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Gericht:Schleswig-Holsteinisches Verwaltungsgericht 12. Kammer
Entscheidungsdatum:13.07.2018
Aktenzeichen:12 B 42/18
ECLI:ECLI:DE:VGSH:2018:0713.12B42.18.00
Dokumenttyp:Beschluss
Quelle:juris Logo
Normen:§ 80 Abs 3 VwGO, § 80 Abs 5 VwGO

Besoldung und Versorgung - Unfallausgleich - Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung

Tenor

Die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs des Antragstellers vom 30.04.2018 gegen den Bescheid des Antragsgegners vom 20.04.2018 wird wiederhergestellt.

Der Antragsgegner trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 1692,- € festgesetzt.

Gründe

1

Der – sinngemäß - Antrag,

2

die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs des Antragstellers vom 30.04.2018 gegen den Bescheid des Antragsgegners vom 20.04.2018 wiederherzustellen,

3

hat Erfolg.

4

Der Antrag des Antragstellers auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung seiners Widerspruchs gegen den Bescheid des Antragsgegners vom 20.04.2014 ist zulässig und begründet.

5

Die gerichtliche Entscheidung nach § 80 Abs. 5 S. 1 VwGO ergeht auf der Grundlage einer umfassenden Interessenabwägung. Gegenstand der Abwägung sind das private Aufschubinteresse und das öffentliche Interesse an der Vollziehung des Verwaltungsaktes. Im Rahmen dieser gebotenen Interessenabwägung können Erkenntnisse wie Rechtmäßigkeit und Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes Bedeutung erlangen, wenn aufgrund der gebotenen, aber auch ausreichenden summarischen Überprüfung Erfolg oder Misserfolg des Rechtsbehelfs offensichtlich erscheinen. Ergibt die rechtliche Prüfung des angefochtenen Bescheides, dass dieser offensichtlich rechtswidrig ist, führt dies regelmäßig zur Stattgabe des Antrages nach § 80 Abs. 5 VwGO; denn an der Vollziehung eines rechtswidrigen Verwaltungsaktes besteht in der Regel kein öffentliches Interesse. So liegt es hier. Gegen die Rechtmäßigkeit des Bescheides vom 20.04.2018 bestehen sowohl in formeller als auch in materieller Hinsicht rechtliche Bedenken.

6

Nach § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO ist in den Fällen der Anordnung der sofortigen Vollziehung im Sinne von § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 VwGO das besondere Interesse der Behörde an der sofortigen Vollziehung schriftlich zu begründen. Die Begründungspflicht ist Ausdruck des aus Art. 19 Abs. 4 GG folgenden Gebots effektiven Rechtsschutzes gegen Akte der öffentlichen Gewalt. Die nach § 80 Abs. 1 VwGO für den Regelfall vorgesehene aufschiebende Wirkung ist eine adäquate Ausprägung der Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 GG. Die Pflicht zur Begründung nach § 80 Abs. 3 Satz 1 VwGO soll der Behörde den Ausnahmecharakter der Vollziehungsanordnung vor Augen führen und sie veranlassen, mit Sorgfalt zu prüfen, ob tatsächlich ein überwiegendes öffentliches Interesse den Ausschluss der aufschiebenden Wirkung erfordert. Diese vom Gesetzgeber beabsichtigte "Warnfunktion" beruht letztlich auf dem besonderen Stellenwert, den die Verfassung der aufschiebenden Wirkung beimisst (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 24. Aufl., § 80 Rn. 84 m.w.N). Art. 19 Abs. 4 GG ist nicht nur verletzt, wenn die Anordnung überhaupt keine Begründung enthält, sondern auch wenn sie nur unzureichend erfolgt ist. Der verfassungsrechtlichen Bedeutung der Begründungspflicht ist nämlich auch hinsichtlich der inhaltlichen Anforderungen an die Begründung Rechnung zu tragen. Dem Erfordernis einer schriftlichen Begründung ist nicht bereits genügt, wenn überhaupt eine Begründung gegeben wird. Es bedarf vielmehr einer schlüssigen, konkreten und substantiierten Darlegung der wesentlichen Erwägungen, warum aus Sicht der Behörde gerade im vorliegenden Einzelfall ein besonderes öffentliches Interesse an der sofortigen Vollziehung gegeben ist und das Interesse des Betroffenen am Bestehen der aufschiebenden Wirkung ausnahmsweise zurückzutreten hat.

7

Dem wird die hier vorliegende Begründung nicht gerecht. Sie enthält nur abstrakte Erwägungen und benennt keine konkreten Umstände des Einzelfalles, auf die sich die Erwägungen beziehen könnten.

8

Die Ausführungen in dem angefochtenen Bescheid, das öffentliche Interesse an der Anordnung der sofortigen Vollziehung ergebe sich daraus, dass es sich um öffentliche Gelder handele und die Gefahr bestehe, dass das gezahlte Geld nicht zurückgezahlt werde, sind allgemeiner Natur. Es fehlt eine auf den Einzelfall bezogene schlüssige und substantiierte Darlegung der Gründe, warum gerade im Fall des Antragstellers die Gefahr besteht, dass möglicherweise zu Unrecht gezahlte Dienstbezüge von ihm nicht erstattet werden. Zwar würde es grundsätzlich dem öffentlichen Interesse widersprechen, aus öffentlichen Mitteln Beträge zu zahlen, die im Fall der Erfolglosigkeit des gegen die Einstellung der Zahlung von Unfallausgleich gerichteten Rechtsmittels in der Hauptsache offensichtlich nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten wieder eingebracht werden könnten. In einem solchen Fall können fiskalische Gründe die Anordnung der sofortigen Vollziehung nicht nur materiell rechtfertigen (vgl. Beschluss vom 09.09.1993 - BVerwG 1 DB 5.93 -; Beschluss vom 20. Mai 1998 - BVerwG 1 DB 13.98 – beide Juris), sondern auch zur Begründung des Ausschlusses der aufschiebenden Wirkung herangezogen werden. Allerdings ist jedem Leistungsbescheid ein Interesse an der Kostenerstattung immanent und begründet nicht allein unter diesem Aspekt eine besondere Eilbedürftigkeit. (vgl. OVG Münster, Beschluss vom 06.07.2010 – 13 B 663/10 –, Juris Rn. 10; OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 22.10.2012 – 2 M 22/12 –, Juris Rn. 42). Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Verwirklichung eines Rückforderungsanspruchs nach rechtskräftigem Abschluss des Hauptsacheverfahrens ernsthaft gefährdet erscheint. Dem formellen Begründungserfordernis wäre dann Rechnung getragen, wenn in der aufgezeigten Weise dargelegt wird, dass im konkreten Einzelfall die Realisierung eines Rückzahlungsanspruchs zumindest gefährdet wäre.

9

Daran fehlt es hier.

10

Es ist weder dargelegt noch in Anbetracht der Höhe der Versorgungsbezüge des Antragsstellers naheliegend, dass ein evtl. Rückforderungsanspruch des Antragsgegners nicht realisierbar wäre.

11

Die Ausführungen in der Antragserwiderung vom 11.06.2018 vermögen diesen Begründungsmangel nicht zu heilen; denn die Begründung kann nach herrschender Meinung im Rechtsmittelverfahren nicht nachgeholt werden, da sie auch dem Interesse des Antragstellers dient, eine Prüfung der Erfolgsaussichten eines Antrags auf einstweiligen Rechtsschutz vornehmen zu können (vgl. VG Augsburg, Beschluss vom 17.9.2012 – Au 1 S 12.1089 – Juris Rn. 47).

12

Auch wenn man davon ausginge, dass eine Behörde einen Begründungsmangel noch im gerichtlichen Verfahren heilen kann (vgl. Kopp/Schenke a.a.O. Rn. 87 m.w.N. zum Streitstand), führt dies hier zu keinem anderen Ergebnis.

 


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