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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
Erlassdatum:04.09.2006
Fassung vom:26.04.2019
Gültig ab:13.05.2019
Quelle:Wappen Schleswig-Holstein
Gliederungs-Nr:7911.75
 

Zum Hauptdokument : Erklärung zu Europäischen Vogelschutzgebieten in Schleswig-Holstein sowie Auswahl von nach Artikel 4 Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG des Rates (FFH-Richtlinie) zu benennenden Gebieten



Gebietsspezifische Erhaltungsziele (gEHZ)
für Vogelschutzgebiete

Erhaltungsziele für das Vogelschutzgebiet DE 0916-491
"Ramsar-Gebiet S-H Wattenmeer und angrenzende
Küstengebiete (ohne Erhaltungsziele der Teilbereiche
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
sowie die Halligen)"

Teilgebiete:

A.
Nordfriesische Inseln
(Naturschutzgebiete Nord-Sylt; Dünenlandschaft auf dem Roten Kliff/Sylt; Baakdeel-Rantum/Sylt; Rantumer Dünen/Sylt; Hörnum Odde/Sylt; Nielönn/Sylt; Braderuper Heide/Sylt; Morsum Kliff; Amrumer Dünen; Nordspitze Amrum)
Das Teilgebiet Inseln besteht zum größten Teil aus Dünengebieten der Inseln Sylt und Amrum. Das Gebiet enthält aber auch Salzwiesen, Strände, Heideflächen und Kliffs. Die Dünengebiete, vor allem auf Amrum, sind wichtige Brutgebiete insbesondere für Möwen sowie Eiderenten.
B.
Köge an der Westküste Schleswig-Holsteins
Die Naturschutzköge sind alle nach 1935 durch die Eindeichung von Wattenmeerbuchten entstanden. In den Naturschutzkögen steht der Naturschutz im Vordergrund. Einige dieser Köge haben zusätzlich eine wichtige wasserwirtschaftliche Funktion als Speicherbecken für die Binnenlandentwässerung. Sie beinhalten Süß- und Brackwasserbereiche, Röhrichte, Lagunen, Brackwassermarschen, Schlickflächen, Grünland und Salzwiesen. In Teilbereichen der Köge werden gezielte Managementmaßnahmen zum Zwecke des Artenschutzes betrieben, weitere Bereiche werden einer natürlichen Entwicklung überlassen.
Folgende Köge gehören zum Gebiet 0916-491:
NSG Rantumbecken auf Sylt
wurde 1937/38 in einer Größe von 580 Hektar eingedeicht. Hier wird seit 1982 eine ca. 300 Hektar große Salzwasserlagune entwickelt. Daneben gibt es ausgedehnte Schilfflächen, Weidengebüsche und Süßwasserflächen.
NSG Rickelsbüller Koog
wurde 1981 in einer Größe von 530 Hektar eingedeicht und anschließend gezielt als Feuchtgrünland mit hohen Wasserständen entwickelt. Er ist wichtiges Brutgebiet für Wiesen- und Seevögel und Nahrungsgebiet für Enten und Gänse.
Speicherbecken Hauke-Haien-Koog
wurde 1959 in einer Größe von 700 Hektar eingedeicht und dient als Speicherbecken. Im Ostteil befinden sich große Schilfflächen, im Westteil Grünlandflächen.
NSG Nordstrander Bucht/Beltringharder Koog,
die ehemalige Nordstrander Bucht, wurde 1987 in einer Größe von 3.350 Hektar eingedeicht. Es unterteilt sich in ca. 860 Hektar Salzwasserlagune, 400 Hektar Feuchtgrünland, 1.040 Hektar Sukzessionsfläche mit großen Schilfröhrichten und Weidengebüschen, zwei Kleientnahmen, zwei Flachseen und zwei Speicherbecken. Der Koog ist wichtiges Brutgebiet für Wiesen-, Küsten- und Röhrichtvogelarten.
NSG Wester-Spätinge
ist eine alte Bodenentnahmestelle und wurde 1978 in einer Größe von 27 Hektar als NSG ausgewiesen. Das Gebiet besteht zu ungefähr gleichen Teilen aus Röhricht- und Wasserflächen.
Speicherkoog Dithmarschen
entstand 1973 (Südkoog) und 1978 (Nordkoog) durch die Eindeichung der Meldorfer Bucht in einer Größe von 3.376 Hektar. Der überwiegende Teil (ca. 700 Hektar) einschließlich des NSG Wöhrdener Loch werden gezielt großflächig als Feuchtgrünland mit einzelnen Weidengebüschen, Röhricht- und Süßwasserflächen als Brut- und Rastplatz für Wiesen- und Küstenvögel entwickelt. In den Randbereichen gibt es kleinere Windschutzpflanzungen mit Weiden und Sanddorn. Das NSG Kronenloch (532 Hektar) wird seit 1984 als nutzungsfreies Salzwassergebiet betrieben und weist überwiegend marine Wasserflächen ohne Tidenhub und von dort eine natürliche Abfolge zu Schilfflächen und Weidengebüsche auf. Es ist wichtiger Brutplatz für Röhrichtarten.
Fahretofter Westerkoog
wurde 1988 in einer Größe von 55 Hektar eingedeicht. Mit den vielen Inseln ist er idealer Brutplatz für See- und Wasservögel.
Vordeichung Ockholm
wurde 1990 in einer Größe von 50 Hektar eingedeicht. Eine Hälfte des Gebietes sind Wasserflächen mit einzelnen Inseln, die andere Hälfte wird wie die umliegenden Deiche intensiv mit Schafen beweidet.
Katinger Watt
wurde 1973 nach der Eiderabdämmung durch einen Asphaltdeich dem Tideeinfluss der Eider entzogen. Es besteht zu ca. 1/3 aus Wasserflächen, alten Prielen und aufgestauten Senken, und zu 2/3 aus Landflächen. Der überwiegende Teil am Eiderdamm und an der Eider wird als Feuchtwiese entwickelt, nur Flächen östlich des Katinger Prieles und Flächen nördlich der Kreisstraße sind der Sukzession überlassen.
C.
Ästuare/Flussmündungen
Flussmündungen sind im Bereich der Eider und der Godel auf Föhr ausgeprägt.
Zum Eiderästuar gehören neben dem eigentlichen Fluss (Fahrwasser) die angrenzenden Wattflächen und die Eidervorländer zwischen dem Eidersperrwerk und Friedrichtstadt. Im Einzelnen sind dies das NSG "Grüne Insel", das "Dithmarscher Eidervorland", das "Oldensworter Vorland" und das "Koldenbüttler Vorland". Die Vorlandflächen eiderabwärts von Tönning (Grüne Insel, Oldensworter Vorland, Dithmarscher Eidervorland) werden überwiegend gezielt als Feuchtwiesen bewirtschaftet, während die Vorländer bei Friedrichstadt überwiegend einer Sukzession überlassen werden.
Die Süßwassergrenze liegt je nach Niederschlag etwas flussaufwärts von Tönning. Die Eiderwasserstände können über das Eidersperrwerk seit 1972 gezielt gesteuert werden. Das Eidersperrwerk ist im Normalfall geöffnet, so dass die Tide ungehindert ein- und ausschwingen kann. Es wird im Sturmflutfall geschlossen, d.h. hohe Sturmflutwasserstände treten nicht mehr auf.
Die Feuchtgrünland- und Vorlandbereiche der Eidermündung sind Brut-, Nahrungs- und Rastplätze für zahlreiche Wat- und Wasservogelarten, für die in Teilbereichen gezielte Managementmaßnahmen betrieben werden.
Die Godelniederung ist die letzte, weitgehend natürliche und unverbaute Fließgewässermündung mit Salzwiesenflächen in Lagunenlage.


1
 Erhaltungsgegenstand
Das Gebiet ist für die Erhaltung folgender Vogelarten und die Erhaltung bzw. Wiederherstellung ihrer Lebensräume:

Inseln (nur Dünen
+ Heide)

Köge

Flussmündungen
(Eider + Godel)


Gebiet A

Gebiet B

Gebiet C

Von besonderer Bedeutung: (fett: Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie; B: Brutvögel; R: Rastvögel)




Acrocephalus schoenobaenus (Schilfrohrsänger) B


B

B

Alauda arvensis (Feldlerche) B

B

B

B

Alca torda (Tordalk) R




Anas acuta (Spießente) R B


RB

RB

Anas clypeata (Löffelente) R B


RB

RB

Anas crecca (Krickente) R B


RB

RB

Anas penelope (Pfeifente) R


RB

R

Anas platyrhynchos (Stockente) R B


RB

RB

Anas querquedula (Knäkente) B


B

B

Anthus pratensis (Wiesenpieper) B

B

B

B

Ardea cinerea (Graureiher) R


R

R

Arenaria interpres (Steinwälzer) R B


R

R

Asio flammeus (Sumpfohreule) R B

B

RB

RB

Botaurus stellaris (Rohrdommel) B


B

B

Branta bernicla (Ringelgans) R


R

R

Branta leucopsis (Nonnengans) R B


RB

RB

Buteo lagopus (Rauhfußbussard) R


R

R

Calidris alba (Sanderling) R




Calidris alpina schinzii (Alpenstrandläufer) B


B

B

Calidris alpina alpina (Alpenstrandläufer) R


R

R

Calidris canutus (Knutt) R


R

R

Calidris ferruginea (Sichelstrandläufer) R


R

R

Carduelis flavirostris (Berghänfling) R


R

R

Charadrius alexandrinus (Seeregenpfeifer) R B


RB


Charadrius hiaticula (Sandregenpfeifer) R B

B

RB

RB

Chlidonias niger (Trauerseeschwalbe) B


RB

B

Circus cyaneus (Kornweihe) B

B

R


Cygnus columbianus bewickii (Zwergschwan) R


R


Cygnus cygnus (Singschwan) R


R


Eremophila alpestis (Ohrenlerche) R


R

R

Falco columbarius (Merlin) R


R

R

Falco peregrinus (Wanderfalke) R B


R

R

Fulmarus glacialis (Eissturmvogel) R




Gallinago gallinago (Bekassine) R


RB

R

Gavia arctica (Prachttaucher) R




Gavia stellata (Sterntaucher) R




Gelochelidon nilotica (Lachseeschwalbe) B

B

B


Haematopus ostralegus (Austernfischer) R B

B

RB

RB

Haliaeetus albicilla (Seeadler) R B


RB

RB

Himantopus himantopus (Stelzenläufer) B


B

B

Larus argentatus (Silbermöwe) R B

B

RB

RB

Larus canus (Sturmmöwe) R B

B

RB

RB

Larus fuscus (Heringsmöwe) R B

B

RB

RB

Larus marinus (Mantelmöwe) R B

B

RB

R

Larus minutus (Zwergmöwe) R


R

R

Larus ridibundus (Lachmöwe) R B


RB

RB

Larus tridactylus (Rissa tridactyla (Dreizehenmöwe)) R




Limosa lapponica (Pfuhlschnepfe) R


R

R

Limosa limosa (Uferschnepfe) B


RB

RB

Luscinia svecica (Blaukelchen) B


B

B

Melanitta nigra (Trauerente) R




Mergus serrator (Mittelsäger) B

B

RB


Motacilla flava (Schafstelze) B


B

B

Numenius arquata (Großer Brachvogel) R


R

R

Numenius phaeopus (Regenbrachvogel) R

R

R

R

Oenanthe oenanthe (Steinschmätzer) B

B

B


Panurus biarmicus (Bartmeise) B R


RB

B

Phalacrocorax carbo (Kormoran) R


R

R

Philomachus pugnax (Kampfläufer) R B


RB

RB

Platalea leucorodia (Löffler) B


R


Plectrophenax nivalis (Schneeammer) R


R

R

Pluvialis apricaria (Goldregenpfeifer) R


R

R

Pluvialis squatarola (Kiebitzregenpfeifer) R


R

R

Podiceps grisegena (Rothalstaucher) R




Podiceps nigricollis (Schwarzhalstaucher) B


B


Recurvirostra avosetta (Säbelschnäbler) R B


RB

RB

Somateria mollissima (Eiderente) R B

B

RB

RB

Sterna albifrons (Zwergseeschwalbe) B

B

B

B

Sterna hirundo (Flussseeschwalbe) B


B

B

Sterna paradisaea (Küstenseeschwalbe) R B

B

RB

RB

Sterna sandvicensis (Brandseeschwalbe) B




Tadorna tadorna (Brandgans) R B

B

RB

RB

Tringa erythropus (Dunkler Wasserläufer) R


R

R

Tringa nebularia (Grünschenkel) R


R

R

Tringa totanus (Rotschenkel) R B

B

RB

RB

Uria aalge (Trottellumme) R




Vanellus vanellus (Kiebitz) R B


RB

RB

Von Bedeutung: (fett: Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie; B: Brutvögel; R: Rastvögel)




Circus aeruginosus (Rohrweihe) B


B

B

Circus cyaneus (Kornweihe) B R

BR

R

R

Circus pygargus (Wiesenweihe) B


B

B

Crex crex (Wachtelkönig) B


B

B

Gallinago gallinago (Bekassine) B

B

B

B

Larus melanocephalus (Schwarzkopfmöwe) B




Numenius arquata (Großer Brachvogel) B

B



Porzana porzana (Tüpfelsumpfhuhn) B


B

B

Saxicola rubetra (Braunkehlchen) B


B






2
Erhaltungsziele 
2.1
Teilgebiet Nordfriesische Inseln
2.1.1
Übergreifende Ziele für das Teilgebiet
Dünen und Heiden
Der Erhalt der Brutvogelbestände ist das wesentlichste Ziel in den Dünen auf den Inseln. Die Dünengebiete, vor allem auf Amrum, sind als wichtige Brutgebiete insbesondere für Herings-, Silber- und Sturmmöwen sowie Eiderenten zu erhalten. Die Primärdünen sind als wichtige Brutgebiete für die Zwergseeschwalbe und andere Brutvögel der offenen sandigen Flächen zu erhalten. Weiterhin ist die Erhaltung des Brutbestandes des Großen Brachvogels und der Sumpfohreule in den Dünen auf Amrum und des Kornweihenbrutbestandes vor allem in nassen Dünentälern oder in Kriechweiden-Beständen und Krähenbeerenheiden auf der Insel Sylt Ziel. Die Dünen der Inseln Sylt und Amrum sind als wichtiger Brutlebensraum für Steinschmätzer und Wiesenpieper zu erhalten. Störungsarmut, der Erhalt von lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen durch Erhaltung der natürlichen Dynamik sowie das Fehlen von Landraubtieren als Bodenprädatoren (auf Sylt wegen des Bahndammes nicht gewährleistet) sind wesentlichste Voraussetzungen für den Erhalt bzw. die Entwicklungsmöglichkeiten der dortigen Brutvogelbestände.
Folgende Einzelaspekte sind zu berücksichtigen:
Erhaltung
der natürlichen Sand- und Bodendynamik sowie Dünenbildungsprozesse,
der lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen,
reich strukturierter Graudünenkomplexe,
von Dünen, Dünenkomplexen und -strukturen mit Krähenbeere, Besenheide und Kriechweidenbeständen,
der weitgehend ungestörten hydrologischen Verhältnisse, insbesondere des Grundwasserhaushaltes,
vorgelagerter, unbefestigter Sandflächen zur Sicherung der Sandzufuhr,
der Mosaikkomplexe mit anderen charakteristischen Lebensräumen bzw. eingestreuter Sonderstandorte wie z.B. Sandflächen, Silbergrasfluren, Abbruchkanten, Feuchtstellen, Sandmagerrasen, Gewässer, Gebüsche, Heiden und Feuchtheiden,
der natürlichen Sediment- und Strömungsverhältnisse im Küstenbereich mit frisch angeschwemmten Sänden in Primärdünen,
der ungestörten Vegetationsfolge (Sukzession) in den Dünen,
der Vegetationsbestände ohne Bodenverletzungen in Primärdünen,
feuchter und nasser Dünentäler mit nährstoffarmen Verhältnissen.
Salzwiesen
Der Erhalt natürlicher Salzwiesen als Brut-, Rast- und Nahrungsgebiete für Watvögel, Gänse und Enten ist das wesentlichste Erhaltungsziel.
Folgende Einzelaspekte sind zu berücksichtigen:
Erhaltung
weitgehend natürlicher Morphodynamik des Bodens und der Bodenstruktur,
der Salzwiesen mit charakteristisch ausgebildeter Vegetation und ihrer weitgehend ungestörten Vegetationsfolgen (Sukzession),
der weitgehend natürlichen hydrophysikalischen und hydrochemischen Verhältnisse und Prozesse,
der lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen.
Kliff
Der Erhalt der Kliffs als natürlicher Brutplatz für Uferschwalben durch die Erhaltung der biotopprägenden Dynamik ist wesentlichstes Ziel in diesem Lebensraum.
Folgende Einzelaspekte sind zu berücksichtigen:
Erhaltung
der biotopprägenden Dynamik der Steilküsten mit den lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen,
der unbebauten und unbefestigten Bereiche ober- und unterhalb der Steilküsten zur Sicherung der natürlichen Erosion und Entwicklung,
der weitgehend natürlichen Sediment-, Strömungs- und Wellenverhältnisse vor den Steilküsten.
2.1.2
Ziele für Vogelarten
Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der unter Ziffer 1 genannten, im Teilgebiet vorkommenden Arten und ihrer Lebensräume. Hierzu sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Erhaltung
von störungsarmen Brut-, Aufzucht-, Rast- und Nahrungsgebieten,
der Störungsfreiheit im Bereich von Brutgebieten und Brutkolonien vor allem während der Ansiedlungsphase, Brut- und Aufzuchtzeit,
von Brutgebieten, die frei von Bodenprädatoren sind, in Bereichen, in denen natürlicherweise keine dauerhaften Ansiedlungsmöglichkeiten für Landraubtiere gegeben sind,
von störungsfreien Hochwasserrastplätzen für Wat- und Wasservögel,
von weitgehend unzerschnittenen Räumen zwischen Brut-, Nahrungs- und Rastplätzen, insbesondere Freihaltung von hohen vertikalen Fremdstrukturen,
von vegetationsarmen Sand-, Kies- und Muschelschillflächen durch Erhaltung der natürlichen geomorphologischen Küstendynamik, insbesondere als Brutplatz für Zwergseeschwalbe, Sand- und Seeregenpfeifer,
von offenen weitgehend ungestörten Heide- und Dünenbereichen sowie Verlandungszonen, u.a. als Brutgebiete von Kornweihe, Wiesenpieper, Steinschmätzer und Feldlerche,
von Krähenbeerenheiden, Kriechweidenbeständen sowie Röhrichten in feuchten Dünentälern als Hauptbruthabitate für die Kornweihe in Schleswig-Holstein und wichtiges Nahrungsgebiet für Regenbrachvögel,
geeigneter Jagdgebiete mit ausreichender Nahrungsverfügbarkeit (Dünen, Heideflächen, Salzwiesen, Grünland, Brachen u.ä.) im Umfeld der Brutplätze von Kornweihe und Sumpfohreule.
2.2
Teilgebiet Köge an der Westküste Schleswig-Holsteins
2.2.1
Übergreifende Ziele für das Teilgebiet
Die Erhaltung der Brut-, Rast- und Mauserbestände und die Erhaltung der Funktion der Köge als Nahrungsgebiet sind wesentliche Ziele in diesem Teilbereich.
In allen Naturschutzkögen sind die weitgehende Ungestörtheit der Flächen und der größeren Gewässer zu erhalten.
Insbesondere sind die weitgehend ungestörten Flugbeziehungen zwischen den in das Gebiet eingezogenen Naturschutzkögen und den angrenzenden Teilbereichen des Vogelschutzgebietes, insbesondere des Wattenmeers, zu erhalten. Zum Schutz der vorkommenden (Groß-)Vögel sind alle Naturschutzköge von vertikalen Strukturen, wie Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen, freizuhalten; ihr unverbauter Zustand und die ungestörten Ruhezonen sind zu erhalten. Grundsätzlich sind in den Gebieten und in angrenzenden Gebieten eine gute Wasserqualität und eine möglichst naturnahe Gewässerdynamik zu erhalten.
Drei charakteristische Lebensgemeinschaften der Küste haben sich in den Naturschutzkögen entwickelt:
1.
Sukzessionsflächen im Süßwasser: Hauke-Haien-Koog, Katinger Watt, Wester-Spätinge und Beltringharder Koog
2.
Feuchtgrünland und Feuchtwiesen: Rickelsbüller Koog, Hauke-Haien-Koog, Beltringharder Koog, Eiderästuar, Speicherkoog Dithmarschen
3.
Salzwasserlagunen: Speicherkoog Dithmarschen, Beltringharder Koog, Rantumbecken
In den Naturschutzkögen gelten für diese Lebensgemeinschaften unterschiedliche übergreifende Ziele:
1.
In den Sukzessionsflächen, die nach der Eindeichung aussüßten, ist eine möglichst natürliche vom Menschen unbeeinflusste Entwicklung mit einer ganz charakteristischen Dynamik von zunächst offenen Watt- und Vorlandflächen zu Röhrichten, Hochstauden und Gebüsch- und Waldformationen zu erhalten.
2.
Im Feuchtgrünland ist das Ziel die Erhaltung einer von ehemaligen Prielen und Grüppen oder anderen Wasserläufen durchzogenen offenen bis halboffenen und von Süßwasser geprägten Landschaft, die einzelne Schilfröhrichte und Weidengebüsche aufweist, als Bruthabitat für Wiesenvögel und Nahrungshabitat für Schwäne, Enten und Gänse, namentlich Nonnengänse.
3.
In den Lagunen ist das Ziel die jeweils typischen Meeresbuchten mit einem gebietsspezifischen eingeschränkten Salzwasser-, Tier- und Pflanzenaustausch mit dem Wattenmeer zu erhalten. Das gesamte Management der künstlichen Lagunen ist möglichst den natürlichen Vorgängen anzupassen und mit einem weitgehend gebietspezifischen Tidenhub und Tidenrhythmus und einer möglichst natürlichen Dynamik zu erhalten, so dass sich typische Lebensgemeinschaften der Lagunen entwickeln können.
2.2.2
Ziele für Vogelarten
Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der unter Ziffer 1 genannten, im Teilgebiet vorkommenden Arten und ihrer Lebensräume. Hierzu sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Arten der Sukzessionsflächen wie Tüpfelralle, Rohrweihe, Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Bartmeise
(Rantumbecken, Beltringharder Koog, Speicherkoog Dithmarschen, Hauke-Haien-Koog und Fahretofter Westerkoog)
Erhaltung
der Sukzession der Vegetation,
der weitgehend unbeeinträchtigten Bereiche,
der möglichst natürlichen geomorphologischen Dynamik,
der möglichst natürlichen hydrophysikalischen und hydrochemischen Verhältnisse und Prozesse.
Arten des Feuchtgrünlandes wie Zwergschwan, Nonnengans, Pfeifente, Spießente, Krickente, Knäkente, Goldregenpfeifer, Kiebitz, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Bekassine, Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Trauerseeschwalbe, Feldlerche, Wiesenpieper, Schafstelze, Braunkehlchen
(Rickelsbüller Koog, Beltringharder Koog, Speicherkoog Dithmarschen, Hauke-Haien-Koog, Vordeichung Ockholm und Katinger Watt)
Ziel ist, die offene Feuchtwiesenlandschaft mit Management als Bruthabitat für Wiesen- und Küstenvögel und als Nahrungsflächen sowie Rastflächen für Gänse, Schwäne und Enten zu erhalten, im Einzelnen:
Erhaltung
von großen, zusammenhängenden, offenen Grünlandflächen mit ausreichend Wasser gesättigtem Boden (feuchtes Grünland) in extensiver landwirtschaftlicher Nutzung sowie kleinflächigen Bereichen mit Schilf und Hochstaudenfluren als Brut- und Nahrungshabitat,
kleiner offener Wasserflächen wie Blänken und Mulden in Verbindung mit dem Grünland,
eines ganzjährigen hohen Wasserstandes in den Gräben und alten Prielen sowie eines hohen Grundwasserstandes, mit im Winter zum Teil überstauten Teilflächen,
von störungsfreien Brutbereichen während der Ansiedlung und Brut.
Arten der Lagunen des Küstenraums wie Eiderente, Wanderfalke, Säbelschnäbler, Seeregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Knutt, Pfuhlschnepfe, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Steinwälzer, Zwergmöwe
(Rantumbecken, Beltringharder Koog und Speicherkoog Dithmarschen)
Erhaltung
vom Meer beeinflusster Gewässer und deren Verbindungen zur Nordsee,
der möglichst natürlichen hydrophysikalischen und hydrochemischen Gewässerverhältnisse und Prozesse und der hydrologischen Bedingungen in der Umgebung der Gewässer,
der prägenden Sediment- und Strömungsverhältnisse sowie der durch diese bewirkten Morphodynamik,
der lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen v.a. der ökologischen Wechselwirkungen mit amphibischen Kontaktlebensräumen wie Salzwiesen, Stränden, Hochstaudenfluren, Röhrichten und Pioniergesellschaften,
von vegetationsarmen Muschelschill-, Kies- und Sandflächen (Seeschwalben),
störungsarmer Hochwasserrastplätze, Mausergebieten und Nahrungsflächen mit günstiger Nahrungsverfügbarkeit,
von möglichst ungestörten Beziehungen zwischen einzelnen Teilhabitaten wie Nahrungsgebieten und Schlafplätzen.
Arten der Röhrichte wie Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Rohrschwirl, Rohrdommel, Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn, Bartmeise
(Hauke-Haien-Koog, Rantumbecken, Beltringharder Koog, Speicherkoog Dithmarschen und Katinger Watt)
Erhaltung
von naturnahen Bruthabitaten wie Röhrichten, Weidengebüschen und Verlandungszonen sowie vielfältigen und großen Übergangsbereichen,
ungestörter Brutbereiche während der Ansiedlung und Brut,
von Verlandungszonen, Gewässerflächen und extensiv genutztem Feuchtgrünland als Nahrungsgebiete, insbesondere in der Umgebung der Brutplätze,
eines ausreichend hohen Wasserstands,
lückiger Schilfbestände mit langen Grenzlinien und mit zum Teil geringer Halmdichte (Schilfrohrsänger),
von großflächigen und wasserständigen Altschilfbeständen ohne oder mit nur gelegentlicher Schilfmahd (Rohrdommel, Bartmeise, Rohrschwirl),
eines möglichst störungsfreien Umfeldes der Brutplätze während der Ansiedlung und Brut (Rohrdommel),
von Brackwasser-Röhrichten und Gewässerverlandungszonen früher Sukzessionsstadien mit einem Mosaik aus feuchtem Schilfröhricht, Hochstauden, einzelnen Weidenbüschen sowie vegetationsarmen Flächen (Blaukehlchen).
Rast-, Mauser- und Nahrungsgebiet für Wat- und Wasservögel
(alle Gebiete)
Erhaltung
der Köge als störungsarme Rast-, Mauser- und Nahrungsgebiete für Wasser- und Watvögel an der Nordseeküste, u.a. mit störungsarmen Flachwasserbereichen, kurzrasiger Randvegetation sowie Misch- und Schlickwattflächen,
von störungsarmen Schlafplätzen, insbesondere Sandbänke, Überschwemmungsflächen und Flachwasserbereiche,
kurzrasiger Flächen als Nahrungsgebiet mit günstiger Nahrungsverfügbarkeit für Gänse, Schwäne, Enten und andere Wasservögel sowie als Rastplatz, insbesondere Hochwasserrastplatz für Watvögel,
einer möglichst natürlichen Gewässerdynamik und geomorphologischen Küstendynamik.
Arten der Seen wie Schwarzhalstaucher, Zwergsäger, Rohrdommel, Singschwan, Seeadler, Wat- und Wasservögel
(Hauke-Haien-Koog, Rantumbecken, Beltringharder Koog, Rickelsbüller Koog, Katinger Watt)
Erhaltung
ungestörter Brut-, Rast-, Mauser- und Nahrungsgebiete für Wasser- und Watvögel u.a. mit störungsarmen Flachwasserbereichen, Schilf oder kurzrasiger Randvegetation sowie Misch- und Schlickwattflächen,
von Verlandungszonen, Gewässerflächen und extensiv genutztem Feuchtgrünland als Nahrungsgebiete,
eines ausreichend hohen Wasserstands,
von großflächigen und wasserständigen Altschilfbeständen ohne oder mit nur gelegentlicher Schilfmahd (Rohrdommel, Schwarzhalstaucher).
2.3
Teilgebiet Ästuare/Flussmündungen
2.3.1
Übergreifende Ziele für das Teilgebiet
Erhaltung
des Tideeinflusses mit der charakteristischen Salz-, Brack- und Süßwasserzonierung der Lebensgemeinschaften,
der Biotopkomplexe und ihrer charakteristischen Strukturen und Funktionen mit z.B. Watten, Süß- und Salzwiesen, Altwassern, Priel- und Grabensystemen, Spülsäumen, Röhrichten, Riedern, Schlammbänken, Stränden,
der ökologischen Wechselbeziehungen mit dem terrestrischen, limnischen und marinen Umfeld,
der Sedimentations- und Strömungsverhältnisse sowie der natürlichen Dynamik im Flussmündungs- und Uferbereich,
der biotopprägenden hydrochemischen und hydrophysikalischen Gewässerverhältnisse und Prozesse des Küstenmeeres, der Flussmündungen und seiner Zuflüsse,
der weitgehenden Ungestörtheit der Flächen und der größeren Gewässer,
ungestörter Zugwege für Wat- und Wasservögel. Insbesondere sind die weitgehend ungestörten Flugbeziehungen zwischen dem Eiderästuar und den anderen Teilbereichen des Vogelschutzgebietes, insbesondere des Wattenmeeres, zu erhalten. Zum Schutz der vorkommenden (Groß-)Vögel ist das Eiderästuar von vertikalen Strukturen wie Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen freizuhalten sowie sein unverbauter Zustand und die ungestörten Ruhezonen zu erhalten,
einer guten Wasserqualität und einer möglichst naturnahen Gewässerdynamik.
2.3.2
Ziele für Vogelarten
Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der unter Ziffer 1 genannten, im Teilgebiet vorkommenden Arten und ihrer Lebensräume. Hierzu sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Arten der Sukzessionsflächen wie Tüpfelsumpfhuhn, Rohrweihe, Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Bartmeise (Vorländer bei Friedrichstadt einschließlich Koldenbüttler Vorland und äußere Flächen des Dithmarscher Eidervorlands)
Erhaltung
der Sukzession der Vegetation,
der weitgehend unbeeinträchtigten Bereiche,
der möglichst natürlichen geomorphologischen Dynamik,
der möglichst natürlichen hydrophysikalischen und hydrochemischen Verhältnisse und Prozesse,
als störungsarme Gebiete, die frei von Vertikalstrukturen sind.
Arten des Feuchtgrünlands wie Nonnengans, Pfeifente, Spießente, Krickente, Knäkente, Säbelschnäbler, Goldregenpfeifer, Kiebitz, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Bekassine, Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Trauerseeschwalbe, Feldlerche, Wiesenpieper, Schafstelze
(Dithmarscher Eidervorland, Grüne Insel und Oldensworter Vorland)
Ziel ist der Erhalt der offenen Feuchtwiesenlandschaft mit Management als Bruthabitat für Wiesen- und Küstenvögel und als Nahrungsflächen sowie Rastflächen für Gänse, Schwäne und Enten.
Erhaltung
von großen, zusammenhängenden, offenen Grünlandflächen mit ausreichend Wasser gesättigtem Boden (feuchtes Grünland) in extensiver landwirtschaftlicher Nutzung sowie kleinflächigen Bereichen mit Schilf und Hochstaudenfluren als Brut- und Nahrungshabitat,
kleiner offener Wasserflächen wie Blänken und Mulden in Verbindung mit dem Grünland,
eines ganzjährigen hohen Wasserstandes in den Gräben und alten Prielen sowie eines hohen Grundwasserstandes mit im Winter zum Teil überstauten Teilflächen,
von störungsfreien Brutbereichen während der Ansiedlung und Brut,
von pflanzenreichen, flachen Kleingewässern wie Tränkekuhlen und Gräben als Bruthabitate der Trauerseeschwalbe.
Arten der Röhrichte wie Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Rohrdommel, Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn, Bartmeise
(Eidervorländer bei Friedrichstadt)
Erhaltung
von naturnahen Bruthabitaten wie Röhrichten, Weidengebüschen und Verlandungszonen sowie vielfältigen und großen Übergangsbereichen,
weitgehend ungestörter Brutbereiche während der Ansiedlung und Brut,
von Verlandungszonen, Gewässerflächen und extensiv genutztem Feuchtgrünland als Nahrungsgebiete, insbesondere in der Umgebung der Brutplätze,
weitgehend natürlicher Wasserstandsschwankungen,
lückiger Schilfbestände mit langen Grenzlinien und mit zum Teil geringer Halmdichte (Schilfrohrsänger),
von großflächigen und wasserständigen Altschilfbeständen ohne oder mit nur gelegentlicher Schilfmahd (Rohrdommel, Bartmeise, Rohrschwirl),
eines möglichst störungsfreien Umfeldes der Brutplätze während der Ansiedlung und Brut (Rohrdommel),
von Brackwasser-Röhrichten und Gewässerverlandungszonen früher Sukzessionsstadien mit einem Mosaik aus feuchtem Schilfröhricht, Hochstauden, einzelnen Weidenbüschen sowie vegetationsarmen Flächen (Weißstern-Blaukehlchen).
Arten der Godelniederung wie Brandgans, Säbelschnäbler, Sandregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Knutt, Pfuhlschnepfe, Rotschenkel, Lachmöwe, Sturmmöwe, Zwergmöwe
Erhaltung
der Salzwiesenkomplexe, Strandwälle und Nehrungshaken als Brut-, Nahrungs- und Rastgebiete,
ungestörter Brutbereiche während der Ansiedlung und Brut,
als störungsarmes Rast- und Nahrungsgebiet, frei von Vertikalstrukturen,
weitgehend natürlicher Wasserstandsschwankungen,
der möglichst natürlichen geomorphologischen Dynamik.


 


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