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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
Erlassdatum:04.09.2006
Fassung vom:26.04.2019
Gültig ab:13.05.2019
Quelle:Wappen Schleswig-Holstein
Gliederungs-Nr:7911.75
 

Zum Hauptdokument : Erklärung zu Europäischen Vogelschutzgebieten in Schleswig-Holstein sowie Auswahl von nach Artikel 4 Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG des Rates (FFH-Richtlinie) zu benennenden Gebieten



Erhaltungsziele für das als Vogelschutzgebiet
DE 1828-491 "Großer Plöner See-Gebiet"

1
 Erhaltungsgegenstand
Das Gebiet ist für die Erhaltung folgender Vogelarten und ihrer Lebensräume
a)
von besonderer Bedeutung: (fett: Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie; B: Brutvögel; R: Rastvögel)
Eisvogel (Alcedo atthis) (B)
Schnatterente (Anas strepera) (R)
Reiherente (Aythya fuligula) (R)
Nonnengans (Branta leucopsis) (B)
Schwarzspecht (Dryocopus martius) (B)
Seeadler (Haliaeetus albicilla) (B)
Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) (B)
Gänsesäger (Mergus merganser) (B)
Kolbenente (Netta rufina) (B)
Kormoran (Phalacrocorax carbo) (R)
Haubentaucher (Podiceps cristatus) (R)
Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) (B)
Kiebitz (Vanellus vanellus) (R)
b)
von Bedeutung: (fett: Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie; B: Brutvögel)
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) (B)
Uhu (Bubo bubo) (B)
Rohrweihe (Circus aeruginosus) (B)
Mittelspecht (Dendrocopos medius) (B)
Zwergschnäpper (Ficedula parva) (B)
Neuntöter (Lanius collurio) (B)
Mittelsäger (Mergus serrator) (B)
Wespenbussard (Pernis apivorus) (B)
Kiebitz (Vanellus vanellus) (B)
2
 Erhaltungsziele
2.1
Übergreifende Ziele
Erhaltung des Gebietes mit dem Großen Plöner See als größten Binnensee Schleswig-Holsteins und kleinen Nebenseen mit zahlreichen teils bewaldeten Inseln und ausgedehnten Flachwasserbereichen als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung mit Brut-, Rast- und Mauserlebensraum für viele wassergebundenen Vogelarten. Hierfür sind u.a. störungsarme Gewässerbereiche während der Mauser- und Rastzeit zu erhalten.
Das für Schleswig-Holstein bedeutendste binnenländische Brutvorkommen der Flussseeschwalbe sowie eine bedeutende Nonnenganskolonie auf dem Ruhelebener Warder ist zu erhalten. Weiterhin ist die Erhaltung von im Hohenrader Forst (Suhrer See) befindlichen Brutplätze des Wespenbussards, Mittel- und Schwarzspechtes sowie Zwergschnäppers sicherzustellen.
2.2
Ziele für Vogelarten
Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der unter Ziffer 1 genannten Arten und ihrer Lebensräume. Hierzu sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Im Gebiet rastende oder mausernde Wasservogelarten wie Kormoran, Haubentaucher, Schnatter- und Reiherente sowie durchziehende Zwergmöwen und Trauerseeschwalben
Erhaltung
von störungsarmen Mauser-, Rast- und Nahrungsgebieten insbesondere in den Flachwasserbereichen und Buchten um die Inseln und an den Festlandufern (Erhaltung von Grünland als Nahrungsflächen für Gänse),
von störungsarmen Schlafplätzen insbesondere in den Flachwasserbereichen um die Inseln und an den Festlandufern sowie auf den Inseln selbst,
von weitgehend unzerschnittenen Räumen zwischen Nahrungs- und Schlafplätzen im Gebiet insbesondere ohne vertikale Fremdstrukturen,
einer günstigen Nahrungssituation. Neben der Erhaltung störungsarmer Grünlandflächen für Gänse v.a. Erhaltung der charakteristischen Biozönose eines Großsees (u.a. ungestörte Massenentwicklung von Kleinfischen für die fischverzehrenden Arten (Kormoran, Haubentaucher)) und Massenentwicklung von Chironomiden als Nahrungsgrundlage für Zwergmöwen und Trauerseeschwalben.
Brutvögel der Seen, Teiche, Kleingewässer und Bäche wie Flussseeschwalbe, Nonnengans, Eisvogel, Seeadler, Schwarzkopfmöwe, Gänsesäger, Mittelsäger, Kolbenente
Erhaltung
von weitgehend störungsfreien Möweninseln als Brutplatz für Mittelsäger, Flussseeschwalbe, Nonnengans, Schwarzkopfmöwe und Kolbenente,
von kurzrasigen oder kiesigen Arealen als Brutplatz (Flussseeschwalbe),
von klaren Gewässern mit reichen Kleinfischvorkommen im Umfeld der Brutkolonien (Flussseeschwalbe),
ungestörter Rastgebiete (Flussseeschwalbe),
von nahrungsreichem Grünland im Umfeld der Brutplätze (Schwarzkopfmöwe),
von naturnahen, kleinfischreichen Seen, Weihern und Flüssen als wichtigste Bruthabitate (Gänsesäger),
eines ausreichenden Höhlenangebotes in Gewässernähe insbesondere in Altholzbeständen mit natürlichen Bruthöhlen (Gänsesäger),
einer möglichst hohen Wasserqualität und -klarheit (Eisvogel, Mittel- und Gänsesäger) und damit der Vorkommen von Laichkräutern und Armleuchteralgen als wesentlicher Nahrungsgrundlage (Kolbenente),
der Durchgängkeit von Fließgewässern (als Wanderstrecke der Familien) (Gänsesäger),
von ruhigen, pflanzenreichen Flachwasserbuchten als wichtigstem Nahrungshabitat (Kolbenente, Mittelsäger),
eines ausreichend hohen und während der Brutzeit weitgehend konstanten Wasserstandes (Kolbenente),
der naturnahen Fließgewässersysteme und der natürlichen, dynamischen Prozesse der Fließgewässer mit Überschwemmungszonen, Prallhängen, Flussbettverlagerungen etc. (Eisvogel),
von Strukturen, die geeignete Brutmöglichkeiten bieten (z.B. Steilwände, Abbruchkanten, Wurzelteller umgestürzter Bäume), in Wäldern auch in größerer Entfernung vom Gewässer (Eisvogel),
störungsarmer Fließgewässerabschnitte mit Brutvorkommen insbesondere während der Zeit der Jungenaufzucht zwischen dem 1. Mai bis 31. August (Eisvogel),
von Sekundärlebensräumen wie z.B. Baggerseen und gewässernahen Kies- und Sandgruben mit vorhandenen Steilwänden (Eisvogel),
grundwassergespeister, auch in Kältewintern meist eisfrei bleibender Gewässer (Eisvogel).
Arten der (Land-)Röhrichte, Weidengebüsche und Hochstauden wie Schilfrohrsänger, Rohrweihe, Schlagschwirl, Beutelmeise
Erhaltung
von Schilfröhricht nasser Standorte in strukturell vielfältigem Umfeld mit Hochstaudenriedern, einzelnen Weidenbüschen und extensiv genutztem Grünland (Schilfrohrsänger),
lückiger Schilfbestände mit langen Grenzlinien und mit zum Teil geringer Halmdichte (Schilfrohrsänger),
eines ausreichend hohen Wasserstandes (Schilfrohrsänger, Schlagschwirl),
von naturnahen Bruthabitaten wie Röhrichten und Verlandungszonen in Niederungen sowie an Teichen und Seen (Rohrweihe),
von Verlandungszonen, Kleingewässern, extensiv genutztem Feuchtgrünland u.ä. als Nahrungsgebiete in der Umgebung der Brutplätze (Rohrweihe),
von Räumen im Umfeld der Bruthabitate, die weitgehend frei von vertikalen Fremdstrukturen wie z.B. Stromleitungen und Windkrafträder sind (Rohrweihe).
Arten des Offenlandes vor allem Feuchtgrünland wie Kiebitz
Erhaltung
großflächig offener und zusammenhängender Grünlandbereiche mit möglichst geringer Zahl von Vertikalstrukturen und ausreichend feuchtem Grünland mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung,
von kleinen offenen Wasserflächen wie Blänken und Mulden in Verbindung mit Grünland,
von Bereichen mit hohem (Grund-)Wasserstand,
von störungsarmen Brutbereichen zwischen dem 1. April bis 31. Juli.
Arten der Laub-, Misch- und Bruchwälder wie Seeadler, Uhu, Mittel- und Schwarzspecht, Zwergschnäpper, Wespenbussard
Erhaltung
eines – bezogen auf das Gesamtgebiet – ausreichend hohen Anteils zusammenhängender, über 80-jähriger Laubwaldbestände mit einem ausreichenden Anteil an
Alteichen, sonstigen rauhborkigen Bäumen wie z.B. Uralt-Buchen und stehendem Totholz mit BHD über 25 cm (Mittelspecht) und
Altholz zur Anlage von Nisthöhlen v.a. glattrindige, über 80-jährige Laubhölzer mit BHD über 35 cm (Schwarzspecht),
von alten, lichten Waldbeständen mit Lichtungen, Waldwiesen und strukturreichem Offenland wie Grünland, Brachen, Rainen etc. in der Umgebung (Wespenbussard),
der Störungsarmut im Horstumfeld zwischen dem 1. Mai bis 31. August (Wespenbussard), 31. Januar bis 31. Juli (Uhu), 15. Februar bis 31. August (Seeadler),
der traditionell genutzten Horstbäume und der Strukturen im direkten Umfeld (Wespenbussard),
geeigneter Horstbäume insbesondere alter, starkastiger Eichen und Buchen (Wespenbussard, Seeadler) und Nadelbäume (Wespenbussard),
von Räumen im Umfeld der Bruthabitate, die weitgehend frei von vertikalen Fremdstrukturen wie z.B. Stromleitungen und Windkrafträdern sind (Seeadler, Wespenbussard, Uhu),
von aufgelockert strukturierten Misch- und Nadelwäldern als bevorzugte Nahrungshabitate (Schwarzspecht),
von Ameisenlebensräumen, insbesondere lichten Waldstrukturen, Lichtungen, Schneisen als wesentliche Nahrungshabitate (Schwarzspecht),
von Totholz und Baumstubben als Nahrungsrequisiten (Schwarzspecht),
von Erlen- und Eschenbeständen auf Feuchtstandorten mit hohem Alt- und Totholzanteil (Mittelspecht),
eines naturnahen Wasserregimes (Mittelspecht, Zwergschnäpper) und Waldgewässern (Zwergschnäpper),
naturnaher Laub- und Mischwälder mit hoher, geschlossener Kronenschicht und unterschiedlichen Altersstufen (Zwergschnäpper),
von Höhlenbäumen (Schwarzspecht, Zwergschnäpper) und stehendem Totholz (Zwergschnäpper),
von störungsarmen Altholzbeständen in der Umgebung fisch- und vogelreicher Binnengewässer (Seeadler),
von fischreichen Gewässern und vogelreichen Feuchtgebieten (Seeadler),
der reich gegliederten Kulturlandschaft (Uhu),
der Brutplätze, z.B. in Kiesgruben, auf Horstbäumen (Uhu),
von Begleitanpflanzungen an Straßen und Bahndämmen im Umfeld der Brutplätze (Vermeidung von Kollisionen) (Uhu).
Arten des Waldrandes, der Lichtungen, Feldgehölze und Knicks wie Neuntöter
Erhaltung
von halboffenen, strukturreichen Landschaften mit natürlichen Waldsäumen, Knicks, Gehölzen und Einzelbüschen, insbesondere Dornenbüschen, als wichtige Strukturelemente (Ansitz- und Brutmöglichkeiten) (Neuntöter),
von extensiv genutztem Grünland und einer artenreichen Krautflora in Feldrainen, Staudenfluren und Brachflächen mit reichem Nahrungsangebot (Neuntöter).


 


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