „Hamsterrad“, so dass in seinem Leben immer das Gleiche passiere. Zur Entstehung seiner Aussage hat der Zeuge DDD auf entsprechende Nachfragen in der Hauptverhandlung hin bekundet, dass er zunächst den ihn aufsuchenden Polizeibeamten mitgeteilt habe, dass er, der Zeuge DDD, mit AAA und auch mit dem Zeugen KKK nichts zu tun gehabt habe, er habe denen auch mitgeteilt, dass der Zeuge KKK nichts mit AAA zu tun gehabt habe. Auf die Frage des Polizeibeamten hin, woher er, der Zeuge DDD, das wisse, habe er dem Polizeibeamten zunächst gesagt, dass er dies zunächst mit seinem Verteidiger besprechen müsse, was er dann auch getan habe. Er habe dann im November 2016 seine wahrheitsgemäßen Angaben gegenüber den Polizeibeamten gemacht. Richtig sei, dass er inzwischen selbst ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden sei.

122

Die den Angeklagten AAA ganz erheblich belastende Aussage des Zeugen DDD ist glaubhaft.

123

Die Kammer ist zunächst einmal davon überzeugt, dass es zu dem Gespräch der Zeugen DDD und KKK im Mai 2016 in der Zelle des Letztgenannten gekommen ist. Nach der durch das Selbstleseverfahren eingeführten Mail der Justizvollzugsanstalt Lübeck vom 08.11.2016 befand sich der Zeuge DDD aus der Justizvollzugsanstalt Billwerder kommend in der Zeit vom 11. bis 18.05.2016 tatsächlich in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Dort befand sich auch der Zeuge KKK aufgrund des Haftbefehls des Amtsgericht Eutin vom 27.04.2016, der ebenfalls im Selbstleseverfahren eingeführt wurde. Das Treffen als solches hat der Zeuge KKK auch eingeräumt.

124

Die Kammer ist des Weiteren davon überzeugt, dass der Zeuge DDD den Inhalt des Gesprächs wahrheitsgemäß wiedergegeben hat und der Angeklagte AAA dem Zeugen KKK gegenüber die Tat in Schwarzenbek der Wahrheit entsprechend eingeräumt hat.

125

Der Verlauf des Gesprächs ist nachvollziehbar und schlüssig dargestellt. So berichten beide nach der Aussage des DDD zunächst von ihren eigenen Verfahren, wobei der Hinweis bezüglich KKK auf ein Blitzerfoto und einen in der Nähe verübten Überfall bestätigt wird durch die Gründe des genannten Haftbefehls des Amtsgericht Eutin vom 27.04.2016, in dem ausgeführt ist, dass KKK gerade der Überfall auf einen Edeka-Markt in Hutzfeld mit einem unbekannten Mittäter vorgeworfen wurde und sich der dringende Tatverdacht unter anderem aus einem Blitzerfoto einer Überwachungskamera ergebe.

126

Schlüssig ist auch, dass sie sich über die gemeinsame Familie als wesentlichen Faktor ihrer Beziehung unterhielten und hierbei auch auf den AAA als gemeinsamen Cousin mütterlicherseits zu sprechen kamen. Hierbei ist es naheliegend, dass KKK zunächst auf die aktuelle Neuigkeit beim Angeklagten AAA in der von DDD beschriebenen Weise abstellte, da dieser sich ja tatsächlich seit dem 18.03.2016 wegen „der Sache in Schwarzenbek“ in Untersuchungshaft befand.

127

Die Schilderung der Tat in Schwarzenbek war ausgesprochen detailreich und lässt sich ohne Weiteres mit den Feststellungen aufgrund der Aussage des Zeugen CCC in Übereinstimmung bringen: Die Tat habe einen Filialleiter des Edeka-Marktes in Schwarzenbek betroffen. Dieser habe in dem Laden etwas zu sagen gehabt. Er sei zuhause abgefangen worden. Er sei ins Auto verfrachtet und zum Laden verbracht worden. Er habe den Tresor aufmachen müssen. Er sei gefesselt worden. Man sei dann abgehauen. Es sei eine hohe Beute im fünfstelligen Bereich gemacht worden.

128

Auch der genannte Grund für das Gespräch von KKK und dem Angeklagten AAA ist schlüssig: Die Unzufriedenheit mit dem Mittäter aus den angeführten Gründen und das Werben um den Zeugen KKK, der sich ebenfalls im kriminellen Milieu aufhielt und zur Familie des AAA gehört, als neuen Partner für Straftaten werden nachvollziehbar ausgeführt. Es gehörte ersichtlich gleichsam zur Anwerbungsstrategie des AAA, von seinen erfolgreichen Straftaten als Referenz zu berichten, um dem KKK deutlich zu machen, wie leicht er mit AAA zusammen nach dessen „Masche“ mit entsprechenden Straftaten viel Geld verdienen könne.

129

In diesem Zusammenhang sind auch die genannten Angaben über den Überfall auf einen Baumarkt in der Nähe von München zu sehen, die durch die nachfolgend angeführten polizeilichen Erkenntnisse ohne Weiteres bestätigt werden:

130

Nach dem durch das Selbstleseverfahren eingeführten Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei Bad Oldesloe vom 09.11.2016 war der Bruder des JJJ im September 2014 in Germering gemeldet. Nach den im Selbstleseverfahren eingeführten Ermittlungsberichten der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck vom 21.09.2014 und 08.06.2015 wurde am 20.09.2014 um 20:26 Uhr nach Ladenschluss ein Baumarkt in Germering durch zwei maskierte Männer überfallen. Zwei Angestellte wurden unter Vorhalt von Pistolen dazu gezwungen, den Tresor zu öffnen, so dass die Täter, bei denen ein albanischer Akzent vermutet wurde, 40.000 Euro bis 70.000 Euro erbeuteten. Videoaufnahmen der beiden Täter beim Betreten des Baumarkts - unmaskiert - und bei der Tatausführung - verdeckte Gesichter - konnten gesichert werden. DNA-Spuren an der Wand neben dem Tresorraum - der eine Täter hatte einen Handschuh verloren und sich mit der nackten Hand abgestützt - und an der Kleidung eines der beiden überfallenen Angestellten konnte sichergestellt werden.

131

Ausführungen zu den Videoaufnahmen und zu den Spuren folgen im Nachstehenden.

132

Die Kammer ist angesichts der hier vorhandenen Beweismittel überzeugt davon, dass der Angeklagte AAA diesen Baumarkt überfallen hat. Dies folgt neben dem Umstand, dass der Überfall methodisch den früheren Taten des AAA entspricht, insbesondere aus der Übereinstimmung mehrerer von einer Überwachungskamera im Baumarkt in Germering von einem der dortigen Täter erfassten Bildschirmaufnahmen mit dem Angeklagten AAA. Die Kammer hat insoweit in der Hauptverhandlung u. a. zwei aus der entsprechenden Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft München stammende Lichtbilder in Augenschein genommen, welche Bildschirmaufnahmen der Aufzeichnung der Überwachungskamera im Eingangsbereich des Baumarkts in Germering zeigen und insbesondere ein halbseitliches Profil der linken Seite des Kopfes sowie von dieser Seite die Frisur, den Haaransatz und die Konturen von Nase, Kinn und dem linken Ohr des dortigen Täters zeigen. Wegen der Einzelheiten der Lichtbilder wird gemäß § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO - diese Norm gilt auch für die nachfolgenden Verweisungen - verwiesen auf Bl. 91, 92 des Sonderbandes Nachermittlungen. Ferner hat die Kammer in der Hauptverhandlung eine Version des Bildes von Bl. 92 des Sonderbandes Nachermittlungen in Farbe in Augenschein genommen. Wegen der Einzelheiten dieses Lichtbildes wird verwiesen auf Bl. 117 des Sonderbandes Nachermittlungen. Zudem hat die Kammer im Rahmen der Hauptverhandlung ein weiteres Bildschirmfoto aus der Aufzeichnung der Überwachungskammer im Eingangsbereich des Baumarktes in Germering sowie eine Ausschnittvergrößerung dieses Bildes in Augenschein genommen, welche ebenfalls insbesondere ein halbseitliches Profil der linken Seite des Kopfes sowie von dieser Seite die Frisur, den Haaransatz und die Konturen von Nase, Kinn und dem linken Ohr des dortigen Täters zeigen. Wegen der Einzelheiten der Lichtbilder wird verwiesen auf Bl. 121, 122 des Sonderbandes Nachermittlungen.

133

Dass es sich bei der auf den in Augenschein genommenen Bildern auf Bl. 91, 92, 117, 121 und 122 des Sonderbandes Nachermittlungen befindliche Person, welche jeweils beim Betreten des Baumarktes aufgenommen worden ist, um einen der Täter der dortigen Tat handelt, steht zur Überzeugung der Kammer fest aufgrund eines Vergleiches der Kleidung der dort zu sehenden Person, namentlich eines schwarzen Pullovers, einer dunklen Hose sowie schwarzer Schuhe mit einem auffälligen weißen, den Schuh über der Sohle umlaufenden sowie zweier weiterer kleinerer, weißer Streifen von der Schnürung zur Sohle, auch insoweit wird wegen der Einzelheiten auf die genannten Bilder Bezug genommen, mit der Kleidung der Person der Bildschirmaufnahme aus der Aufnahme einer weiteren Überwachungskamera desselben Baumarktes. Auf dieser Bildschirmaufnahme ist eine Person mit schwarzen Pulli, dunkler Hose und schwarzen Schuhen mit den gleichen auffälligen drei weißen Streifen zu sehen, die mit einer dunklen Tasche über der linken Schulter, weiße Handschuhe tragend mit einer silbernen Pistole über einer anderen, am Boden liegenden Person steht. Wegen der Einzelheiten dieses Bildes wird auf Bl. 125 des Sonderbandes Nachermittlungen Bezug genommen.

134

Die auf den Bildern auf Bl. 91, 92, 117, 121 und 122 des Sonderbandes Nachermittlungen befindliche Person stimmt wiederum derart signifikant mit dem Äußeren der entsprechenden Kopfpartie des Angeklagten AAA überein, dass der Kammer keine Zweifel daran verblieben sind, dass es sich bei der auf den o.g. Bildern abgelichteten Person um den Angeklagten AAA handelt. Hierbei hat die Kammer ihre Überzeugung aus einem Vergleich der Bilder mit dem persönlich anwesenden Angeklagten AAA sowie im Rahmen der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen und bereit o. a. Lichtbildern des Angeklagten AAA, welche im Rahmen seiner Festnahme vom 18.03.2016 gefertigt worden sind, gebildet. Auf dem ersten Bild ist der Angeklagten AAA in einem dunklen ADIDAS-Pullover am Fahrbahnrand stehend frontal von vorne zu sehen, so dass aus dieser Perspektive die Frisur, der Haaransatz, die Augen-, Mund-, Nasen und Kinnpartie sowie der Bartwuchs zu sehen sind. Wegen der Einzelheiten dieses Bildes wird auf Bl. 968 (Bild 01) des Hauptbandes VI Bezug genommen. Das andere Lichtbild zeigt den Angeklagten AAA stehend von der linken Seite, so dass hier ebenfalls das halbseitliches Profil der linken Seite des Kopfes sowie von dieser Seite die Frisur, den Haaransatz und die Konturen von Nase, Kinn und dem linken Ohr zu sehen sind. Wegen der Einzelheiten dieses Bildes wird auf Bl. 968 (Bild 02) des Hauptbandes VI und in Vergrößerung auf Bl. 93 des Sonderbandes Nachermittlungen Bezug genommen.

135

Dass die Tat in Germering entsprechend der Aussage des Zeugen DDD auch vom JJJ begangen worden sein könnte, folgt zusätzlich daraus, dass ausweislich des in der Hauptverhandlung verlesenen Behördengutachten des LKA Kiel vom 18.11.2016 JJJ bezüglich einer nach dem ebenfalls in der Hauptverhandlung verlesenen Spurenbericht vom 24.09.2016 sowie des durch das Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführten und bereits genannten Ermittlungsberichts der Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck vom 21.09.2014 von einer roten Jacke des im dortigen Verfahren Zeugen OOO entnommenen DNA-Auskratzung (Spur 1.1), welche dieser zum Zeitpunkt der Tat getragen hat, als Mitverursacher nicht ausgeschlossen werden konnte. Gleiches gilt ausweislich des genannten Gutachtens bezüglich einer Mischspur im Mauerbereich neben dem Türrahmen (Spur 3.3), hinsichtlich derer JJJ als Mitverursacher ebenfalls nicht ausgeschlossen werden konnte. Das Gutachten kommt hierbei zu dem Ergebnis, dass für JJJ DNA-Merkmale in acht Merkmalsystemen vorlagen. Diese Merkmale wurden vollständig in Spur 1.1. und bis auf eine Ausnahme (Allel SE 33: 16) in Spur 3.3. nachgewiesen. Hierbei verkennt die Kammer nicht, dass es sich um ein Indiz schwächeren Gewichts handelt, da JJJ zum einen bei beiden Spuren als Mitverursacher lediglich nicht ausgeschlossen werden konnte und es sich zum anderen bei der DNA-Spur an der Wand um eine Mischspur handelt, die von mindestens vier Personen verursacht worden ist und für die in mehreren PCR-Systemen keine Ergebnisse vorliegen.

136

Es sei bezüglich der Tat in Germering im Übrigen angemerkt, dass die Kammer nicht abschließend über die Schuld von AAA und JJJ hinsichtlich der Tat in Germering zu entscheiden hat, da dies Gegenstand des Verfahrens der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht München ist. Maßgebend ist im hiesigen Verfahren allein, ob durch die vorliegenden Erkenntnisse die Angaben des Zeugen DDD vom Hörensagen bezüglich der Tat in Germering gestützt werden oder aber als unzutreffend erscheinen. Angesichts der angeführten Erkenntnisse hinsichtlich der Tat in Germering – insbesondere frappierende Ähnlichkeit des AAA mit dem Bild des Täters, auf JJJ deutende DNA-Spuren, Methodik der Tat und in Germering gemeldeter Bruder des JJJ - werden diese Angaben des DDD gestützt und erweisen sich gerade nicht als falsch. Es besteht dementsprechend jedenfalls ein diesbezüglicher dringender Tatverdacht gegen den Angeklagten AAA und JJJ JJJ, so dass die Kammer – unabhängig von der bestehenden Überzeugung, dass AAA der Täter in Germering war - schon deshalb die Aussage des Zeugen DDD für glaubhaft hält.

137

Auch im Übrigen ist die Kammer davon überzeugt, dass der Zeuge DDD glaubwürdig und seine Aussage glaubhaft ist. Er war bei seiner Vernehmung in der Hauptverhandlung ersichtlich bemüht, in einer ruhigen und entschlossenen Art den von ihm angegebenen Weg zu gehen, mit seiner kriminellen Vergangenheit abzuschließen und die Wahrheit zu sagen. Die Kammer sieht auch, dass der Zeuge DDD sich dadurch Vorteile - beispielsweise in seinem eigenen Verfahren bzw. bezüglich des eigenen Status im Zeugenschutzprogramm - sich versprochen haben könnte, dass er die Angeklagten belastet. Auch sieht die Kammer, dass der Zeuge DDD gegenüber dem Angeklagten AAA ein Motiv zur Falschbelastung - nämlich Rache - haben könnte.

138

Denn es ist so, dass der Zeuge DDD durch den Angeklagten AAA in dem Strafverfahren 779 Js 17547/10 Staatsanwaltschaft Lübeck der Mittäterschaft der dort dem Angeklagten AAA und dem Zeugen DDD zur Last gelegten drei Raubtaten belastet wurde und der Angeklagte AAA deswegen seiner Einlassung zufolge in ein Zeugenschutzprogramm kam, wie auch der Zeuge DDD bekundet hat. Der Zeuge DDD hat des Weiteren auch bekundet, dass er im Verlaufe der dortigen Hauptverhandlung vor dem Landgericht Lübeck - welche dann mit dem durch das Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführte Urteil jenes Landgerichts vom 10.03.2011 - 7 KLs 38/10 endete - auch auf Grundlage der damaligen Aussage des Angeklagten AAA, dass er, der Zeuge DDD, an den im vorgenannten Verfahren gegenständlichen Taten mittäterschaftlich mitgewirkt habe, verurteilt wurde. Dieser Umstand führt aber allenfalls dazu, dass aus der damaligen Belastung des Zeugen DDD durch den Angeklagten AAA eine Motivation des Zeugen DDD erwachsen sein könnte, nunmehr im vorliegenden Verfahren Angeklagten AAA zu belasten, was der Zeuge DDD allerdings wie ausgeführt glaubhaft bestritten hat. Er hat stattdessen glaubhaft angegeben, dass seine Motivation gewesen sei, die an ihn von Polizeibeamten gerichtete Frage, ob er etwas zu den im vorliegenden Verfahren gegen die beiden Angeklagten sagen könne, wahrheitsgemäß beantwortet zu haben, da er insgesamt mit seiner kriminellen Vergangenheit abschließen wolle und zudem auch nicht fälschlicherweise mit den angeklagten Taten in Verbindung gebracht werden wollte. Dies hat er aus Sicht der Kammer auch nachvollziehbar damit begründet, dass gegen ihn damals ein Strafverfahren lief, in welchem er vor seiner Aussage bei der Polizei vom Landgericht Hamburg, in diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig, mit Urteil vom 05.10.2016 - eingeführt durch den Bericht des Vorsitzenden - zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt worden war und dass er nicht wisse, ob er durch seine Aussage gegen die Angeklagten AAA und BBB in seinem weiterer Verfahren Vorteile haben würde, dass dies für ihn jedoch auch nicht entscheidend sei, sondern vielmehr, dass er für sich die Entscheidung getroffen habe, künftig rückhaltlos die Wahrheit zu sagen, weil er sich nicht mehr in dem „Hamsterrad“ befinde. Auch habe ihm sein Verteidiger im Hinblick auf sein, des Zeugen DDDs eigenes Strafverfahren geraten, „reinen Tisch zu machen“, was der Zeuge Rechtsanwalt NNN, der sein Verteidiger in jenem Verfahren war und in dem Verfahren vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel als Zeugenbeistand des Zeugen DDD tätig war, im Rahmen seiner Vernehmung als Zeuge in der hiesigen Hauptverhandlung nach seiner Entbindung von der Schweigepflicht neben den Umständen der polizeilichen Vernehmungen als zutreffend bestätigt hat. Der Zeuge DDD hat auch deutlich gemacht, dass ihm wegen seiner die Angeklagten belastenden Aussage in diesem Verfahren bzw. in dem Verfahren vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel von Mitgefangenen gedroht worden sei und er in der Familie, mit Ausnahme seiner Eltern und seinen Geschwistern, nunmehr als Verräter gelte.

139

Selbst wenn der Zeuge DDD entgegen seiner vorstehend wiedergegebenen Bekundungen seine Aussage zumindest auch zur Erlangung von Vorteilen bzw. aus einer Art Rachegefühle gegenüber AAA gemacht haben sollte - wofür aufgrund des Aussageverhaltens des AAA in dem Prozess vor dem Landgericht Lübeck bereits die allgemeine Lebenserfahrung spricht - ergibt sich maßgeblich aus den anderen genannten Aspekten, dass eine solche etwaige Aussagemotivation des Zeugen DDD nicht entscheidend gegen die Richtigkeit seiner Angabe, dass er seine Informationen vom Zeugen KKK bezogen habe und diese ihrerseits zutreffen, spricht. Es ist auch nicht hinreichend ersichtlich, dass für den Zeugen DDD für seine Bekundungen bezüglich der Tat in Schwarzenbek und erst recht nicht in Bezug auf die Tat in Germering anderweitige Quellen außerhalb der Angaben des Zeugen KKK existierten.

140

Für die Richtigkeit der Angaben des Zeugen DDD und dafür, dass der Zeuge KKK wahrheitsgemäß von dem Gespräch mit dem Angeklagten AAA berichtet hat, spricht des Weiteren, dass beide verwandt und erheblich kriminell waren und sich nach der angesichts des auch nach Angaben des Zeugen KKK stattgefundenen Treffens in der Zelle glaubhaften Aussage des Zeugen DDD gut verstanden hatten. Es ist dementsprechend nicht ersichtlich, warum der Zeuge KKK dem Zeugen DDD die Unwahrheit bezüglich des Gesprächs mit dem Angeklagten AAA gesagt haben sollte.

141

Die Glaubhaftigkeit der Aussage des Zeugen DDD wird auch nicht durch die Aussagen der jeweils aus der Strafhaft vorgeführten Zeugen KKK und PPP erschüttert.

142

In Anbetracht des vorstehend Geschilderten glaubt die Kammer dem Zeugen KKK, der zwar ein 10-15minütiges Gespräch mit dem Zeugen DDD eingeräumt hat, der aber bekundet hat, dass nicht zwischen ihm und dem Zeugen DDD über den Angeklagten AAA gesprochen worden sei, letzteres nicht. Der Zeuge KKK wirkte unglaubwürdig, und seine Aussage war unglaubhaft. Dass der Zeuge KKK sich vielmehr bemüht hat, den Angeklagten AAA in Schutz zu nehmen, folgt daraus, dass er in der Hauptverhandlung bekundet hat, zu letzterem seit 2010 keinen Kontakt gehabt zu haben, was im Widerspruch zu der eigenen Einlassung des Angeklagten AAA vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel steht, dass auch der Zeuge KKK sich Ende 2015 in der Pizzeria seines Vaters aufgehalten und zum Beispiel Zugriff auf den Laptop gehabt haben könnte. Zudem hat der Zeuge KKK im Rahmen der hiesigen Hauptverhandlung erstmals bekundet, der Zeuge DDD habe ihn hauptsächlich deswegen aufgesucht, um ihm ein Handy der Marke Samsung zu übergeben, damit dies nicht bei dem Zeugen DDD gefunden werde. Dieser habe mit dem Handy sodann noch kurz mit seiner Mutter telefoniert. Obwohl das Handy nach den jetzigen Angaben des Zeugen KKK mithin der Hauptgrund für das Zusammentreffen gewesen sein soll und die Instruktionen hierzu sowie die Übergabe und das Telefonat in einem lediglich 10-15minütigem Zeitraum einen wesentlichen Teil ausgemacht haben dürfte, hat der Zeuge hiervon in Rahmen seiner Vernehmung vor der 1. großen Strafkammer nach den Bekundungen der damaligen Vorsitzenden Richterin, der Zeugin QQQ, kein Wort erwähnt. Diese hat glaubhaft ausgesagt, sie habe konkrete Erinnerungen an die Vernehmung des Zeugen KKK, dieser sei ausdrücklich gerade nach dem Inhalt des Zellengesprächs befragt worden und habe ein Handy als Gesprächsthema oder gar als Grund für das Gespräch nicht erwähnt. Gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussage spricht zudem, dass der Zeuge KKK diese infolge seiner erneuten Vernehmung offensichtlich den zeitlichen Gegebenheiten angepasst hat. Hatte der Zeuge im Rahmen seiner Aussage vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel, wie die Zeugin QQQ bekundet hat, noch angegeben, dass sich das Gespräch mit dem Zeugen DDD etwa ein bis zwei Monate vor seiner dortigen - im Dezember 2016 erfolgten - Vernehmung vor der 1. großen Strafkammer ereignet habe, hat er nunmehr angegeben, er sei am 24.04.2016 in die Justizvollzugsanstalt Lübeck gekommen und das Gespräch habe etwa ein Woche später stattgefunden. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Unglaubwürdigkeit des Zeugen KKK im Übrigen auch daraus folgt, dass er unmittelbar nach seiner Entlassung als Zeuge noch auf dem Zeugenstuhl sitzend in unangemessener Weise mit breitem Grinsen auf dem Gesicht rief, er hoffe, er habe helfen können. Offensichtlich sollte jeder im Gerichtssaal anwesenden Person vor Augen geführt werden, dass er - im Gegensatz zum Zeugen DDD - seinen Cousin AAA und den BBB nicht verrate.

143

Auch aufgrund der Aussage des Zeugen PPP geht die Kammer nicht davon aus, dass der Zeuge DDD seine Informationen von anderer Seite hat. Die Aussage des Zeugen PPP ist insoweit schon nicht hinreichend ergiebig. Er hat ausgesagt, er kenne den Angeklagten BBB, mit dem er gemeinsam auf einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Neumünster gewesen sei. Zutreffend sei auch, dass er für eine gewisse Zeit im Bereich der Justizvollzugsanstalt Lübeck gewesen und dort auf einige inhaftierte Albaner getroffen sei. Einen DDD kenne er aber nicht. Er wisse auch nicht, ob der Angeklagte BBB ihm von dessen Haftbefehl erzählt habe und ob er selbst hiervon anderen Personen in der Justizvollzugsanstalt erzählt habe.

144

Die Glaubhaftigkeit der Aussage des Zeugen DDD wird auch nicht durch den Umstand erschüttert, dass der JJJ in dem gegen ihn gerichteten Strafverfahren durch Urteil des Landgerichts Hamburg vom 14.12.2016 - in die Hauptverhandlung eingeführt durch Verlesen - trotz der Aussage des Zeugen DDD freigesprochen worden ist. Dem JJJ war in diesem Verfahren vorgeworfen worden, von November bis Dezember 2014 gemeinschaftliche schwere räuberische Erpressungen in acht Fällen durch Überfälle auf Sonnenstudios, Videotheken und eine Bäckerei begangen zu haben. Die dortige Kammer konnte sich nach den Urteilsgründen zwar aus der damaligen Aussage des Zeugen DDD nicht die erforderliche Überzeugung von der Täterschaft des JJJ bilden. Aus den Urteilsgründen ergibt sich aber, dass die Kammer den Zeugen DDD nicht für unglaubhaft gehalten hat; vielmehr hat der Zeuge DDD angegeben, nicht hundertprozentig sicher zu sein, dass die ihm vorgehaltenen Bilder des Täters auch den Angeklagten zeigen und er habe den JJJ auch das letzte Mal im Jahr 2009 gesehen. Insofern liegt dem Freispruch eine differenzierte Aussage des Zeugen DDD ohne besondere Belastungstendenz zugrunde, die schlichtweg für die Überführung nicht ausreichte. Dementsprechend führte die Kammer des Landgerichts Hamburg auch weiter aus, dass die eigene Inaugenscheinnahme von Lichtbildern und die Aussagen von weiteren 8 Zeugen ebenfalls für die Überführung des JJJ als Täter nicht ausreichten.

145

Die Kammer ist aus den genannten Gründen insgesamt davon überzeugt, dass die Belastung durch den Zeugen DDD auch der Wahrheit entspricht.

146

Die Täterschaft des Angeklagten AAA hinsichtlich der Tat in Schwarzenbek wird des Weiteren belegt durch folgende polizeiliche Erkenntnisse:

147

Der im LKA Schleswig-Holstein als Führungsbeamter für Vertrauenspersonen und Informanten arbeitende Zeuge und Kriminalbeamte RRR hat bekundet, dass ihm in seiner vorgenannten beruflichen Eigenschaft von einer Vertrauensperson - deren Identität er zwar nicht preisgegeben hat, da er insoweit nicht von seiner dienstlichen Schweigepflicht entbunden war, die er jedoch schon länger kenne und für vertrauenswürdig halte - Anfang Februar 2016 mitgeteilt worden sei, dass jene Vertrauensperson „einen JJJ“, „einen KKK“ und „einen AAA“ kenne und diese an Raubüberfällen zu Lasten von Edeka-Märkten im norddeutschen Raum beteiligt gewesen seien. Die Vertrauensperson habe ihm weiter mitgeteilt, dass die drei Vorgenannten für einen Überfall auf einen Markt in Nortorf Anfang 2015 verantwortlich seien und dass sie einen solchen Ende 2015 in der Nähe von Hamburg - Schwarzenbek ist weniger als 40 km von Hamburg entfernt - begangen hätten. Diese Personen seien auch alle schon in Haft gewesen und seien irgendwie miteinander verwandt oder kennen sich jedenfalls schon sehr lange. Bei den Taten sei auch jeweils eine Schusswaffe benutzt worden. Sie seien bei den Taten immer gut informiert, wüssten, wer da im Markt arbeitet und wann die anfangen. Er wisse auch, dass die eigentlich immer - möglicherweise aber auch zu anderen Zeiten - morgens früh die Überfälle machen, wenn noch keine Kunden im Markt sind. Weiter habe die Vertrauensperson mitgeteilt, dass sich der AAA gut mit der Polizei auskenne, dieser bei einem Pizzaservice in Bad Segeberg arbeite und einen dicken Schlitten - wohl einen dunklen Mercedes - fahre. Durch diese Angaben kamen die Ermittlungsbehörden auf die Spur des Angeklagten AAA und konnten ihn nach gerichtlich angeordneter Observation unter Einsatz technischer Mittel im Rahmen der Tat in Wrist festnehmen. Auffällig ist, dass die Angaben der Vertrauensperson sich angesichts der weiteren Erkenntnisse bestätigt haben. So kennt sich AAA tatsächlich gut mit der Polizei aus, da er sich bereits bis zu seiner Entlassung wegen Unzuverlässigkeit im Zeugenschutzprogramm befunden hat. Auch gab es einen unaufgeklärten Überfall auf einen Edeka-Markt in Nortorf im März 2015. Des Weiteren entspricht die beschriebene Vorgehensweise am Morgen der Tatbeschreibung des AAA gegenüber dem Zeugen KKK, die er als erfolgreiches Geschäftsmodell vorstellte. Außerdem war die Tat in Schwarzenbek offensichtlich gut vorbereitet worden. Im Übrigen gibt es die angegebene Verwandtschaft des AAA zum Zeugen KKK bzw. die Beziehung zu JJJ, der sich gegenüber der Kammer bereits vorab über seinen Verteidiger auf sein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO bezogen hat und nicht zur Zeugenaussage bereit war. Schließlich gibt es einen Bezug des Angeklagten AAA zu dem Pizzaservice seines Vaters und zum Benutzen eines dunklen PKW Mercedes. Die Kammer hält es im Übrigen für ausgeschlossen und abwegig, dass es sich bei der Anfang Februar 2016 vernommenen Vertrauensperson um den Zeugen DDD handelt. Dies folgt schon daraus, dass polizeilich die Meldung einer solchen Übereinstimmung unbedingt erfolgen würde und der Zeuge DDD auch erst Ende Oktober 2016 von der Polizei kontaktiert und dann Anfang November 2016 vernommen wurde.

148

Für die Täterschaft des Angeklagten AAA spricht ergänzend, dass sich das Handy iPhone 6 mit der SIM Karten- Mobilfunknummer 01.... zu den Tatzeiten im Bereich einer Funkzelle befand, welche die Tatorte in Grabau bzw. in Schwarzenbek abdeckte und das Handy aus dieser Funkzelle in etwa synchron zum Ende der Tatbegehung heraus bewegt wurde. Dass es sich bei diesem Handy um seines handelte, hat der Angeklagte AAA in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel selber angegeben, wobei er sich dahin eingelassen hat, dieses Handy in 2015 gekauft zu haben, dieses sei jedoch bis etwa Januar 2016 hauptsächlich, auch nachts, in der Pizzeria seiner Eltern verblieben, so dass „jeder“, Angestellte, Freunde und Familie, Zugriff darauf gehabt hätten. Der Sachverständige SSS, Kriminalbeamter des LKA Schleswig-Holstein, hat nach einem entsprechenden Auftrag der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel die Funkzellen ausmessen können. Er hat dazu eine grafische Aufbereitung angefertigt, die in der Hauptverhandlung in Augenschein genommen und vom Sachverständigen SSS erläutert worden ist. Danach liege es so, dass aus dem Netz stündlich der Standort eines eingeschalteten Smartphones abgefragt werde. Nach dem Ergebnis des in die Hauptverhandlung im Selbstleseverfahren eingeführten polizeilichen Funkzellenauswerteberichtes habe sich nach den weiteren Ausführungen des Sachverständigen SSS ergeben, dass sich das o.g. Smartphone während der Tatzeit am Morgen des 26.12.2015 nicht an der gemeldeten Wohnanschrift des Angeklagten AAA in Schwarzenbek befunden habe. Vielmehr habe es sich zu jener Zeit im Bereich der Funkzelle befunden, welche sowohl den Bereich der Wohnung des Zeugen CCC in Grabau wie auch den des Edeka Marktes in Schwarzenbek abdeckt. Der Sachverständiger SSS hat des Weiteren nachvollziehbar dargelegt, dass es exakt um 02:24:42 Uhr am 26.12.2015 zu einem Wechsel der Funkzelle durch das o.g. Smartphone kam, welches sich nur durch eine entsprechende Bewegung jenes Smartphone erklären lasse. Dies wiederum deckt sich damit, dass etwa zum vorgenannten Zeitpunkt die Täter den Edeka-Markt in Schwarzenbek verließen. Der hat im Rahmen seiner Ausführungen auch bekundet, dass nach den von ihm bei dem Netzbetreiber Vodafone GmbH eingeholten Informationen der Abdeckungsbereich der Funkzellen im Zeitpunkt der von ihm vorgenommenen Ausmessung nahezu identisch sei mit dem im Zeitpunkt der Taten in Grabau bzw. Schwarzenbek.

149

Soweit sich der Angeklagte AAA dahin eingelassen hat, dass sein Handy insbesondere von Fahrern, die Pizzen vom Betrieb seines Vaters auslieferten, benutzt wurde, dies insbesondere auch als Navigationsgerät, erklärt dies nicht eine Benutzung durch eine andere Person als die des Angeklagten AAA in der hier interessierenden Nachtzeit. Allerdings ist sich die Kammer darüber bewusst, dass diesem Indiz nur ein schwächeres Gewicht in Bezug auf die Frage nach der Täterschaft des Angeklagten AAA zukommt, da das Handy jedenfalls im Grundsatz auch von einer dem Angeklagten AAA nahen Person, insbesondere einem Mitglied seiner Familie, welches auch nach Geschäftsschluss der Pizzeria Zugriff auf das Handy gehabt haben könnte, auch in der fraglichen Nacht hätte genutzt worden sein könnte.

150

Für eine Täterschaft des Angeklagten AAA spricht auch der bereits angeführte Umstand, dass in dem im Vorfeld der Tat in Schwarzenbek benutzte Audi A8 DNA-Spuren des Zeugen CCC gefunden wurden. Das Auffinden jener Spur ist ein starkes Indiz dafür, dass jedenfalls einer der Mittäter des Geschehens vom 26.12.2015 in Grabau und Schwarzenbek anlässlich eben jenen Geschehens mit dem Zeugen CCC selbst oder aber mit Spuren des Zeugen CCC aus dem Transportfahrzeug in Kontakt kam - andere Varianten des Kontaktes mit diesem kommen lebensnah nicht in Betracht - und in der Zeit nach jenem Geschehen eine Spur dieses Kontaktes in dem o.g. Audi A8 angetragen hat. Unabhängig von der Frage, wer tatsächlicher Käufer des Audi A8 war, besteht angesichts der gemeinsamen Fahrt zum Kauf und der gemeinsamen Benutzung des Wagens bei der Tat in Wrist jedenfalls eine Nähe beider Angeklagter zu dem Wagen, was ein Indiz für eine Nähe zumindest eines der beiden Angeklagten zu den Tätern des hier zu erörternden Tatgeschehens ist.

151

Für die Täterschaft des Angeklagten AAA spricht außerdem der Umstand, dass ihm die Begehung entsprechender Taten nicht fremd ist. So weisen die oben angeführten Straftaten bis zur Verurteilung durch das Landgericht Lübeck erhebliche Parallelen zu dem Geschehen auf. Auch zeigt gerade die - rechtskräftig abgeurteilte - Tat in Wrist, dass der Angeklagte AAA bereit war, entsprechende Taten zu begehen. Es besteht eine deutliche Ähnlichkeit der Tat in Wrist zum Tatgeschehen in Schwarzenbek - insbesondere hinsichtlich Bedrohung und Fesselung eines Mitarbeiters eines Edeka-Marktes unter Maskierung und Benutzen einer Pistole mit dem Ziel, diesen dazu zu bewegen, insbesondere den Zugang zu Geld im Marktgebäude zum Zwecke dessen Wegnahme zu ermöglichen. Dass die Angeklagten folglich im Anschluss an die sie belastenden Angaben der Vertrauensperson und nur etwa zwei Monate nach dem Tatgeschehen in Schwarzenbek ein der Tat in Schwarzenbek vergleichbares Delikt in die Tat umsetzen wollten, stellt nicht nur ein weiteres gewichtiges Indiz für die Richtigkeit der Angaben der Vertrauensperson und des Zeugen DDD in Bezug auf die Beteiligung beider Angeklagte eben auch an der Tat in Schwarzenbek dar, sondern bestärkt die Kammer insgesamt weiter in ihrer Überzeugung, dass der Angeklagten die Tat wie unter IV. dargestellt begangen hat.

152

Für eine Täterschaft des Angeklagten AAA spricht des Weiteren, dass – wie bereits ausgeführt wurde - die bei der Tat in Schwarzenbek verwendeten Kabelbinder entsprechend des im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten polizeilichen Berichts zum Vergleich der Kabelbinder vom 02.03.2016 von der gleichen Art hinsichtlich Länge, Breite, Farbe und äußeren Gestaltung - die ersten 11 cm inklusive Kopf ohne Befestigungsrillen, die letzten 3 cm der Lasche ohne Befestigungsrillen, unmittelbar nach dem Kopf kommend eine Kreisapplikation, eine Ziffer zwischen 10 und 20, danach folgend ein „E“ und Kreisapplikationen auf der glatten Seite in unregelmäßigen Abständen - sind wie die, welche die Angeklagten bei der Tat in Wrist verwenden wollten. Entsprechendes gilt für die in Wrist geplante Verwendung von Pistole, Sturmhauben und Handschuhe, die Parallelen zu der Tatausführung in Schwarzenbek hat. Der Inhalt der nach der Tat von Wrist aufgefundenen und zuvor von den Angeklagten verwendeten Tasche mit den Utensilien zur Durchführung der Tat in Wrist - u. a. 2 x 2 bereits zur Fesselung vorbereitete Kabelbinder, 1 Schreckschusspistole, 2 schwarze Sturmhauben und Einweghandschuhe - ergibt sich aus dem im Wege des Selbstleseverfahrens eingeführten Berichts der Kriminalinspektion Bad Oldesloe vom 26.02.2016.

153

Dass der Angeklagte AAA bei dem Geschehen in Schwarzenbek auch als einer der drei Haupttäter an dem Geschehen in Grabau und Schwarzenbek beteiligt war, folgt nicht nur aus der Bekundung des Zeugen DDD, nach welcher der Angeklagte sich als Drahtzieher des Überfalls darstellte, das meiste Geld als Tatinteresse für sich in Anspruch nahm und nach dem Geschehen in Schwarzenbek einen neuen Mittäter suchte, da der BBB zu viel forderte, sondern ergänzend auch daraus, dass der Angeklagte AAA auch bei den durch das Selbstleseverfahren eingeführten Urteilen immer mittäterschaftlich an jeweils schweren Raubtaten mitwirkte und er bei der Verurteilung durch das Amtsgericht Bad Segeberg vom 27.07.2006 in beiden dort verurteilten Fällen bei der Tatbegehung mit einer Schreckschusspistole bewaffnet war sowie bei der Verurteilung durch das Landgericht Lübeck vom 10.03.2011 in zweien der drei Fälle bei Tatbegehung selbst mit einem Schreckschussrevolver bewaffnet war.

154

Die Kammer ist überzeugt davon, dass auch der Angeklagte BBB mindestens in der Weise an der Tat beteiligt war wie festgestellt. Dies folgt zunächst ebenfalls aus den dazu gemachten glaubhaften Bekundungen des Zeugen DDD. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Zeugen DDD und der Glaubhaftigkeit seiner Aussage wird zunächst Bezug auf die o. a. Ausführungen genommen. Hinzu kommt Folgendes:

155

Der Zeuge DDD hat als denjenigen Täter in Schwarzenbek, mit welchem der Angeklagte AAA unzufrieden sei, weil dieser für seine Mitwirkung bei Taten zu viel verlange, unter Bezugnahme auf die ihm vom Zeugen KKK gegebenen Informationen aus dessen Gespräch mit dem Angeklagten AAA den Angeklagten BBB mit Vor- und Nachnamen benannt und diesen als jüngeren Albaner von 21, 22 Jahren bezeichnet. Tatsächlich war der am 20.02.1994 geborene Angeklagte BBB bei Begehung der Tat in Schwarzenbek 21 Jahre und 10 Monate alt. Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich geworden, dass der Zeuge DDD - der in Bezug auf den Angeklagten AAA wie dargelegt die Wahrheit gesagt hat - insoweit die Unwahrheit gesagt hat und den Angeklagten BBB zu Unrecht belastet hat. Nach seiner eigenen durch andere Ergebnisse der Beweisaufnahme nicht infrage gestellten Bekundung kennt der Zeuge DDD den Angeklagten BBB nicht einmal. Hinreichende Gründe dafür, dass der Zeuge DDD den Angeklagten BBB ohne realen Hintergrund - in diesem Fall stammend aus dem Gespräch des Zeugen DDD mit dem Zeugen KKK - als Mittäter benannt hat, sind nicht ersichtlich.

156

Für die Beteiligung des Angeklagten BBB spricht auch - unabhängig von der Frage der Käuferstellung - dessen grundsätzlich bestehende Beziehung zu dem Audi A8 - der jedenfalls im Vorfeld der Tatbegehung in Schwarzenbek eine Rolle spielte und bei der Tat in Wrist benutzt wurde -, die sich nicht nur in der Beteiligung des Angeklagten BBB an dessen Ankauf, sondern auch darin ausdrückt, dass der Angeklagte BBB - wie bereits angeführt wurde - die Fahrzeugpapiere sowie zwei Fahrzeugschlüssel für jenen Wagen bei sich zu Hause aufbewahrte.

157

Für seine Beteiligung spricht auch, dass ausweislich des im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten Gutachtens des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein vom 05.04.2016 an den von den Tätern im Fall Schwarzenbek zur Fesselung des Zeugen CCC verwendeten und miteinander verbundenen Kabelbindern als Mischspur neben den vollständig nachgewiesenen DNA des Zeugen CCC in zwei Spuren DNA - wobei die DNA aus Abrieben der Kabelbinder extrahiert und diese dann im PCR-System Amelogenin und 16 autosomalen PCR-Systemen amplifiziert wurde - sichergestellt werden konnte, die im DNA-Profil des Angeklagten BBB - wegen des Umstandes, dass der DNA-Gehalt der Spuren gering war und die Merkmale der einzelnen Bestanteile nicht vollständig erfasst wurden nur jeweils mit einer Ausnahme und dementsprechend nicht vollständig - vorkommen. Für eine der beiden Spuren (Spur 23.1.1) liegt die Häufigkeit, mit der eine beliebige Person ein zu den Fremdmerkmalen passendes Profil aufweist, bei ungefähr einer von 11.000 Personen, für die Spur 23.1.2 liegt sie bei einer von 17.000 Personen. Damit besteht zumindest eines gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte BBB mit diesen Kabelbindern in Berührung gekommen ist. Dabei kann die Kammer es dahinstehen lassen, ob die Einlassung des Angeklagten BBB vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel dazu, wann und unter welchen begleitenden Umständen er dem Angeklagten AAA Kabelbinder, die vom Typus her die gleichen sind wie die bei der Tat in Schwarzenbek verwendeten, im Tausch gegen schwarze Kabelbinder gegeben habe, zutrifft. Denn selbst wenn es einen solchen - von dem Angeklagte AAA abgestrittenen – Tausch gegeben haben sollte, spräche ein solcher nicht dagegen, dass der Angeklagte BBB in die Tat in Grabau / Schwarzenbek jedenfalls in dem Maße wie festgestellt eingebunden war. Ungeachtet dessen gibt es einige Aspekte, die gegen die Richtigkeit der Angaben des Angeklagten BBB in Bezug auf den Tausch von Kabelbindern sprechen. Beispielsweise hat er sich vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel dahin eingelassen, dass beide ihm vom Angeklagten AAA gegebenen Packungen mit schwarzen Kabelbindern geschlossen gewesen seien. Er habe diese wie auch eine Packung mit weißen Kabelbindern, aus der sie welche für die Tat in Wrist entnommen hatten, vor der Begehung der geplanten Tat in Wrist im Bereich der Dämmwolle auf dem Boden des Hauses seiner Eltern versteckt. Dass er eine von den Packungen mit den schwarzen Kabelbindern geöffnet hätte, sei ihm nicht bewusst. Diese Einlassung des Angeklagten BBB steht im Kontrast dazu, dass ausweislich des im Rahmen des Selbstleseverfahrens in der Hauptverhandlung eingeführten polizeilichen Durchsuchungsberichtes vom 23.08.2016 neben einer Packung mit weißen Kabelbindern lediglich eine Packung mit schwarzen Kabelbindern gefunden wurde. Darüber hinaus hat der Angeklagte BBB auf die an ihn in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel gestellte Frage danach, warum er die schwarzen Kabelbinder versteckt habe, lediglich zu erklären vermocht, dass er dies nicht sagen könne, es seien ja „irgendwie nicht“ seine gewesen. Diese Antwort ist schon vor dem Hintergrund nicht überzeugend, als nach der eigenen Einlassung des Angeklagten BBB ihm die schwarzen Kabelbinder vom Angeklagten AAA im Tausch für weiße Kabelbinder überlassen worden sein sollen, sie ihm also auch gehört hätten. Aus Sicht der Kammer stellt sich ohnehin die Frage, warum der Angeklagte BBB auch die schwarzen Kabelbinder versteckt hat. Denn diese stehen in keinerlei Zusammenhang zu einer der angeklagten Taten. Für den Fall, dass der Angeklagte BBB es nicht ausgeschlossen haben sollte, dass es einmal zu einer Hausdurchsuchung bei ihm kommen könnte, hätten die bei ihm aufgefundene schwarze Kabelbinder ihn in Anbetracht des Umstandes, dass bei den angeklagten Taten weiße Kabelbinder verwendet worden sind, eher entlasten können. Durch das Verstecken jener schwarzen Kabelbinder und durch Bekanntgabe jenes Verstecks in der Hauptverhandlung vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel, woraufhin sie auch gefunden wurden, hat er geradezu sicherstellen können, dass die schwarzen Kabelbinder bei ihm gefunden werden. Insgesamt erscheint der Kammer danach die Einlassung des Angeklagten BBB vor der 1, großen Strafkammer des Landgerichts Kiel zu dem angeblichen Tausch von Kabelbindern mit dem Angeklagten AAA und das Verstecken schwarzer Kabelbinder auch möglicherweise dadurch motiviert, eine vermeintlich schlüssige Darstellung dafür zu liefern, dass sich DNA des Angeklagten BBB an bei den Überfällen verwendeten Kabelbindern findet, ohne dass er dadurch als Täter überführt werden würde.

158

Für eine Tatbeteiligung des Angeklagte BBB in Schwarzenbek spricht ganz erheblich, dass er nach seinem Geständnis und den insoweit rechtskräftigen Feststellungen bezüglich der Tat in Wrist dort gerade mit dem Angeklagten AAA zusammen nur etwa 2 Monate nach dem Tatgeschehen in Schwarzenbek einen schweren Raub begehen wollte, der ganz erhebliche Parallelen zu der Tat in Schwarzenbek aufweist. Hinsichtlich dieser Ähnlichkeit - insbesondere hinsichtlich der Taten selbst und der Tatmittel - wird auf die entsprechenden o. a. Ausführungen hinsichtlich der Täterschaft des Angeklagten AAA Bezug genommen.

159

Wie bereits ausgeführt wurde, kann die Kammer nicht ausschließen, dass dem Angeklagten BBB bei der Tat in Grabau und Schwarzenbek eine eher untergeordnete Rolle zukam. Dies entspricht im Übrigen auch der Bekundung des Zeugen DDD, der Angeklagte AAA habe Ärger mit dem BBB wegen der Tat in Schwarzenbek, weil der zu viel fordere. Denn dies könnte sich auf einen nur geringeren Tatbeitrag des Angeklagten BBB in Schwarzenbek beziehen, welcher nun in Wrist vor dem Hintergrund, dass die Bemühungen des Angeklagten AAA um Gewinnung eines anderen Mittäters für weitere Taten entsprechend der Bekundungen des Zeugen DDD nach dankendem Ablehnen durch den Zeugen KKK fehlgeschlagen waren, zur Rechtfertigung etwaiger höherer Beteiligungsforderung auch in qualifizierter Weise an der Begehung der Tat hatte mitwirken sollen.

VI.

160

Die Angeklagten haben sich damit wie folgt strafbar gemacht.

161

1. Der Angeklagte AAA:

162

Der Angeklagte AAA hat sich wegen mittäterschaftlich begangenen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerem Raub gemäß §§ 239a, 249, 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 25 Abs. 2 StGB strafbar gemacht. Der Angeklagte AAA war durchgehend mitagierend ab der Bemächtigung des Zeugen CCC in dessen Wohnhaus und mindestens im Wissen darum, dass der Zeuge CCC von einem Mittäter durch Vorhalt Waffe, die einer echten zumindest sehr ähnlich sieht, mindestens konkludent und im weiteren Verlauf auch ausdrücklich mit dem Verlust seines Lebens bedroht wurde für den Fall, dass er nicht allen Mittätern den Zugang zu den Safes im Edeka Markt in Schwarzenbek und damit die Wegnahme des darin liegenden Geldes und weitere Wertgegenstände ermögliche, bis zum Verlassen des Tatortes in Schwarzenbek mit der Tatbeute an dem festgestellten Geschehen beteiligt. Damit war er Mittäter jener Tat, da er seinen Beitrag als Teil der Tätigkeit der anderen und umgekehrt deren Tun als Ergänzung seines eigenen Tatanteils wollte.

163

Für die Kammer war hingegen nicht festzustellen, ob das zunächst mitgeführte Messer letztlich auch als Nötigungsmittel zur Wegnahme des Geldes aus den Tresoren verwendet worden ist. Die Tat selber stellt sich deshalb als schwerer Raub gemäß §§ 249, 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 25 Abs. 2 StGB dar und zusätzlich auch als erpresserischer Menschenraub gemäß §§ 239a, 25 Abs. 2 StGB. Voraussetzung für den letztgenannten Tatbestand ist, dass die Bemächtigungssituation im Hinblick auf die erstrebte Erpressungshandlung eine eigenständige Bedeutung hat; sie erfordert daher eine gewisse Stabilisierung der Beherrschungslage, die der Täter zur Erpressung ausnutzen will. Eine solche Stabilisierung hat in Anbetracht des Tatgeschehens, was insgesamt etwa eine Dreiviertelstunde, während der sich der Zeuge CCC in der Gewalt des Angeklagten und seiner Mittäter befand, dauerte, stattgefunden. Dabei kann dahin gestellt sein, ob sich der Angeklagte AAA eine spätere Wegnahme vorstellte, da der Raub einen Spezialfall der Erpressung darstellt, so dass auch die Absicht ausreicht, mit den Mitteln des § 239a StGB einen Raub zu ermöglichen (BGH, Beschl. vom 13.11.2012 - 3 StR 422/12).

164

Der Angeklagte AAA hat sich nach der rechtskräftigen Verurteilung des Urteils der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17. Januar 2017, dort Fall II. 2., zudem einer Verabredung zu einem besonders schweren Raub gemäß §§ 250 Abs. 2 Nr. 1 a), 25 Abs. 2, 30 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 StGB strafbar gemacht.

165

Der erpresserische Menschenraub und der schwere Raub stehen zueinander in Tateinheit gem. § 52 StGB, die Verabredung zu einem besonders schweren Raub dazu in Tatmehrheit gemäß § 53 StGB.

166

2. Der Angeklagte BBB

167

Der Angeklagte BBB hat sich entsprechend der o. a. Ausführungen wegen Beihilfe zu einem mittäterschaftlich begangenen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerem Raub gemäß §§ 239a, 249, 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 25 Abs. 2, 27 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.

168

Zudem hat sich der Angeklagte BBB wie der Angeklagte AAA nach der rechtskräftigen Verurteilung nach des Urteils der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17. Januar 2017, dort Fall II. 2., wegen einer Verabredung zu einem besonders schweren Raub gemäß §§ 250 Abs. 2 Nr. 1 a), 25 Abs. 2, 30 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 StGB strafbar gemacht.

169

Die Beihilfe zu einem in Tateinheit zu einem schweren Raub stehenden erpresserischen Menschenraub und die Verabredung zu einem besonders schweren Raub stehen in Tatmehrheit gemäß § 53 StGB.

VII.

170

Für ihre Taten hat die Kammer die Angeklagten wie folgt bestraft:

171

1. Den Angeklagte AAA

172

Auszugehen war gemäß § 52 Abs. 2 StGB bei der Strafzumessung von § 239a Abs.1 StGB, der in Verbindung mit § 38 StGB Freiheitsstrafe von 5 bis zu 15 Jahren vorsieht.

173

Dabei hat die Kammer zunächst geprüft, ob die Voraussetzungen für einen minder schweren Fall gemäß § 239 a Abs. 2 StGB vorliegen. Ein solcher minder schwerer Fall liegt ersichtlich nicht vor. Bei der konkreten Strafzumessung sprach gegen den Angeklagten AAA, dass er ganz erheblich und hinsichtlich des schweren Raubes einschlägig vorbestraft ist und bereits Strafhaft verbüßt hat, dass er durch die Verwendung der genannten Tatmittel erhebliche kriminelle Energie gezeigt hat und die Beute besonders hoch war. Zulasten des Angeklagten AAA spricht des Weiteren ganz erheblich das Eindringen in das Haus des schlafenden Zeugen CCC, dessen Behandlung und die im hohen Maße nachteiligen Folgen für diesen. Auf die entsprechenden Feststellungen wird Bezug genommen. Hierbei verkennt die Kammer nicht, dass allein von der hohen Strafdrohung des § 239a Abs. 1 StGB schon ein gewisses Maß an Angst des Tatopfers und auch an psychischen Folgen Berücksichtigung findet. Für den Angeklagten AAA spricht insbesondere die durch das zum Teil erfolgreiche Revisionsverfahren und die Teilaufhebung des vorherigen Urteils eingetretene Verfahrensverzögerung und der Umstand, dass er sich – auch hierdurch - bereits seit dem 18.03.2016 in Untersuchungshaft befindet.

174

Insgesamt hält die Kammer hinsichtlich dieser Tat in Grabau und Schwarzenbek auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass nunmehr nur ein schwerer Raub und kein besonders schwerer Raub vorliegt, nach Abwägung aller Umstände zwar eine Einzelstrafe von mehr als 7 Jahren für tat- und schuldangemessen, ist aber unter Beachtung des § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO an der Verhängung einer höheren Strafe als im angeführten Urteil der 1. großen Strafkammer - dort Freiheitsstrafe von 7 Jahren als Einzelstrafe - gehindert. Dementsprechend hat die Kammer gegen den Angeklagten AAA diesbezüglich als Einzelstrafe eine Freiheitstrafe von 7 Jahren festgesetzt.

175

In der Entscheidung der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17. Januar 2017, dort Fall II. 2., ist der Angeklagte wegen der Verabredung zu einem besonders schweren Raub zudem rechtskräftig zu einer Freiheitstrafe von 2 Jahren 6 Monaten verurteilt worden, welche vorliegend in eine Gesamtstrafe mit einzubeziehen war.

176

Bei der nach § 54 StGB gebotenen Bildung eine Gesamtfreiheitsstrafe hat die Kammer die gegen den Angeklagten AAA verhängte Freiheitsstrafe von 7 Jahren als Einsatzstrafe zugrunde gelegt und unter zusammenfassender Würdigung seiner Person und der einzelnen Straftaten auf eine tat- und schuldangemessene Gesamtfreiheitsstrafe erkannt. Hierbei hat die Kammer nochmals alle für und gegen den Angeklagten AAA sprechenden Umstände gewürdigt, wobei sie zu seinen Gunsten den engen inhaltlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen den Taten in Schwarzenbek und Wrist berücksichtigt hat. Die Kammer hätte diesbezüglich zwar grundsätzlich eine Gesamtfreiheitsstrafe von mehr als 8 Jahren und 3 Monaten für tat- und schuldangemessen erachtet. Hierbei hat sie durchaus gesehen, dass wegen der vorläufigen Einstellung des Falles 4 der Anklage die von der 1. großen Strafkammer diesbezüglich verhängte Einzelstrafe von 8 Monaten weggefallen ist und hat nochmals die genannte Verfahrensverzögerung und die lange Untersuchungshaft berücksichtigt.

177

Die Kammer ist aber unter Beachtung des § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO an der Verhängung einer höheren Gesamtstrafe als im Urteil der 1. großen Strafkammer - dort Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Jahren und 3 Monaten - gehindert.

178

Sie hat dementsprechend unter Erhöhung der Einsatzstrafe von 7 Jahren, von der sie bei der Bildung der Gesamtstrafe auch ausgegangen ist, gegen den Angeklagten AAA eine Gesamtfreiheitstrafe von 8 Jahren und 3 Monaten festgesetzt.

179

2. Den Angeklagte BBB

180

Bezüglich des Angeklagten BBB richtet sich die Strafe für den Gehilfen gemäß § 27 Abs. 2 Satz 1 StGB nach der Strafdrohung für den Täter. Im Ausgangspunkt sieht § 239a StGB i. V. m. § 38 Abs. 2 StGB für die u.a vom Angeklagten AAA begangene Haupttat einen Strafrahmen von 5 bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe vor. Maßgeblich für die Einordnung der Schuld des Gehilfen ist indessen das Gewicht seiner Beihilfehandlung, wenn auch die Schwere der Haupttat mit zu berücksichtigen ist (vgl. BGH, Beschlüsse vom 19.03.2003 - 2 StR 530/02 - sowie vom 30.03.2011 - 5 StR 12/11). Ist die Haupttat nicht als minder schwerer Fall einzustufen, folgt hieraus nicht ohne Weiteres, dass dies auch für die Tat des Gehilfen gilt (vgl. BGH, Beschluss vom 30.03.2011 – 5 StR 12/11).

181

Unter Zugrundelegung der oben dargestellten Maßstäbe im Zusammenhang mit der Annahme eines minder schweren Falles hat die Kammer zugunsten des Angeklagten BBB berücksichtigt, dass dieser unvorbestraft ist und zum Zeitpunkt der Tatbegehung noch nicht allzu lange Zeit der Anwendbarkeit des Jugendstrafrechts entwachsen war. Zu seinen Gunsten zu berücksichtigen war des Weiteren die durch das zum Teil erfolgreiche Revisionsverfahren und die Teilaufhebung des vorherigen Urteils eingetretene Verfahrensverzögerung. Auf der anderen Seite waren auch zu seinen Lasten zu berücksichtigen, dass bei der Haupttat tateinheitlich ein schwerer Raub begangen wurde und die bereits bei dem Angeklagten AAA erörterten Besonderheiten bei der Tatbegehung vorlagen und es zu den dort ebenfalls bereits beschriebenen Folgen der Tat für den Zeugen CCC gekommen ist. Unter Berücksichtigung insbesondere der vorgenannten Aspekte und unter weiterer Berücksichtigung der Beute von etwa 60.000 € hat die Kammer keinen minder schweren Fall angenommen. Dies hat sie auch nicht unter weiterer Berücksichtigung des Umstandes, dass nur eine Beihilfe vorlag, getan.

182

Allerdings war nach den §§ 49, 27 Abs. 2 Satz 2 StGB die Strafe für den Angeklagten BBB obligatorisch zu mildern, so dass die Strafe für ihn einem Rahmen von Freiheitsstrafe von 2 Jahren bis zu 11 Jahren und 3 Monaten zu entnehmen war.

183

Insgesamt hält die Kammer hinsichtlich dieser Tat in Grabau und Schwarzenbek nach Abwägung aller Umstände auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass nunmehr nur eine Beihilfe zu einem schweren Raub und nicht zu einem besonders schweren Raub vorliegt, nach Abwägung aller Umstände zwar eine Einzelstrafe von mehr als 3 Jahren für tat- und schuldangemessen, ist aber unter Beachtung des § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO an der Verhängung einer höheren Strafe als im Urteil der 1. großen Strafkammer - dort Freiheitsstrafe von 3 Jahren als Einzelstrafe - gehindert. Dementsprechend hat die Kammer gegen den Angeklagten BBB diesbezüglich als Einzelstrafe eine Freiheitstrafe von 3 Jahren festgesetzt.

184

In der Entscheidung der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel vom 17. Januar 2017, dort Fall II. 2., ist der Angeklagte wegen der Verabredung zu einem besonders schweren Raub zudem rechtskräftig zu einer Freiheitstrafe von 2 Jahren verurteilt worden, welche vorliegend in eine Gesamtstrafe mit einzubeziehen war.

185

Bei der nach § 54 StGB gebotenen Bildung eine Gesamtfreiheitsstrafe hat die Kammer die gegen den Angeklagten BBB verhängte Freiheitsstrafe von 3 Jahren als Einsatzstrafe zugrunde gelegt und unter zusammenfassender Würdigung seiner Person und der einzelnen Straftaten auf eine tat- und schuldangemessene Gesamtfreiheitsstrafe erkannt. Hierbei hat die Kammer nochmals alle für und gegen den Angeklagten BBB sprechenden Umstände gewürdigt, wobei sie zu seinen Gunsten den engen inhaltlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen den Taten in Schwarzenbek und Wrist berücksichtigt hat.

186

Die Kammer hätte diesbezüglich zwar grundsätzlich eine Gesamtfreiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren und 9 Monaten für tat- und schuldangemessen erachtet. Hierbei hat sie nochmals die genannte Verfahrensverzögerung berücksichtigt.

187

Die Kammer ist aber unter Beachtung des § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO an der Verhängung einer höheren Gesamtstrafe als im Urteil der 1. großen Strafkammer - dort Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten - gehindert.

188

Sie hat dementsprechend unter Erhöhung der verhängten Einsatzstrafe von 3 Jahren, von der sie bei der Bildung der Gesamtstrafe auch ausgegangen ist, gegen den Angeklagten BBB eine Gesamtfreiheitstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten festgesetzt.

VIII.

189

Die Einziehungsentscheidung beruht auf §§ 73 Abs. 1, 73c, 73d Abs. 2 StGB. Die Angeklagten haben aus der Tat in Schwarzenbek insgesamt mindestens 60.0000 € erlangt. Wenn - wie vorliegend - das Erlangte jedoch nicht mehr originär, also in Gestalt der konkret erhaltenen, zuzuordnenden Banknoten oder Vermögensgegenständen, vorhanden ist, hat gemäß § 73c S. 1 StGB eine Einziehung des Wertes des Tatertrages zu erfolgen. Bei der Bestimmung des Wertes des Erlangten waren gemäß § 73d Abs. 1 S. 2, 1. Hs. StGB die Aufwendungen der Angeklagten außer Betracht zu lassen (vgl. dazu Fischer, StGB, 68. Auflage, § 73d Rn. 5). Der Einziehungsentscheidung stand im Übrigen § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO nicht entgegen, da es sich bei dieser nicht um eine Nebenstrafe sondern um eine Maßnahme eigener Art im Sinne von § 11 Abs. 1 Nr. 8 StGB handelt, über die nach dem am 01.07.2017 - die 1. große Strafkammer hat in ihrem Urteil vom 17.01.2017 überhaupt nicht über die Einziehung entschieden - erfolgten Inkrafttreten einer neuen Gesetzeslage nunmehr zu entscheiden war.

IX.

190

Die Adhäsionsentscheidung samt Entscheidung über die Kosten und die vorläufige Vollstreckbarkeit waren aufrechtzuerhalten. Die Aufhebung der Verurteilungen in den Fällen II.1 und II.3 des Urteils der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kiel durch den Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 07.02.2018 berührt die nach dieser Entscheidung rechtsfehlerfrei getroffene Adhäsionsentscheidung nicht. Auf der Grundlage des Ergebnisses der hiesigen Hauptverhandlung ergeben sich keine Gründe, die Entscheidung aufzuheben oder abzuändern. Gleiches gilt im Hinblick auf die getroffene Kostenentscheidung im Adhäsionsverfahren, diese folgt aus § 472 a Abs. 2 StPO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit findet ihre Rechtsgrundlage in § 406 Abs. 3 StPO i. V. m.

191

§ 709 S. 1 ZPO und hat ebenfalls Bestand.

X.

192

Die hiesige Kostenentscheidung beruht auf den §§ 465 Abs. 1 S. 1, 472 Abs. 1, 473 Abs. 4 StPO. Die Kosten des Revisionsverfahrens waren den Angeklagten insgesamt aufzuerlegen, weil der Erfolg des Revisionsverfahrens gemessen am nunmehr gefundenen Gesamtergebnis gering ist.

 


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