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Gericht:Schleswig-Holsteinisches Verwaltungsgericht 9. Kammer
Entscheidungsdatum:11.12.2019
Aktenzeichen:9 C 118/19
ECLI:ECLI:DE:VGSH:2019:1211.9C118.19.00
Dokumenttyp:Beschluss
Quelle:juris Logo
Norm:§ 123 VwGO

Hochschulzulassungsrecht - Zulassung zum Studium der Zahnmedizin - 1. Fachsemester, Wintersemester 2019/2020, § 123 VwGO

Tenor

Der Antrag wird auf Kosten der Antragstellerin abgelehnt.

Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 5.000 € festgesetzt.

Gründe

1

Die Antragstellerinnen begehren im Wege der einstweiligen Anordnung, ihnen vorläufig einen Studienplatz im Wintersemester 2019/2020 für das 1. Fachsemester Zahnmedizin zuzuteilen.

2

Der Antrag ist nach § 123 Abs. 1 VwGO statthaft und auch sonst zulässig, aber unbegründet. Es fehlt an einem Anordnungsanspruch, denn es ist nicht glaubhaft gemacht, dass über die festgesetzte Kapazität hinaus weitere Studienplätze zur Verfügung stehen.

3

Es bedarf deshalb auch keiner weiteren Überprüfung, ob die formalen Anspruchsvoraussetzungen des § 23 der Verordnung über die zentrale Vergabe von Studienplätzen durch die Stiftung für Hochschulzulassung (VergabeVO Stiftung) vom 03.05.2010 (NBl.MWVSchl.-H. S. 14) i.d.F. vom 31.05.2018 (NBl. HS MBWK Schl.-H. S.24), nämlich ein fristgerechter Antrag auf Zulassung außerhalb der Kapazität und auch eine form- und fristgerechte Bewerbung für den Studienort, gegeben sind.

4

Der Anordnungsanspruch folgt aus Art. 12 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GG und dem Sozialstaatsprinzip. Gewährleistet ist damit für jeden, der die subjektiven Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, ein Anspruch auf Zulassung zum Hochschulstudium seiner Wahl. Soweit in dieses Teilhaberecht durch absolute Zulassungsbeschränkungen eingegriffen wird, ist dies nur auf einer gesetzlichen Grundlage statthaft und nur dann verfassungsgemäß, wenn dies zum Schutz eines überragend wichtigen Gemeinschaftsgutes - Funktionsfähigkeit der Universitäten in Wahrnehmung ihrer Aufgaben in Forschung, Lehre und Studium - und nur in den Grenzen des unbedingt Erforderlichen unter erschöpfender Nutzung der vorhandenen, mit öffentlichen Mitteln geschaffenen Ausbildungskapazitäten angeordnet wird (vgl. BVerfG, B. v. 22.10.1991, BVerfGE 85, 36 ff).

5

Mit diesem verfassungsrechtlich begründeten Kapazitätserschöpfungsgebot ist die für das Wintersemester 2019/2020 durch § 1 Nr. 1a) aa) der Zulassungszahlenverordnung (ZZVO Wintersemester 2019/2020) vom 27.06.2019 (NBl. HS MBWK Schl.-H. S. 18.) auf 67 festgesetzte Zahl (Zulassungszahl) der im Wintersemester 2019/2020 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel höchstens aufzunehmenden Bewerberinnen und Bewerber für den Studiengang Zahnmedizin zu vereinbaren.

6

Die Festsetzung der Zulassungszahl erfolgt durch das für Hochschulen zuständige Ministerium. Die der Festsetzung zugrundeliegende Kapazitätsberechnung der Antragsgegnerin - hier für den Berechnungszeitraum Wintersemester 2019/2020 und Sommersemester 2020 - beruht auf den Bestimmungen des ersten Teils der Landesverordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularwerte, die Festsetzung von Zulassungszahlen, die Auswahl von Studierenden und die Vergabe von Studienplätzen (Hochschulzulassungsverordnung - HZVO -) vom 21.03.2011 (NBl. MWV Schl.-H. S. 11 ff.) i.d.F. vom 31.05.2018 (NBl. HS MBWK Schl.-H. S. 24), konkret auf den §§ 2 - 21 HZVO.

7

Die durchzuführende Berechnung der auf die jährliche Ausbildungskapazität bezogenen Zulassungszahl im Studiengang Zahnmedizin erfolgt nach Maßgabe des § 7 HZVO i.V.m. Anlage 1 zu einem nach § 6 Abs. 1 HZVO zu wählenden Berechnungsstichtag, hier der 01.02.2019. Sie geht von der personellen Ausstattung derjenigen Lehreinheit aus, der der Studiengang zugeordnet ist (Lehrangebot, dazu 1.) und teilt diese durch die maßgebliche Lehrnachfrage, d.h. durch den Anteil am Curricularnormwert (dazu 2.), der auf diese Lehreinheit entfällt. Sodann erfolgt eine Überprüfung anhand weiterer kapazitätsbestimmender Kriterien (dazu 3). Diese anhand von Zahlenwerten und Formeln vorzunehmende Ermittlung der Ausbildungskapazität unterliegt einschließlich ihrer Ableitung (BVerfG, B. v. 22.10.1991, a.a.O.) schon im Eilverfahren einer eingehenden verwaltungsgerichtlichen Kontrolle (vgl. BVerfG, B. v. 31.03.2004 - 1 BvR/04 -, juris). Nach diesem Maßstab ist die Berechnung nicht zu beanstanden, zusätzliche Studienplätze ergeben sich daraus aber nicht.

8

1. Lehrangebot:

9

Für die Berechnung des Lehrangebots sind alle Stellen des wissenschaftlichen Lehrpersonals und der sonstigen Lehrpersonen nach Stellengruppen den Lehreinheiten zuzuordnen (§ 9 Abs. 1 S. 1 HZVO). Ein normativer, im allgemeinen Landeshaushaltsplan ausgewiesener Stellenplan ist dazu nicht erforderlich (OVG Schleswig, B. v. 11.10.2011
- 3 NB 102/10 - m.w.N.). Die Universitäten erhalten (Global-)Budgets und bewirtschaften diese in eigener Verantwortung (§ 8 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 6 Hochschulgesetz vom 05.02.2016, GVOBl. S. 39 – HSG - in der aktuellen Fassung vom 10.02.2018, GVOBl. S. 68). Die jeweiligen Fachbereiche wiederum verwalten die ihnen zugewiesenen Personal- und Sachmittel (§ 28 Abs. 1 Nr. 1 HSG), wobei der Dekan die konkreten Entscheidungen trifft (§ 30 Abs. 1 S. 2 HSG).

10

Auf der Grundlage des von der Antragsgegnerin mit Schriftsatz vom 27.09.2018 vorgelegten Datenerhebungsformularsatzes stehen der Lehreinheit Zahnmedizin für den Berechnungszeitraum Wintersemester 2019/2020, Sommersemester 2020 folgende Stellen bzw. Deputate (ausgedrückt in Lehrveranstaltungsstunden - LVS -) zur Verfügung:

11

1.1. Unbereinigtes Lehrangebot:

12

Stellen-gruppe

Plan-stellen

verfüg-bare Stellen in der
Lehre

Deputat je Stelle

Deputat-std. aus verfügb. Stellen

Verminder-ungen

Verfügbare Deputat-std.

Prof. W3

 4    

 4    

9       

 36     

3       

 33     

Prof. W2

 1    

 1    

9       

 9    

2       

 7    

Qualifikations-stellen

39    

39    

4       

156     

        

156     

akad. Rat/ Oberrat

 2    

 2    

9       

 18     

        

 18     

wiss. Ang. a.D.

 6    

 6    

9       

 54     

        

 54     

Planstellen ohne LV

 2    

 0    

0       

 0    

        

 0    

Planstelle
Dr. xxx

1       

1       

9       

9       

        

 9    

Summe 

55    

53    

        

282     

5       

277     

13

Die Stellenausstattung und die Zahl der Lehrverpflichtungsstunden hat sich gegenüber dem Vorjahr mit 55 Planstellen und 277 verfügbaren Deputatsstunden nicht verändert. Auf Veränderungen, die die Antragsgegnerin in ihrer Stellungnahme vom 06.11.2019 erläutert hat und die kapazitätsneutral sind, kommt es nicht weiter an, diese werden auch von den Antragstellerinnen nicht in Frage gestellt. Insbesondere stellt die Antragsgegnerin nicht mehr in Frage, dass bei der Berechnung des Lehrangebotes auch für den wissenschaftlichen Mitarbeiter und Werkkundlers Dr. xxx ein Lehrdeputat von 9 Stunden zugrunde zu legen ist (vgl. B. v. 25.11.2016 - 9 C 102/16-, juris – und vom Vorjahr v. 14.11.2018 – 9 C 56/18 – - im Folgenden Vorjahresbeschluss -).

14

Die Antragsgegnerin hat der Deputatsberechnung für die einzelnen Stellengruppen die Lehrverpflichtungsverordnung - LVVO - vom 27.06.2016 (NBl. HS MSGWG Schl.-H. S. 36) zugrunde gelegt.

15

Das Lehrdeputat von Professorinnen und Professoren beträgt 9 LVS (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 LVVO). Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren kommen in der Zahnmedizin nicht zum Einsatz. Für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen beträgt die Lehrverpflichtung grundsätzlich 9 LVS (§ 4 Abs. 1 Nr. 4 LVVO). Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen, die befristet eingestellt werden und denen im Rahmen ihrer Dienstaufgabe Gelegenheit zur Vorbereitung einer Promotion oder zusätzlicher wissenschaftlicher Leistung gegeben wird, haben eine Lehrverpflichtung von 4 LVS (§ 4 Abs. 1 Nr. 6 LVVO). Solche befristeten Qualifikationsstellen mit der Zweckbestimmung wissenschaftlicher Fort- und Weiterbildung bilden kapazitätsrechtlich eine eigene Stellengruppe (OVG Münster, B. v. 26.08.2013 - 13 C 88/13 -, juris Rn. 17).

16

Nach den von der Antragsgegnerin vorgelegten Arbeitsverträgen handelt es sich bei den 39 Qualifikationsstellen um Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen, die befristet eingestellt sind und eine Qualifikationsstelle im Sinne des § 4 Abs. 1 Nr. 6 LVVO innehaben. Für sie gilt eine regelmäßige Lehrverpflichtung von 4 LVS. In den Arbeitsverträgen ist in § 5 2. Absatz vereinbart, dass „ein angemessener Teil der Arbeitszeit für eigene wissenschaftliche Arbeit mit dem Ziel der Weiterbildung oder ggf. der Auslese für den Hochschullehrernachwuchs zur Verfügung steht“. Hier besteht mithin Gelegenheit zur Promotion oder zur Vorbereitung einer Habilitation, habilitationsäquivalenter Leistungen oder anderer zusätzlicher wissenschaftlicher Leistungen (sogenannte „Post-doc“-Verträge).

17

Die Kammer hält es nicht für erforderlich, in jedem Einzelfall durch Vorlage entsprechender dienstlicher Erklärungen zu prüfen, ob und wieweit tatsächlich wissenschaftliche Weiterbildung erfolgt. Zum einen besteht kein Anlass für Zweifel daran, dass den wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen entsprechend den abgeschlossenen Verträgen die Möglichkeit dazu auch eingeräumt wird. Zum anderen widerspricht eine solche Einzelfallbetrachtung der im Kapazitätsrecht geltenden abstrakt an die Personalstellen anknüpfende Berechnungsmethode (§ 9 Abs. 1 HZVO). Die Stelle geht dabei unabhängig von ihrer Besetzung oder der Qualifikation des Stelleninhabers mit dem - hier in § 4 Abs. 1 Nr. 6 LVVO auf 4 LVS festgelegten - „Regeldeputat“ in die Lehrangebotsberechnung ein. Auf die tatsächlichen Umstände kommt es nicht an. Genauso wenig ist maßgeblich, ob die nach § 2 des Gesetzes über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft - WissZeitVG - vom 12.04.2007 (BGBl. S. 506 ff.) i.d.F. v. 23.05.2017 (BGBl S. 1228.) geltende zulässige Befristungsdauer im Einzelfall überschritten wird. Solange eine Entfristung vor dem Arbeitsgericht nicht erfolgreich geltend gemacht wurde, wäre eine arbeitsrechtliche Unwirksamkeit der Befristung kapazitätsrechtlich ohne Belang (OVG Schleswig, B. v. 05.10.2012 - 3 NB 5/12 -; vgl. auch VG Freiburg, U. v. 14.02.2012 - NC 6 K 2025/09 -, juris). Im Übrigen liegt die Einhaltung der Befristungsdauer auch im Interesse der Hochschule, die durch die Ausweisung solcher Stellen eine der Sicherung der Innovations- und Funktionsfähigkeit der Hochschule und dem Ideenaustausch förderliche Fluktuation gewährleisten will. Für eine faktische Umwandlung einer befristeten in eine unbefristete Stelle gibt es keine Anhaltspunkte (vgl. dazu OVG Münster, B. v. 10.05.2012 - 13 C 6/12 -; OVG Magdeburg, B. v. 21.10.2010 - 3 M 152/10 -, juris).

18

Die zwei aufgeführten Funktionsstellen des Prof. xxx (Laborleitung in der Kieferchirurgie) und der Dr. xxx (Forschungsstelle in der Kieferorthopädie), für die zum Wintersemester 2012/2013 die Arbeitsverträge nebst Stellenbeschreibung vorlagen, sind von vornherein nicht mit in die Berechnung des Lehrangebots einzubeziehen, da es sich um reine Funktionsstellen ohne Lehrverpflichtung handelt.

19

Die Schaffung von Funktionsstellen steht im organisatorischen Ermessen der Hochschule. Ihre Inhaber zählen nicht zu den Lehrpersonen i.S.d. § 9 Abs. 1 HZVO und des § 1 LVVO, so dass ihnen von vornherein auch kein Lehrdeputat zuzuordnen ist. Dies entspricht der langjährigen Rechtsprechung der Kammer (vgl. B. v. 20.11.2012 - 9 C 54/12 - Umdr. S. 9 m.w.N und zuletzt der Vorjahresbeschluss.).

20

Für die Stelle des Diplombiologen Prof. xxx hat die Kammer bereits für das Wintersemester 2004/2005 festgestellt, dass die damals erfolgte Umwidmung in der Abteilung Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie unter funktionalen Bedarfsaspekten erfolgte und dem Zweck diente, die Leitung der wissenschaftlichen Labore als Dauerfunktion abzudecken, weshalb es sich kapazitätsrechtlich um eine Funktionsstelle ohne Lehrverpflichtung für einen Naturwissenschaftler handelt. Eine solche Umwidmung steht im Organisationsermessen der Antragsgegnerin, ist sachlich begründet und daher nicht zu beanstanden (vgl. schon Kammer, B. v. 09.01.2005 - 9 C 82/04 u.a. -, v. 09.01.2006 - 9 C 17/05 -, best. vom OVG Schleswig, B. v. 22.08.2007 - 3 NB 66/06 -; v. 14.12.2006 - 9 C 51/06 u.a. – und Vorjahresbeschluss). Die Planstelle der Biologin Dr. xxx dient ausweislich der zum Wintersemester 2012/2013 vorgelegten Aufgabenbeschreibung ausschließlich der Forschung im histologischen Labor der Kieferorthopädie und sieht deshalb - wie der Arbeitsvertrag - ebenfalls keine Lehrverpflichtung vor.

21

Damit verfügt die Antragsgegnerin für den Studiengang Zahnmedizin über 282 LVS.

22

Die von der Antragsgegnerin gemäß § 10 Abs. 2 HZVO i.V.m. § 8 LVVO in ihre Berechnung eingestellten Deputatsverminderungen betreffen, wie im Vorjahr, die zwei Professorenstellen für den Dekan Prof. xxx und den Studienfachberater Prof. xxx. Sie sind im Ergebnis nicht zu beanstanden.

23

Nach § 8 Abs. 1 S. 1 LVVO kann das Präsidium der Hochschule auf Antrag für die Wahrnehmung von Funktionen und Aufgaben in der Selbstverwaltung die Lehrverpflichtungen ermäßigen; das Präsidium einer Universität kann Ermäßigungen auch für Aufgaben in der Forschung gewähren. Die Gesamtsumme aller Ermäßigungen nach § 8 Abs. 1 LVVO kann gemäß § 8 Abs. 2 S. 1 LVVO bei Universitäten und Fachhochschulen bis 6,5 % der Lehrverpflichtung aller im Stellenplan der Hochschule für Professorinnen und Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewiesenen Stellen und Planstellen betragen. Gemäß § 8 Abs. 1 S. 2 LVVO regelt das Präsidium mit Zustimmung des Senates, für welche Funktionen und Aufgaben nach § 8 Abs. 1 S. 1 LVVO und in welchem Umfange die Lehrverpflichtung ermäßigt werden kann.

24

Das Präsidium der Antragsgegnerin hat am 12.01.2011 mit Zustimmung des Senates den in den Vorjahren vorgelegten generellen Beschluss gemäß § 8 Abs. 1 S. 2 LVVO über Deputatsreduzierungen getroffen, in dem festgelegt ist, für welche Funktionen („Kategorien“) welche Ermäßigungen gewährt werden können. Darin sind u.a. Ermäßigungen für Dekane oder für Studienfachberater vorgesehen. Dieser Katalog ist in der Folgezeit mehrfach modifiziert worden.

25

Die Antragsgegnerin hat sich nach ihrer Übersicht (Anlage 4 zu ihrem Schriftsatz vom 06.11.2019), bei der Gewährung der Deputatsreduzierungen nicht nur an die in § 8 Abs. 2 S. 1 LVVO enthaltenen Grenze von 6,5 % gehalten, sondern diese mit 5,85 % (Vorjahr 4,51 %) deutlich unterschritten. Zu Recht ist die Antragsgegnerin dabei davon ausgegangen, dass sich diese Regelung auf die Hochschule insgesamt und nicht nur auf einzelne Lehreinheiten bezieht (OVG Schleswig, B. v. 25.03.2015 - 3 NB 189/14 u.a.).

26

Die konkret gewährten Deputatsreduzierungen in Höhe von insgesamt 5 LVS decken sich mit denen der Vorjahre. Dazu hat die Kammer zuletzt im Vorjahresbeschluss auf die Beschlüsse in den Vorjahren verwiesen:

27

„Konkret bewilligte das Präsidium durch Beschluss vom 08.08.2012 für Prof. xxx wegen seiner Verpflichtung als Studienfachberater eine Ermäßigung der Lehrverpflichtung um 2 LVS (Anlage 3). Diese steht in Übereinstimmung mit Nr. 4 der Regelung vom 12.01.2011. Für Prof. xxx hatte das Präsidium bereits am 20.04.2011 eine Ermäßigung der Lehrverpflichtungen um 3 LVS beschlossen (Anlage 4); sie bezieht sich auf seine Funktion als Studiendekan und entspricht Nr. 3 der Regelung vom 12.01.2011. Diese vom Präsidium gewährten Deputatsverminderungen von zusammen 5 LVS entsprechen den genannten Vorgaben und decken sich mit denen, die die Kammer in den rechtskräftig gewordenen Vorjahresbeschlüssen vom 04.11.2011 (vgl. etwa zum Az 9 C 95/11 u.a.) anerkannt hat.“

28

Diese Ermäßigungen sind nach Angabe der Antragsgegnerin in ihrem Schriftsatz vom 06.11.2019 durch Präsidiumsbeschlüsse vom 06.02.2018 bzw. vom 05.06.2018 um jeweils zwei Jahre verlängert worden. Bedenken dagegen sind nicht vorgetragen und nicht ersichtlich.

29

Auf der Grundlage des Vorstehenden ist für den Berechnungszeitraum 2019/2020 wie im Vorjahr von einer Summe der Deputatstunden von insgesamt 277 LVS/Semester auszugehen; das durchschnittliche Lehrdeputat für die (unter Einbeziehung von Dr. xxx) 53 in der Lehre verfügbaren Stellen beträgt demgemäß (277 : 53 =) 5,2264 LVS/Semester (s. Ziffer I.1. Anlage 1 zu § 7 HZVO; vgl. OVG Berlin, B. v. 17.03.1998 - 7 NC 116/97 -, juris Rn. 10: Grundlage dieser Berechnung sind nur die Stellen mit Lehrverpflichtung).

30

Eine weitere Verminderung der Lehrverpflichtungen erfolgt gemäß § 10 Abs. 3 HZVO für die Krankenversorgung. Der gemäß § 10 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 HZVO zu gewährende Krankenversorgungsbedarf für die Lehreinheit Zahnmedizin beträgt insgesamt 18,8508 Stellen (Vorjahr 18,6897) und liegt damit unwesentlich geringer, als die Antragsgegnerin mit 18,9199 angenommen hat.

31

Der Personalbedarf für die stationäre Krankenversorgung ist gemäß § 10 Abs. 3 Nr. 2b) HZVO dadurch zu ermitteln, dass je 7,2 tagesbelegte Betten eine Stelle abgezogen wird. Betten für Privatpatienten werden gemäß ständiger Rechtsprechung der Kammer (vgl. B. v. 16.04.2003 -9 C 4/03 u.a.-) nicht berücksichtigt. Die Antragsgegnerin gibt die Anzahl der tagesbelegten Betten mit 27,4684 – 3,2876 = 24,1808 (Vorjahr: 26,1753 – 3,652 = 22,5233) an. Dies beruht auf der sog. Mitternachtszählung, die nach der ständigen Rechtsprechung der Kammer nicht zu beanstanden ist (vgl. Kammer, B. v. 19.06.2014 - 9 C 78/14 -, OVG Schleswig, B. v. 15.09.2015 - 3 NB 32/15-). Entsprechend berechnet die Antragsgegnerin den Personalbedarf für die stationäre Krankenversorgung auf

32

24,1808 : 7,2 = 3,3584 Stellen.

33

Der seit dem Wintersemester 1990/1991 geltende (gegenüber dem früheren Ansatz von 8 tagesbelegten Betten kapazitätsungünstigere) Wert von 7,2 ist im Hinblick auf seine Angleichung an den entsprechenden Wert für die Lehreinheit klinisch-praktische Medizin im vorläufigen Rechtsschutzverfahren nicht zu beanstanden und vom Gestaltungsspielraum des Verordnungsgebers noch gedeckt (vgl. OVG Berlin, B. v. 17.03.1998 - 7 NC 116.97 -, juris; OVG Hamburg, B. v. 27.08.2008 - 3 Nc 141/07 -, juris; Bahro/Berlin, Das Hochschulzulassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland, 4. Aufl. 2003, Rn. 19 zu § 9 KapVO, a. A.: Zimmerling/Brehm, Hochschulkapazitätsrecht, Bd. 2, 2013, § 20 Rn. 381). Nach Bahro/Berlin (a.a.O.) stützt sich der stationäre Krankenversorgungsparameter von 1 zu 7,2 offenbar auf Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die eine Relation von 1 zu 8 ergeben haben. Da dieses Verhältnis für Hochschulkliniken angesichts des höheren Schwierigkeitsgrades und der größeren apparativen Aufwendungen nicht ausreichend erschien (Maximalversorgung), sei das Betreuungsverhältnis um 10 %, also um 0,8 verbessert worden.

34

Im nächsten Schritt ist nach § 10 Abs. 3 S. 2 Nr. 2c HZVO der Personalbedarf für die ambulante Krankenversorgung durch einen pauschalen Abzug von 30 % von der um die Stellen für die stationäre Krankenversorgung verminderten Gesamtstellenzahl zu berücksichtigen. Als „Gesamtstellenzahl“ legt die Antragsgegnerin zutreffend 55 Stellen zu Grunde, nämlich die 53 verfügbaren Stellen zuzüglich der zwei Planstellen ohne Lehrverpflichtung (vgl. schon OVG Berlin, B. v. 17.03.1998 - 7 NC 116/97 -, juris Rn. 14; VGH München, B. v. 28.04.2011 - 7 CE 10.10402 u.a. -, juris Rn. 13). Daraus ergibt sich folgende Stellenberechnung:

35

55,00 – 3,3584 (stationäre Krankenversorgung) = 51,6416

51,6416 x 0,30 = 15,4924

36

Soweit die Antragsgegnerin bei ihrer Berechnung von einem Personalbedarf von 15,5615 ausgeht, handelt es sich offensichtlich um ein Versehen, weil sie hierfür den Wert aus dem Vorjahr zugrunde gelegt hat.

37

Angesichts einer im einstweiligen Rechtsschutzverfahren nicht abschließend zu ermittelnden Auswirkung einer Veränderung der Wochenarbeitszeit (hierzu ausführlich VGH München, B. v. 23.07.2009 - 7 CE 09.10523 -, juris) kann der vom Verordnungsgeber auf der Grundlage eines Gutachtens aus dem Jahre 1995 festgelegte, notwendigerweise pauschalierende Abzugswert von 30 % weiterhin der Kapazitätsberechnung zugrunde gelegt werden (vgl. VGH München, B. v. 28.04.2011 - 7 CE 10.10402 u.a. - und v. 23.07.2009 - 7 CE 09.10523 -; OVG Münster, B. v. 28.03.2011 - 13 C 11/11 - m.w.N.; OVG Berlin, B. v. 24.08.2009 - 5 NC 10.09 -, nunmehr auch OVG Lüneburg, B. v. 10.08.2012 - 2 NB 37/12 -, alle in juris).

38

Der Krankenversorgungsabzug aus stationärer und ambulanter Krankenversorgung beträgt danach: 3,3584 + 15,4924 = 18,8508 Stellen (Vorjahr: 18,6897), so dass für die Lehre von den 53 Stellen 18,8508 auf die Krankenversorgung entfallen. Damit bleiben 53 - 18,8508 = 34,1492 Stellen für die Lehre zu berücksichtigen.

39

Die Stellenzahl multipliziert mit dem durchschnittlichen Lehrdeputat von 5,2264 LVS ergibt in der Lehreinheit Zahnmedizin ein Angebot an Deputatstunden von 178,4773 LVS (Vorjahr: 179,3193).

40

Schließlich gibt die Antragsgegnerin wie in den Vorjahren Dienstleistungen im Umfang von 1,2333 LVS für die Vorlesungen Werkstoffkunde und zahnärztliche Hygiene als hinzuzurechnende wissenschaftliche Dienstleistungen an.

41

Das unbereinigte Lehrangebot ergibt sich daher aus 178,4773 LVS + 1,2333 LVS = 179,7106 LVS (entspricht 179,7106 Semesterwochenstunden - SWS -).

42

1.2. Bereinigtes Lehrangebot:

43

Ein Dienstleistungsexport wurde nicht mehr in Ansatz gebracht.

44

Damit bleibt es bei dem bereinigten Lehrangebot von 179,7106 SWS.

45

Aus der Verdoppelung dieses Werts resultiert ein Jahreslehrangebot von 359,4212 SWS.

46

2. Lehrnachfrage:

47

Dividiert man das bereinigte Lehrangebot durch den gegenüber dem Vorjahr leicht veränderten Curriculareigenanteil von 6,1301, ergeben sich (359,4212 : 6,1301 =) 58,6321 Studienplätze (Vorjahr 58,8128 Studienplätze).

48

Wie die Kammer bereits wiederholt entschieden hat, ist der Ansatz des Curricularnormwertes (CNW), wie ihn die Antragsgegnerin auch der für das Wintersemester 2019/2020 maßgeblichen Berechnung zugrunde gelegt hat, rechtlich nicht zu beanstanden. Der CNW für den Studiengang Zahnmedizin ist in der Anlage 3 zur HZVO normativ auf 7,8 festgesetzt. Er umfasst ausweislich des Datenerhebungsformularsatzes der Antragsgegnerin die Lehreinheiten Zahnmedizin, vorklinische Medizin, klinisch-praktische Medizin, klinisch-theoretische Medizin, Chemie und Physik. Den Curriculareigenanteil (CAp) der Zahnmedizin setzt die Antragsgegnerin wegen Änderungen der Studienordnung leicht verändert zum Vorjahr mit 6,1301 an. Der Berechnung liegt der Studienplan für den Studiengang Zahnmedizin zugrunde, den die Antragsgegnerin als Anlage 5 zum Schriftsatz vom 06.11.2019 vorgelegt hat.

49

Der von der Antragsgegnerin angenommene CAp-Wert von 6,1301 ist schon deshalb nicht zu beanstanden, weil er den maßstäblichen CAp-Wert von 6,1482 kapazitätsfreundlich geringfügig unterschreitet. In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass sich die Hochschule bei der Aufteilung des CNW in Curriculareigen- und -fremdanteile nach dem ZVS-Beispielstudienplan der sogenannten Marburger Analyse richten darf und dass dieser jedenfalls im Eilrechtschutzverfahren nicht nur für die Dienstleistung der vorklinischen Lehreinheit für die Zahnmedizin, sondern auch für den CAp im Studiengang Zahnmedizin als gerichtlicher Ersatzmaßstab herangezogen werden kann (vgl. OVG Saarlouis, B. v. 27.07.2010 - 2 B 138/10.NC u.a. - m.w.N., juris). Entsprechend hat auch die Kammer den im ZVS-Beispielstudienplan von 1990 angegebenen CAp von 6,1482 in ständiger Rechtsprechung als Maßstab anerkannt (vgl. B. v. 04.11.2011 - 9 C 95/11 u. a. - m.w.N. zu den Vorjahren). Einer weiteren Begründung des zugrunde gelegten CAp bedarf es nicht, solange die Hochschule die Vorgaben des ZVS-Beispielstudienplans zum Eigenanteil übernimmt oder unterhalb dieses Wertes bleibt (Zimmerling/Brehm, a.a.O., § 24 Rn. 593).

50

3. Überprüfung des Berechnungsergebnisses:

51

Das vorstehende Berechnungsergebnis ist anhand der Vorschriften des dritten Abschnitts des ersten Teils der HZVO (§§ 15 ff.) zu überprüfen.

52

Eine Verminderung wegen Fehlens einer ausreichenden Zahl von klinischen Behandlungseinheiten (§ 15 Abs. 2 Nr. 5 HZVO) macht die Antragsgegnerin nicht geltend; zu einer „Stilllegung“ vorhandener Personalkapazitäten infolge eines sächlichen Ausstattungsengpasses kommt es folglich nicht. Da sich der in § 20 Abs. 1 HZVO festgelegte, ebenfalls aus der Marburger Analyse übernommene Grenzwert von 0,67 klinischen Behandlungseinheiten für die Zahnerhaltungs- und Zahnersatzkunde je Studierendem im Übrigen nur limitierend auswirkt, mithin nur die mindestens festzusetzende Zahl von Studienplätzen bestimmt (vgl. Zimmerling/Brehm, a.a.O., § 33 Rn. 769 f. n.w.N.), kommt es auf eine etwaige fehlerhafte Ermittlung des Grenzwertes nicht an.

53

Allerdings erhöht sich die vorstehend berechnete Ausbildungskapazität aufgrund des Schwundausgleiches um weitere Studienplätze (§ 15 Abs. 3 Nr. 3, § 17 HZVO). Da die Antragsgegnerin keine Teilstudienplätze im Studienfach Zahnmedizin vergibt, kommt eine nach Teilstudienplätzen differenzierende Schwundberechnung von vornherein nicht in Betracht.

54

Die gerichtsbekannte Praxis der Antragsgegnerin, Beurlaubungen bei der Schwundberechnung nicht zu berücksichtigen, ist nicht zu beanstanden. Maßgeblich ist, dass der betroffene Studienplatz im Falle der Beurlaubung rechtlich nicht „frei“ wird (und daher auch nicht anderweitig besetzt werden kann), weil der Studierende jederzeit seine Beurlaubung abbrechen kann und sodann eine Zugriffsmöglichkeit auf die erneute Besetzung „seines Studienplatzes“ haben muss (vgl. Kammer, B. v. 24.11.2014 - 9 C 129/14 u. a. - m.w.N. zu den Vorjahren; OVG Schleswig, B. v. 11.10.2011 - 3 NB 114/10 -).

55

Die Antragsgegnerin hat als Anlage 7 ihres Schriftsatzes vom 06.11.2019 die nach dem „Hamburger Modell“ (Zulassung und Kapazitäten II, Pressestelle der Universität Hamburg, April 1975, S. 20-22) ermittelte Berechnung des Schwundausgleichsfaktors für das Studienjahr 2019/2020 vorgelegt. Daraus ergibt sich eine Schwundquote von 0,8933. Wird die nach dem zweiten Abschnitt des ersten Teils der HZVO errechnete Zulassungszahl von 58,6321 durch die Schwundquote 0,9036 dividiert, so beträgt die um den Schwundausgleich korrigierte Zulassungszahl 64,8872, aufgerundet 65 Studienplätze.

56

Die Zulassungszahl, die für den Berechnungszeitraum (Wintersemester 2019/2020 und Sommersemester 2020) festgesetzt worden ist, beträgt 67 und liegt damit oberhalb der errechneten Zulassungszahl. Es wurden nach der aktuellen Belegungsliste vom 02.12.2019 insgesamt auch 69 Studienplätze vergeben. Über die festgesetzte Kapazität hinaus zur Verfügung stehende Studienplätze sind bei der Antragsgegnerin mithin für das Wintersemester 2019/2020 nicht vorhanden.

57

Soweit hilfsweise die Zulassung außerhalb der Kapazität beantragt worden ist, besteht kein Anordnungsanspruch, weil die festgesetzte Zahl der Studienplätze belegt ist.

58

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.

59

Die Streitwertfestsetzung beruht auf den §§ 63 Abs. 2, 53 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. 52 Abs. 2 GKG. Die Kammer legt bei NC-Verfahren auch im Eilverfahren den ungekürzten Auffangwert in Höhe von 5.000 € zugrunde (so auch OVG Schleswig, z.B. B. v. 20.07.2012 - 3 NB 18/10 -).

 


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